COVID-19 stürzt Australien in die Rezession | Wirtschaft | DW | 02.09.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Coronavirus

COVID-19 stürzt Australien in die Rezession

Die Corona-Pandemie trifft Australiens Wirtschaft in voller Härte. Die Konjunktur ist im zweiten Quartal so stark eingebrochen wie noch nie - dadurch ist das Land erstmals seit 1991 in eine Rezession gerutscht.

Australiens Wirtschaft ist im zweiten Quartal infolge der Corona-Krise so stark eingebrochen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnung der Daten. Wie die nationale Statistikbehörde am Mittwoch in Canberra mitteilte, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Monaten April bis Juni gegenüber dem Vorquartal um sieben Prozent.

Dies ist der stärkste Einbruch seit der 1959 gestarteten Aufzeichnung von Quartalsdaten. Der Rückgang fiel zudem etwas höher aus als Experten erwartet hatten.Da das Land bereits im ersten Quartal einen BIP-Rückgang um 0,3 Prozent verzeichnet hatte, befindet sich Australien damit erstmals seit 1991 in einer Rezession. Eine Rezession lieg vor, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgeht.

Die Zahlen zeigten die "zerstörerischen" Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die australische Wirtschaft, erklärte Finanzminister Josh Frydenberg. "Unser Rekordlauf von 28 aufeinanderfolgenden Jahren des wirtschaftlichen Wachstums ist damit offiziell zu einem Ende gekommen." Grund dafür sei eine "einmal in einem Jahrhundert vorkommende Pandemie".

"Ein verheerender Tag"

Eine Rezession hat das Land seit 1991 nicht mehr erlebt. Selbst in der globalen Finanzkrise 2008 konnte Australien dies vermeiden - als einziges der 37 Mitglieder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Grund für den starken Rückgang im zweiten Quartal war vor allem der Einbruch beim privaten Konsum.  "Dies ist ein verheerender Tag für Australien", sagte Premierminister Scott Morrison im Parlament. Mehr als eine Million Menschen haben seit März ihren Arbeitsplatz verloren, weil der Shutdown zur Bekämpfung der Pandemie ganze Branchen lahmlegte.

Der Weg zurück wird sehr lang

Die Regierung hat zwar mehr als 300 Milliarden Australische Dollar (rund 185 Milliarden Euro) an Konjunkturhilfen aufgelegt. Der unerwartet schwere Einbruch im Frühjahr könnte jedoch weitere Maßnahmen erfordern. "Unsere Verpflichtung gegenüber dem australischen Volk ist, dass wir ihm den Rücken stärken", sagte Frydenberg. Die Zentralbank will bei Bedarf ebenfalls gegensteuern. Sie hatte bereits im März ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, um mit billigem Geld die Wirtschaft anzuschieben.

Video ansehen 00:35

Morrison: "Australien wird sich erholen"

"Der Weg zurück aus der Corona-Rezession wird langwierig sein", sagte die Chefvolkswirtin des Instituts BIS Oxford Economics, Sarah Hunter. "Wir gehen davon aus, dass es bis Anfang 2022 dauern wird, bis die Wirtschaft wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen wird."

Einer raschen Erholung steht der erneute Lockdown in der wichtigen Provinz Victoria entgegen. Das werde die Konjunktur im laufenden Sommerquartal "schwer" belasten, sagte Finanzminister Frydenberg. Der Anstieg der Neuinfektionen hatte die Regierung veranlasst, in Melbourne - der Hauptstadt des Bundesstaats - einen mehrwöchigen Lockdown zu verhängen.

dk/ul (afp, dpa, rtr)