Der ″Golden God″ ist geerdet: Robert Plant ist 70 | Musik | DW | 20.08.2018
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Rock-Legende

Der "Golden God" ist geerdet: Robert Plant ist 70

Vor 40 Jahren hätte Robert Plant fast von Rockstar auf Lehrer umgesattelt. Dahinter steckt eine tragische Geschichte. Aber dann ist er doch bei der Musik geblieben. Nur auf Led Zeppelin hat er einfach keine Lust mehr.

Was macht ein Rocksänger mit 70? Er geht auf Tour, klar. Das aktuelle Album, "Carry Fire", kommt bei Kritikern und Fans sehr gut an, und so hat Robert Plant der Konzertliste in den USA noch ein paar Auftritte hinzugefügt. Danach sind im Oktober Cardiff, London und Dublin dran. Kürzertreten komme "nicht in Frage", sagte der Sänger dem "Spiegel" 2017. "Ich singe besser denn je, meine Stimme ist gereift, meine Musik auch. Ich habe noch so viele Songs in mir." 

Das kann man schon mal so sagen, wenn man ein halbes Jahrhundert zuvor als Leadsänger und Songschreiber einer der größten Bands aller Zeiten die Musikwelt revolutioniert hat. Lieder wie "Whole Lotta Love", "Stairway to Heaven" und "Kashmir" sprengten die Konventionen und revolutionierten die Rockwelt. Gitarrist Jimmy Page, Bassist und Keyboarder John Paul Jones, Schlagzeuger John Bonham - sie alle galten als stilbildend an ihren Instrumenten. Und vorne Plant, mit seiner rauhen, bluesigen Stimme und der Lockenmähne. Er war "The Golden God", der überlebensgroße Frontmann. Generationen von Bands inklusive Guns N' Roses, Nirvana und Metallica nahmen und nehmen sich Plant und seine Band zum Vorbild. Led Zeppelin füllten die größten Hallen, die Tourneen ausverkauft, die Alben zigfach mit Platin ausgezeichnet. 

Bildergalerie Robert Plant wird 70 (picture-alliance/Photoshot)

Led Zeppelin - vier junge Männer: John Bonham, Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones (von links)

Schicksalsschläge

Aber Led Zeppelin gibt es eben seit 1980 nicht mehr. Damals starb Schlagzeuger John Bonham an den Folgen seines Alkoholkonsums, was es für die restlichen Bandmitglieder unmöglich machte, gemeinsam weiterzumachen, wie sie in einer Erklärung bekanntgaben. Schon drei Jahre zuvor hatte Robert Plant ernsthaft überlegt, das Rockstar-Dasein aufzugeben und stattdessen Lehrer an einer Waldorfschule zu werden: Der Tod seines fünfjährigen Sohnes Zarac, der 1977 an einer Virusinfektion starb, während Led Zeppelin in den USA tourten, hatte ihn erschüttert.

"Als ich meinen Jungen verlor, wollte ich wirklich nicht mehr durch die Gegend hüpfen. 'Hey hey Mama, say the way you move' hatte einfach keine große Bedeutung mehr für mich," blickte er einmal im Musikmagazin "Q" zurück. Doch er ließ sich zunächst überreden, nach einer Pause mit der Band weiterzumachen. Bis zum Tod Bonhams, der nicht nur innerhalb der Band Plants bester Freund war.

Blues und Bluegrass

Seitdem beantwortet der Sänger Fragen nach einer Reunion-Tournee konsequent mit Nein. Ein Treffen werde es "höchstens an einer Pommesbude in Camden" geben, so sagte er es erst kürzlich. Und macht - wie seine Kollegen Jimmy Page und John Paul Jones auch - sein eigenes Ding.

Musikalisch finden sich in Plants Post-Zeppelin-Oeuvre, das mittlerweile 16 Alben umfasst, und zu dem auch zwei Platten mit Jimmy Page gehören, durchaus noch Reminiszenzen an die alten Zeiten. Der Blues, der Folk, der Rock, all das bleibt Teil seiner Persönlichkeit und seiner Songs. Besonders erfolgreich war die Zusammenarbeit mit der Bluegrass-Sängerin Alison Krauss: Das gemeinsame Album "Raising Sand" wurde 2009 mit fünf Grammys ausgezeichnet. Auch gab es immer wieder Zusammenkünfte mit den Ex-Kollegen. Vor allem dieses eine Konzert 2007, zu Ehren des verstorbenen Gründers von Atlantic Records und Mit-Entdeckers der Band, Ahmet Ertegün. 

Die "finale Show"

20 Millionen Menschen wollten ein Ticket für den Gig in der Londoner O2-Arena haben, 20.000 von ihnen bekamen schließlich ein Ticket zugelost. Ein historischer Abend. Der Sound, die Atmosphäre. Alle drei Musiker noch immer auf der Höhe ihres Könnens, unterstützt von John Bonhams Sohn Jason am Schlagzeug. Eine anschließende Tournee wäre naheliegend und sicherlich überaus lukrativ gewesen. Gitarrist Page erklärte auch zum wiederholten Mal, dazu bereit zu sein. Aber Robert Plant wollte nicht. "Wir spielen keine Tournee, nur eine Nacht, diese eine, allerletzte, finale Show, um dem Ende einer Welt zu salutieren, die mit Ahmet Ertegün starb", hatte er schon vorher klar gestellt - und blieb dabei.

Die Schicksalsschläge scheinen Plant gegen die Versuchungen des Starrummels immun gemacht zu haben. Drogen sind seitdem tabu, der Sänger ist zu seinen Wurzeln nahe der Arbeiterstadt Birmingham zurückgekehrt. "Ich lebe heute mit meiner Familie wieder in derselben Umgebung, in der ich aufgewachsen bin, im Black Country. In dieser Gegend fühlt man sich sicher nicht als Star, und dafür bin ich dankbar," erklärte er dem "Spiegel" 2017. Das klingt ziemlich geerdet.

Jetzt also die Tournee vor allem durch kleinere Hallen, gemeinsam mit seiner aktuellen Band "The Sensational Space Shifters". "Meine Zeit muss mit Freude und Anstrengungen, Humor, Kraft und absoluter Zufriedenheit ausgefüllt sein. Das ist nicht mit Led Zeppelin. Das ist das, was ich gerade mache, mit dieser Band, mit dieser Tour", sagte Robert Plant kürzlich dem Magazin "Esquire". Tickets für diese Tour gibt es noch. Ab 33 Dollar. Ein echtes Schnäppchen für einen "Golden God".

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