Erneut mehr Malaria-Infektionen | Welt | DW | 19.11.2018
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Weltgesundheitsorganisation

Erneut mehr Malaria-Infektionen

Aus einem neuen WHO-Bericht geht hervor: Die Zahl der Erkrankungen ist zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Alle zwei Minuten stirbt ein Kind an Malaria. Trotzdem gibt es Hoffnung, die Krankheit bis 2030 einzudämmen.

Kenia Netz gegen Malaria-Mücke (picture-alliance/dpa7S. Morrison)

Moskitonetze wie hier in Kenia sind eine günstige und effektive Waffe im Kampf gegen Malaria

Viele Afrikaner reden über Malaria wie Europäer über eine fiese Erkältung: Rechtzeitig mit Medikamenten behandelt, ist sie nach ein paar Tagen Bettruhe häufig ausgestanden. Trotzdem musste die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun einräumen, dass die Infektionszahlen 2017 zum zweiten Mal in Folge wieder angestiegen sind. Die Bekämpfung der vielfach tödlichen Krankheit ist ins Stocken geraten. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte, ohne einen verstärkten Einsatz drohten die Erfolge der vergangenen Jahre zunichte gemacht zu werden. Zwischen 2010 und 2015 hatte der Kampf gegen Malaria weltweit Fortschritte erzielt, die neuerlichen Anstiege sind laut Tedros ein "massiver Weckruf".

Infografik Malaria Infektion Todesfälle DE

Mehr Infektionen, weniger Tote

219 Millionen Malariafälle registrierte die WHO laut ihrem neuesten Bericht im Jahr 2017, das sind zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Den größten Anstieg verzeichnete Nigeria mit 1,3 Millionen Fällen mehr. Das bevölkerungsreiche Land am Golf von Guinea hatte 2017 mit rund 59 Millionen so viele Malaria-Fälle wie kein anderer Staat. Einige Staaten verzeichneten laut WHO hingegen deutliche Rückgänge bei der Zahl der Erkrankungen, darunter Äthiopien, Ruanda, Indien und Pakistan.

90 Prozent der Infektionen ereignen sich in Afrika, 70 Prozent der weltweiten Erkrankungen lassen sich auf elf Länder verengen: die afrikanischen Staaten Nigeria, Kongo, Mosambik, Burkina Faso, Kamerun, Ghana, Mali, Niger, Uganda und Tansania sowie Indien.

Immerhin ging die Zahl der Todesfälle leicht zurück. 435.000 Menschen starben 2017 an Malaria, im Vorjahr waren es 451.000 gewesen. Mehr als die Hälfte waren Kleinkinder unter fünf Jahren. "Die Tatsache, dass alle zwei Minuten ein Kind an dieser vermeidbaren und heilbaren Krankheit stirbt, ist inakzeptabel", sagte WHO-Chef Tedros.

Malaria ist benannt nach der feucht-warmen, "schlechten" Luft (italienisch: "mala aria"), in der sich die Anophelesmücke am wohlsten fühlt. Um ihren Proteinbedarf fürs Eier legen zu decken, bedienen sich die Weibchen an menschlichem oder tierischen Blut und lassen dabei häufig Parasiten zurück, sogenannte Plasmodien. Diese vermehren sich in der Blutbahn und der Leber. Ein bis zwei Wochen später bricht die Krankheit aus, typischerweise mit schweren Fieberattacken. Auch Anämie und neurologische Probleme können zu den Folgen einer Erkrankung gehören.

Weltweiter Kampf gegen Malaria

Bis 2030 wollen die Vereinten Nationen die Malaria-Epidemie beenden: Das Tropenfieber steht in den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung in einer Reihe mit Aids, Tuberkulose und den sogenannten "vernachlässigten Tropenkrankheiten". Dabei helfen soll eine globale Strategie, die den Zugang zu Prävention, Diagnose und Behandlung sichern soll und Anstrengungen intensivieren soll.

Die Staatengemeinschaft investierte 2017 laut WHO insgesamt rund 3,1 Milliarden US-Dollar, um Malaria einzudämmen. Bis 2020 müsste das jährliche Budget jedoch auf 6,6 Milliarden Dollar verdoppelt werden, damit binnen eines Jahrzehnts 90 Prozent weniger Todesfälle auftreten, schätzt die WHO. Wenn die betroffenen Länder und die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen verstärkten, könne Malaria besiegt werden, sagte Tedros.

Mosambik Frau mit Moskitonetz (DW/Luciano da Conceição)

Diese Frau in Mosambik hat ein Moskitonetz von der Regierung bekommen

Als günstig wie effektiv haben sich dabei mit Insektengift behandelte Moskitonetze erwiesen. 2010 waren erst 30 Prozent der afrikanischen Bevölkerung so geschützt, sechs Jahre später schliefen immerhin schon 54 Prozent der Afrikaner unter solchen Netzen. Vom 100-Prozent-Ziel, das in der globalen Strategie verankert ist, sind viele Familien weit entfernt. Häufig müssen sich mehrere Personen ein Netz teilen, jeder fünfte Haushalt im Afrika südlich der Sahara besitzt noch überhaupt kein Netz. Und einige der Menschen, die kostenlose Moskitonetze erhalten, wissen zu wenig darüber, wie sehr sie das Malaria-Risiko verringern. So werden regelmäßig Moskitonetze für die Landwirtschaft zweckentfremdet.

Moskitonetze sind, gemeinsam mit langer, mückenfester Kleidung, der bislang beste Schutz gegen die gefährlichen Stiche. Prophylaxe-Medikamente, die die Gefahr einer Ansteckung weiter verringern, können sich die meisten Menschen in den Risikogebieten nicht leisten, sofern sie überhaupt Zugang dazu haben. Gerade für Schwangere wäre medikamentöse Vorsorge jedoch sinnvoll.

Tansania Moskitonetze (DW/S. Khamis)

Immer wieder zweckentfremden Menschen, wie hier in Tansania, ihre Moskitonetze als Pflanzenschutz

Steht die Wissenschaft vor dem Durchbruch?

Eine radikale Waffe gegen Malaria haben jüngst britische Genetiker entwickelt: Sie haben einen Genabschnitt von Labor-Mücken so verändert, dass aus genveränderten Eiern nur noch fertige Männchen und unfruchtbare Weibchen schlüpften. In zwei Testreihen brauchte es acht bzw. elf Generationen, um jeweils die gesamte Population auszurotten. Was unter Reinbedingungen im Labor funktioniert hat, könnte jedoch in der unendlich komplizierteren Natur unabsehbare Folgen haben: Kritiker fürchten, dass sich das manipulierte DNA-Konstrukt auf andere Arten übertragen könnte, oder dass zufällige Mutationen Malaria durch Turbo-Vererbung noch viel gefährlicher machen könnten. Deshalb dürfte das Experiment wohl kaum außerhalb des Labors wiederholt werden.

Vielversprechender ist daher eine andere Laborentwicklung. Erstmals kommt mit "RTS,S", auch "Mosquirix" genannt, ein Impfstoff gegen Malaria in Reichweite einer Zulassung. Der Impfstoff, den der Pharmakonzern GlaxoSmithKline mit Geldern der "Bill & Melinda Gates"-Stiftung entwickelt hatte, soll ab 2019 in einem dreijährigen Pilotprogramm in Ghana, Kenia und Malawi eingesetzt werden. Eine wirksame und bezahlbare Prophylaxe würde die Weltgemeinschaft ihrem Ziel erheblich näher bringen: dass Malaria bis 2030 für alle Menschen keine größere Gefahr mehr darstellt als eine Erkältung.

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