Corona: Kreuzfahrer danken Kuba | Welt | DW | 17.03.2020
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Pandemie

Corona: Kreuzfahrer danken Kuba

Ein Hoch auf Havanna: Nach tagelanger Irrfahrt durch die Karibik hat das Kreuzfahrtschiff MS Braemar in dem kubanischen Hafen Mariel angelegt. Auf dem Schiff befinden sich mehrere mit Corona infizierte Passagiere.

Die Odyssee der MS Braemar einmal quer durch die Karibik endet in Kuba. Zuvor war das Schiff der britischen Kreuzfahrtschiffgesellschaft Fred Olsen mit mindestens fünf Corona-Fällen an Bord in mehreren Ländern abgewiesen worden und hatte zuletzt mehrere Tage vor den Bahamas geankert. Kuba gab einer Anfrage der britischen Regierung wegen "humanitärer Bedenken" statt und ließ das Schiff im Hafen Mariel anlegen. 

"Angesichts der Dringlichkeit der Situation und der Gefahr für das Leben kranker Menschen hat die kubanische Regierung beschlossen, das Andocken dieses Schiffes zuzulassen, und wird die Hygienemaßnahmen ergreifen, um alle Bürger an Bord gemäß den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem kubanischen Gesundheitsministerium festgelegten Protokollen aufzunehmen", hieß es in einer vom kubanischen Außenministerium am Montag (16. März) veröffentlichten Erklärung.

"Die Entscheidung ist Antwort auf einen gesundheitlichen Notfall, bei dem das Leben von Kranken gefährdet werden könnte", twitterte Kubas Außenminister Bruno Rodríguez. Die Gestrandeten werden mit vier Charterflügen ausgeflogen werden.

London bittet Havanna um Hilfe

Die MS Braemar war seit Ende Februar in der Karibik unterwegs. Am 8. März erreichte das Kreuzfahrtschiff das kolumbianische Cartagena, wo eine US-Amerikanerin von Bord ging, bei der dann eine Infektion mit dem Corona-Virus festgestellt wurde. Nach dem Ablegen wurden fünf Corona-Fälle an Bord bekannt.

Kreuzfahrtschiff MS Braemer (picture-alliance/nordphoto)

An Bord der MS Braemar (Archivbild) befinden sich 682 Passagiere, größtenteils Briten, sowie 381 Besatzungsmitglieder. Fünf Personen sind mit dem Corona-Virus infiziert

Die Häfen von Willemstad im zu den Niederlanden gehörenden Curaçao und Bridgetown in Barbados verweigerten dem Schiff daraufhin das Einlaufen. Cartagena und Barranquilla in Kolumbien wiesen die MS Braemar ebenfalls ab. Am Freitag dann auch das "Nein" der Bahamas für das unter bahamaischer Flagge fahrende Schiff.

"Diese Entscheidung basiert auf Überlegungen zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit des bahamaischen Volkes und der Bewohner der Bahamas", rechtfertigte die Regierung in Nassau den Schritt. Daraufhin bat die britische Regierung Havanna um Aufnahme.

Gefährdete Zielgruppe

Vier Passagiere und ein Besatzungsmitglied seien positiv auf das Corona-Virus getestet worden, während sich zwanzig weitere Passagiere und 20 Besatzungsmitglieder, darunter ein Arzt, in Quarantäne befänden, nachdem sie auf dem Schiff Erkältungssymptome gezeigt hatten, teilte die Reederei am Sonntag mit.

Seit Samstag ankerte das Schiff mit 682 Passagieren, größtenteils Briten, sowie 381 Besatzungsmitgliedern an Bord rund 40 Kilometer vor der Küste von Freeport (Bahamas). Ein Versorgungsschiff brachte Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente, sowie zwei Ärzte und zwei Krankenschwestern zur Unterstützung des medizinischen Teams an Bord.

Verwandte der auf der MS Braemar befindlichen Reisenden äußerten gegenüber der britischen Tageszeitung "The Daily Mail" die Befürchtung, das Schiff mit den Viruserkrankten müsse den ganzen Weg nach Großbritannien zurücklegen."Sie haben die absolute Zielgruppe der anfälligsten und am stärksten gefährdeten Personen auf diesem Schiff", sagte Helen Littlewood aus Norfolk, deren 74-jährige Mutter an Bord ist.

"Meine Mutter hat Bluthochdruck, Atemprobleme und sie leidet an Bronchitis und Asthma. Ich habe absolute Angst, dass sie möglicherweise über den Atlantik segeln müssen. Niemand hat uns gesagt, wie sie damit medizinisch umgehen würden, wenn mehr Menschen erkrankten. Was passiert, wenn der Arzt krank wird? Was passiert, wenn der Kapitän krank wird?"

Die Entscheidung der Regierung in Havanna, die MS Braemar in einen kubanischen Hafen einlaufen zu lassen, sorgte bei den Menschen an Bord und ihren Angehörigen für Erleichterung. "Danke Kuba", posteten Passiere bei Twitter und erhoben ihre Gläser auf Havanna.

UN rechnen in Haiti mit 200 000 Cholerakranken (picture-alliance/dpa)

Nach dem Erdbeben 2010 in Haiti versorgten kubanische Ärzte Cholerakranke auf der Insel

"Anerkennung von der Weltgemeinschaft"

John S. Kavulich, Präsident des in New York ansässigen US-Cuba Trade and Economic Council, glaubt dagegen nicht an den Altruismus der kubanischen Regierung und verweist auf einen Fall aus den 2000er Jahren, als mehrere Länder, insbesondere Russland und China, den Kauf von Geflügel- und Schweinefleisch aus den USA aus gesundheitlichen Gründen einstellten.

Kuba sei eingesprungen und "verdiente sich die Dankbarkeit der landwirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten". Im Kosten-Nutzen-Kalkül eines Ökonomen verhaftet argumentiert Kavulich: "Was Kuba getan hat, dem Kreuzfahrtschiff aus Großbritannien zu erlauben, in Kuba anzulegen, ist ähnlich – Kuba wird von der Weltgemeinschaft, insbesondere von der Regierung von Boris Johnson in Großbritannien, von der EU und von den Vereinten Nationen, Anerkennung erhalten. Genial von ihrer Seite."

Kuba hat eine lange Tradition ärztlicher und humanitärer Hilfe. Seit den 1960er Jahren wurden Hunderttausende kubanische Mediziner in alle Welt entsandt; mehr als 35.000 Medizinstudenten aus 138 Ländern studierten kostenlos auf der Insel. Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti 2010 und während der Ebola-Krise 2014 in Westafrika waren kubanische Ärzte mit als erste vor Ort. Mehrere Karibikstaaten haben bereits angekündigt, Kuba in der aktuellen Coronakrise um Unterstützung zu bitten.