Corona-Krise: Rekordarbeitslosigkeit in den USA | Wirtschaft | DW | 04.04.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

COVID-19

Corona-Krise: Rekordarbeitslosigkeit in den USA

Innerhalb von zwei Wochen haben sich in den USA knapp zehn Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Schuld ist das Coronavirus. Aber das wütet auf der ganzen Welt - warum ist die Zahl nur in den USA so hoch?

USA Las Vegas Arbeitslosigkeit (picture-alliance/AP Photo/J. Locher)

Schlange stehen in Las Vegas: Viele Menschen sind auf staatliche Unterstützung angewiesen

Das Coronavirus hat die USA fest im Griff. Nicht nur, dass das Land mittlerweile China in der Gesamtanzahl der Fälle überholt hat und das Gesundheitssystem in Städten wie New York unter der Last zusammenzubrechen droht. Auch die Wirtschaft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten leidet extrem. Die Tellerwäscher werden nicht Millionäre, sondern verlieren reihenweise ihre Jobs. In der letzten Woche meldeten sich 6,65 Millionen Menschen arbeitslos, in der Woche davor waren es 3,3 Millionen - zusammen knapp zehn Millionen.

Die Zahl der Menschen, die versuchen, sich beim Staat als arbeitslos zu melden, ist so hoch, dass die dafür vorgesehenen Internetseiten und Telefonnummern hoffnungslos überlastet sind. "Die Bundesstaaten bekommen richtig Probleme gerade", sagte Heidi Shierholz, Wirtschaftswissenschaftlerin bei der Denkfabrik Economic Policy Institute, der US-Nachrichtenwebsite NBC News. Die Systeme seien einem "unglaublichen Stresstest" ausgesetzt.

In New York, dem Bundestaat, der in den USA die meisten Corona-Fälle hat, muss das Arbeitsministerium mit einem noch nie dagewesenen Run auf seine Website und Telefonhotline fertigwerden. Zwischen dem 23. und 28. März verzeichnete das Ministerium 8,2 Millionen Anrufe, eine Steigerung um 16.000 Prozent im Vergleich zu einer durchschnittlichen Woche. Die Website, auf der man sich arbeitslos melden kann, wurde 3,4 Millionen Mal aufgerufen, eine Steigerung um 900 Prozent.

Die Zahlen belegen, dass sich die USA in einem wirtschaftlichen Ausnahmezustand befinden. Die New York Times schätzt, dass die Arbeitslosenzahl so hoch ist wie zuletzt während der "Great Depression", der Wirtschaftskrise, die in den USA vom Bankencrash 1929 (Schwarzer Donnerstag) bis zum Zweiten Weltkrieg andauerte.

Fast jeder fünfte arbeitslos

William Rodgers, der ehemalige Chef-Ökonom des US-Arbeitsministeriums, hat berechnet, dass die Arbeitslosenrate, die im Februar bei 3,5 Prozent lag, heute vermutlich bei rund 17 Prozent liegt (die New York Times schätzt 13 Prozent). "Wir sind dem Virus völlig ausgeliefert", so Rodgers gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian. Bei Afroamerikanern könnte die Arbeitslosenrate sogar rund 19 Prozent betragen - fast jeder fünfte ohne einen Job.

USA Jackson Job Center (picture-alliance/AP Photo/R. V. Solis)

Ein Mann vor geschlossener Jobcenter-Tür: Vermutlich 17 Prozent der US-Amerikaner sind arbeitslos

Dass die Arbeitslosenzahlen in den USA so durch die Decke gehen und in anderen Ländern nicht, hat seinen Grund. Anderswo sind Jobs arbeitsrechtlich geschützt, auch wenn die Geschäfte auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. Regierungen greifen beispielsweise Arbeitgebern mit Direktzahlungen unter die Arme, auch das deutsche Instrument der Kurzarbeit findet mittlerweile Nachahmer. In den USA wurden stattdessen Restriktionen beim Beantragen von Arbeitslosengeld gelockert und Direktzahlungen an die Bürger verabschiedet.

Ein Beispiel ist die Gastronomie. Wenn US-amerikanische Restaurants jetzt in der Corona-Krise schließen müssen, verlieren die Angestellten ihre Jobs und müssen sich arbeitslos melden. Wenn die Krise vorbei ist und die Restaurants wieder öffnen, müssen sie sich neu bewerben. In Großbritannien dagegen behalten Kellner und Köchinnen ihre Stellen und bekommen von der Regierung 80 Prozent ihres Gehalts weitergezahlt. Wenn das Virus besiegt und die Restaurants wieder geöffnet sind, kehren sie zu ihren alten Arbeitsplätzen zurück.

"Zuhause bleiben und dabei nicht pleitegehen"

Einen schnellen, einfachen Weg aus der aktuellen Wirtschaftskrise gibt es nicht. Eine verfrühte Rückkehr zum "normalen Leben", um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, würde das Leben von Millionen Menschen gefährden. Und so auch die Wirtschaft in eine Rezession zwingen. 

"Für uns ist es wichtig, dass die Menschen zuhause bleiben und dabei nicht pleitegehen", sagte Cecilia Rouse, Wirtschaftswissenschaftlerin an der renommierten Universität Princeton und ehemalige Wirtschaftsberaterin von Barack Obama, dem Nachrichtenportal Vox. "Je schneller wir diese Pandemie unter Kontrolle bekommen, desto schneller erholt sich auch die Wirtschaft wieder." Und desto schneller haben die vielen Millionen Arbeitslosen in den USA die Chance, in den Beruf zurückzukehren.

Die Redaktion empfiehlt