Coronavirus macht Behörden nervös | Aktuell Welt | DW | 23.02.2020
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COVID-19

Coronavirus macht Behörden nervös

Wegen zweier Verdachtsfälle in einem Zug aus Italien saßen am Brenner hunderte Passagiere an der Grenze zu Österreich fest. Italien meldet einen fünften Corona-Todesfall und China verschiebt den Nationalen Volkskongress.

Italien, Brenner: Einstellung des Bahnverkehrs (picture-alliance/AP/M. Schrader)

Der Brennerpass liegt auf der wichtigsten Verbindung von Italien nach Deutschland

Österreich ging auf Nummer sicher: Aus Furcht vor einer Einschleppung des neuartigen Coronavirus aus Italien wurde am Sonntagabend der Zugverkehr auf der zentralen Brenner-Route vorübergehend komplett eingestellt. Hunderte Passagiere mussten stundenlang warten, bevor die österreichischen Behörden kurz vor Mitternacht (Ortszeit) grünes Licht für die Weiterfahrt der Züge gaben.

Ausgelöst wurde der Zwangsstopp durch zwei fiebernde Frauen an Bord eines Eurocity, der in Venedig mit dem Ziel München gestartet war. Bei den beiden Deutschen wurde das Virus aber nicht nachgewiesen.

"Wir können Entwarnung geben", erklärte Österreichs Innenminister Karl Nehammer. Alle Behörden hätten in diesem Fall rasch und mit hoher Vorsicht gehandelt und die Meldekette habe unverzüglich funktioniert. Nach Nehammers Angaben soll an diesem Montag eine Task Force zusammenkommen, um über Grenzkontrollen mit Italien zu beraten, wo der Erreger "SARS-CoV-2" weiter auf dem Vormarsch ist.

Drastische Maßnahmen

Die italienische Regierung hatte am Wochenende angekündigt, mit drastischen Maßnahmen wie Sperrzonen die rasante Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Mehrere Gemeinden in Norditalien wurden abgeriegelt, damit das Virus nicht auf die Wirtschaftsmetropole Mailand, das Touristenzentrum Venedig und andere Regionen übergreift. Der berühmte Karneval von Venedig wurde vorzeitig abgebrochen, auch Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Schulen und Museen sollen in betroffenen Regionen vorerst geschlossen bleiben.

Italien Coronavirus | Karneval von Venedig (picture-alliance/NurPhoto/M. Romano)

Hohe Ansteckungsgefahr: Venedig bricht den Karneval ab

Schon fünf Tote in Italien

Italien ist das Land mit der höchsten Zahl an bestätigten COVID-19-Erkrankten in Europa - nämlich inzwischen mehr als 200. Zentrum der dortigen Epidemie ist die 15.000-Einwohner-Stadt Codogno in der Region Lombardei - rund 60 Kilometer südlich von Mailand. Dort wurde das Virus offenbar von einem Mitarbeiter des Konzerns Unilever weiterverbreitet. Der 38-Jährige steckte seine hochschwangere Frau an sowie Fußball-Kameraden und medizinisches Personal.

Ein weiterer Infektionsherd ist das Dorf Vo'Euganeo nahe Padua in der Region Venetien. Dort war am Freitag ein infizierter 78 Jahre alter Mann gestorben - er war wohl das erste europäische Todesopfer des neuartigen Coronavirus in der EU. Am Samstag starb eine alte Frau nahe Codogno. Am Sonntag gaben die Behörden in der Lombardei den Tod einer 78-jährigen Krebspatientin bekannt, bei der ebenfalls das Virus nachgewiesen worden war. Laut offiziellen Angaben gab es in Norditalien am Montag zwei weitere Corona-Todesfälle. Damit starben bislang fünf Menschen in Italien an dem neuartigen Virus.

Peking verschiebt Volkskongress

China hat nach Angaben der staatlichen Medien jetzt offiziell die Sitzung des Nationalen Volkskongresses wegen der inzwischen mehr als 77.000 an COVID-19 Erkrankten verschoben. Ein neuer Termin für die Plenarsitzung, die eigentlich am 5. März beginnen sollte, wurde nicht genannt. Es ist das erste Mal in der jüngeren Geschichte der Volksrepublik, dass die Sitzung des Volkskongresses verlegt wird. Laut Finanzministerium in Peking wurden umgerechnet 14,16 Milliarden Dollar für die Eindämmung des Krankheitsausbruchs zur Verfügung gestellt. Die Gesundheitskommission der Volksrepublik berichtete am Montag von weiteren 150 neuen Covid-19-Todesfällen - so viele wie noch nie innerhalb eines Tages.

wa/qu (afp, dpa,rtr,  oebb.at)

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