Delta-Variante wütet weiter in Russland und Indonesien | Aktuell Europa | DW | 27.06.2021
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Coronavirus

Delta-Variante wütet weiter in Russland und Indonesien

In Russland treibt die Delta-Variante die Corona-Infektionen weiter in die Höhe. Auch Indonesien erreicht bei den Corona-Fällen einen Rekordwert.

Russland | Coronakrise: Krankenwagen in Moskau

Medizinische Hilfskräfte bringen einen Corona-Patienten in ein Krankenhaus in Kommunarka bei Moskau

Die russische Hauptstadt Moskau meldet für diesen Sonntag 144 Todesfällen durch COVID-19, das ist die höchste Zahl an Corona-Toten in einer russischen Stadt seit Beginn der Pandemie. St. Petersburg ist nach Moskau am zweitstärksten von der Pandemie betroffen. Am Sonntag wurden dort 106 Tote und 1298 Neuinfektionen gezählt. Die zweitgrößte Stadt des Landes hatte erst am Samstag mit 107 Todesfällen einen Höchststand verzeichnet. Das letzte EM-Fußballspiel in der Stadt findet am kommenden Freitag statt. 

In ganz Russland wurden zuletzt 599 Todesfälle registriert; die Behörden meldeten zudem 20.538 Neuinfektionen. Vor allem aufgrund der Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante steigen die Infektionszahlen seit Anfang Juni wieder stark an. Die Bundesregierung hat Russland deshalb am Freitagabend als Virusvariantengebiet eingestuft: Ab Dienstag gelten bei der Wiedereinreise nach Deutschland besonders strenge Regeln.

Dringender Aufruf zum Impfen

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sagte am Samstagabend im Fernsehen, täglich würden in der Hauptstadt rund 2000 Infizierte ins Krankenhaus eingeliefert. Er rief alle Einwohner eindringlich dazu auf, sich impfen zu lassen. Die Pandemie lasse sich nur mit einer raschen, großangelegten Impfkampagne stoppen.

Russland Moskau | Coronakrise: Menschenschlange zum Impfen

Diese Bürger stehen vor einem Einkaufszentrum in Moskau für eine Impfung an

Bereits vor einigen Tagen hatte Sobjanin verkündet, dass rund 90 Prozent der Neu-Infektionen auf die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante zurückzuführen seien. Moskau verschärft daher die Beschränkungen wieder. Ab Montag müssen Unternehmen die Anzahl ihrer Mitarbeiter im Büro um 30 Prozent reduzieren. Geimpfte Mitarbeiter sind davon ausgenommen. Zudem müssen alle Arbeitnehmer über 65 Jahre sowie diejenigen mit Vorerkrankungen von zu Hause aus arbeiten.

Geringe Impfbereitschaft

In Russland ist die Impfskepsis besonders verbreitet, obwohl der einheimische Impfstoff Sputnik V schon mehr als zehn Monaten auf dem Markt ist. Bis Samstag hatten erst 21,2 Millionen der 146 Millionen Russen mindestens eine Dosis erhalten. Dabei ist Russland das europäische Land, das am schlimmsten von der Corona-Pandemie getroffen wurde. Nach Regierungsangaben gibt es dort bislang 133.282 Corona-Tote. Die Statistik-Agentur Rosstat, die andere Maßstäbe anlegt, kam Ende April bereits auf eine Gesamtzahl der Corona-Toten von mindestens 270.000.

Video ansehen 02:38

Corona-Impfreise nach Moskau (01.05.2021)

Russland erhöht nun den Impfdruck. In mehreren Regionen gilt für bestimmte Branchen eine Impfpflicht. Präsident Wladimir Putin ordnete zudem an, dass nun auch Ausländer mit einem russischen Vakzin kostenlos immunisiert werden können. Das war bislang nur Staatsbürgern vorbehalten. In erster Linie sollen damit die vielen Arbeitsmigranten etwa aus Zentralasien geschützt werden.

Coronavirus grassiert auch in Indonesien

Indonesien | Coronavirus | Desinfektion in South Tangerang

Vertreter örtlicher Behörden desinfizieren im Dorf Baktijaya in Indonesien Häuser von Anwohnern

Indonesien hat mit mehr als 21.000 neuen Fällen innerhalb von 24 Stunden einen Rekordwert der Corona-Ansteckungen verzeichnet. Experten gehen davon aus, dass die Ansteckungsraten in den kommenden zwei bis drei Wochen weiter steigen. In den vergangenen Wochen waren die Fallzahlen in Indonesien sprunghaft angestiegen. Grund sind anscheinend viele Reisen nach dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan im Mai sowie neue hochinfektiöse Virus-Varianten. Die Befürchtung wächst, dass das fragile Gesundheitssystem zusammenbrechen könnte. Viele Krankenhäuser sind bereits überfüllt.

Indonesien | Coronavirus | Friedhof in Bandung

Ein Friedhofsmitarbeiter bringt einen Sarg mit der Leiche eines an Corona gestorbenen Babys zur Grabstelle

Die indonesischen Behörden verzeichneten bislang insgesamt mehr als 2,1 Millionen Ansteckungen und über 57.000 Todesfälle. Indonesien ist damit das am stärksten von der Pandemie betroffene Land in Südostasien. Die tatsächliche Zahl der Ansteckungen dürfte aufgrund der niedrigen Testraten noch deutlich höher liegen.

Die Regierung in Jakarta, der Kritiker einen unzureichenden Umgang mit der Pandemie vorwerfen, hat vorerst die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, von strengeren Lockdown-Maßnahmen aber abgesehen. Offizielles Ziel ist es, bis Anfang nächsten Jahres 180 Millionen der 270 Millionen Einwohner zu impfen. Bislang verfügen rund fünf Prozent der Bevölkerung über einen vollständigen Impfschutz.

kle/uh (afp, dpa)

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