Corona-Pandemie: Dagmar Freitag und die Zweifel am IOC | Sport | DW | 29.03.2020
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Corona-Pandemie

Corona-Pandemie: Dagmar Freitag und die Zweifel am IOC

Die Verlegung der Olympischen Spiele ist Realität - die Kritik an der Vorgehensweise von IOC-Präsident Bach ist aber nicht beendet. Die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag, zeigt großes Unverständnis.

Auch Dagmar Freitag ist derzeit dazu aufgerufen, soziale Kontakte zu vermeiden und ihren Lebensmittelpunkt in den heimischen vier Wänden zu verbringen. Die Bundestagsabgeordnete der SPD befindet sich in diesen Tagen in ihrer Heimat im Sauerland, um die Regeln rund um das Coronavirus einzuhalten. "Ich habe das große Glück, auf dem Dorf zu wohnen, und Dorf ist hier wörtlich zu nehmen. Insgesamt kommen wir so auf zwölf Häuser in Wulfringsen, einem idyllischen Fleckchen am nördlichen Rand meiner Heimatstadt Iserlohn", sagte die 67-Jährige dem Magazin "The European". Zur Ruhe kommt sie dennoch nicht. "Trotz der sauerländischen Abgeschiedenheit geht die Arbeit aber selbstverständlich weiter."

Freitag: Zweifel an der Führungsfähigkeit

Ein Teil von Freitags Tätigkeit ist der politische Blick auf den Sport in Deutschland. Seit  dem Jahr 2009 ist sie die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Und deshalb hat Freitag den langwierigen Prozess um die am vergangenen Dienstag offiziell bekanntgegebene Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 - höchstwahrscheinlich in den Sommer des nächsten Jahres - überaus kritisch begleitet.

Freitags Unverständnis richtet sich direkt gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und dessen Präsidenten Thomas Bach. Der 66-Jährige war zuletzt von vielen Seiten, unter anderem von Sportlern, laut hörbar dafür kritisiert worden, dass er erst spät eine Olympia-Verschiebung öffentlich in Betracht gezogen hatte. Und Freitag übt scharfe Kritik an Bachs Vorgehensweise. "Aus meiner Sicht hat Thomas Bach nicht zum ersten Mal in seiner Amtszeit Zweifel an seiner Führungsfähigkeit geweckt", sagte die SPD-Politikerin in einem Interview der "Mittelbayerischen Zeitung".

Freitag kritisiert das gesamte IOC

SPD-Politikerin stellt dem IOC kein gutes Zeugnis aus (picture-alliance/G. Chai von der Laage)

Die SPD-Politikerin stellt dem IOC kein gutes Zeugnis aus

Freitag meinte damit neben der aktuellen Verlegung der Spiele aufgrund der Corona-Pandemie Bachs Verhalten im Rahmen des aufgedeckten russischen Staatsdopings. "Als es erkennbar sein oberstes Ziel war, das russische Team möglich schnell wieder vollumfänglich in seine ,olympische Familie' aufzunehmen, ist er dem Anspruch an einen IOC-Präsidenten, die olympischen Werte zu vertreten und zu bewahren, nicht gerecht geworden. Beides wird rückblickend untrennbar von Bachs Amtszeit in Erinnerung bleiben", sagte Freitag.

Und auch den übrigen Verantwortlichen der Olympischen Bewegung stellt die Bundespolitikerin alles andere als ein gutes Zeugnis aus. "Das Image des IOC war bekanntlich ohnehin nicht das beste. Wenn die Dachorganisation des Weltsports welche Erwägungen auch immer über die Gesundheit von Tausenden von Athleten und Fans stellt, ist das schlichtweg unentschuldbar und für die Organisation ein Desaster, das zwangsläufig die Frage nach der Führungsstärke des Präsidenten und seines engsten Umfeldes aufwirft", sagte sie.

(mit sid, dpa)

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