Deutsche Grammophon: 120 Jahre alt und kein bisschen leise | Musik | DW | 05.11.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Musik

Deutsche Grammophon: 120 Jahre alt und kein bisschen leise

Mit einem Festkonzert in der Berliner Philharmonie am 6. November feiert das älteste Klassik-Label der Welt sein Jubiläum. Ein Rückblick auf zwölf Jahrzehnte Klassik- und Musikgeschichte.

Im Dezember 1898 in Hannover gegründet, ist die Plattenfirma Deutsche Grammophon Gesellschaft (DG) so alt wie die Aufnahmetechnik selbst. Dahinter standen Emil Berliner - der in Hannover geborene, US-amerikanische Erfinder der Schellack-Scheibe und des Abspielgeräts - und dessen Bruder Josef. Berliners Scheibe war eine Weiterentwicklung der Walze Thomas Edisons.

Schon 1902 entstanden erste Aufnahmen mit dem großen italienischen Tenor Enrico Caruso. Viele andere folgten. Bis 1907 hatte die Schallplattenfabrik in Hannover 200 Pressmaschinen.

Viele Namen, eine Tradition

In den Jahrzehnten danach standen viele Namen mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft in Verbindung: die Grammophone Company, Polydor, Siemens & Halske, Telefunken, Archiv Produktionen, Polygram. Mit einigen war die Firma affiliert, andere hat sie gegründet, in anderen ist sie aufgegangen. Heute gehört die Deutsche Grammophon zur Universal Music Group, aber der Firmenname ist ebenso geblieben wie die langjährigen Beziehungen mit den Künstlern.

1913 gab es die erste vollständige Aufnahme eines Orchesterwerks: Ludwig van Beethovens Fünfte Sinfonie wurde auf vier doppelseitigen Scheiben herausgegeben; Arthur Nikisch leitete die Berliner Philharmoniker. 

Emil Berliner (DG Archiv)

Erfinder und Firmengründer Emil Berliner

Zwei Weltkriege bedeuteten auch zwei herbe Einbrüche in der Firmengeschichte. Im Ersten Weltkrieg wurden Exportartikel aus Deutschland - auch Tonaufnahmen - von den Alliierten boykottiert. Vor dem Zweiten Weltkrieg trieben die Nationalsozialisten den Prozess der "Arisierung" voran. Jüdische und andere "nicht-arische" Künstler wurden vertrieben, viele ihrer Tondokumente zerstört: ein unwiederbringlicher Verlust für die Musikgeschichte.

Man geht mit der Zeit

Erst in der Nachkriegszeit kam das gelbe Label. Die DG musste sich neu erfinden, und bald stand sie für die größten Namen der Klassikwelt: die Dirigenten Herbert von Karajan, Karl Böhm und Wilhelm Furtwängler oder den Sänger Dietrich Fischer-Dieskau. Auch ihre Barock-Aufnahmen der Reihe "Archiv Produktion" waren weltweit geschätzt.

Zu einem großen Aufschwung trug die Erfindung der Compact Disc Anfang der 1980er-Jahre bei. Nach einer Marktsättigung waren Konsumenten plötzlich von der neuen Technik fasziniert, viele ältere Aufnahmen wurden digital remastert.

Orchesteraufnahme vor dem Trichter (Deutsche Grammophon)

Orchesteraufnahme vor dem Trichter

Im digitalen Zeitalter geht die Firma mit der Zeit und bietet Aufnahmen auf Streaming-Plattformen von Spotify über Apple Music bis Amazon. Jedoch macht die DG noch immer 80 Prozent ihres Umsatzes im Klassikbereich in Form von Tonträgern, nur 20 Prozent mit digitalen Verbreitungswegen - zumindest in Deutschland. In den USA werden inzwischen 55 Prozent der Klassikaufnahmen digital vertrieben.

Clemens Trautmann, Präsident der Deutschen Grammophon, sieht "im Internetzeitalter mit seiner verwirrenden Vielfalt an Musikerlebnissen eine Sehnsucht nach Wertebestand und Orientierung - und das führt zu einer Klassik-Renaissance." Das schließt neue Genres oder Vermittlungswege nicht aus, darunter die von der Firma geförderte Neo-Klassik oder die "Klassik-Lounge", in der seriöse Künstler in einem ungezwungenen Club-Ambiente auftreten. Oft wird das Event dann via Livestream gesendet.

Allgemein, sagt Trautman, gehe der Trend am Klassikmarkt heute hin zu individuellen und einzigartigen Interpretationen - und die Grenzen zwischen den Medien seien flüssiger geworden. Dabei vermitteln Musiker ihre Kunst oft über mehrere Medienkanäle bis hin zu den Sozialen Medien. So wird das "gelbe Label" auch in Zukunft präsent sein.

Das Festkonzert in der Berliner Philharmonie wird ab 20 UHR MEZ live gestreamt
 

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links