Corona kämpft nun mit in Syrien | Aktuell Welt | DW | 23.03.2020
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COVID-19

Corona kämpft nun mit in Syrien

Es war nur eine Frage der Zeit. Nun hat die Coronavirus-Pandemie auch das Bürgerkriegsland erreicht. Schon seit Tagen sind Hilfskräfte dort alarmiert. Covid-19 könnte der bisher gefährlichste Gegner werden.

Syrien Damaskus Coronavirus (DW/H. Levent)

Corona-Vorsichtsmaßnahmen in der syrischen Hauptstadt Damaskus

Syrien hat seinen ersten bestätigten Fall einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Die Infektion sei bei einem aus dem Ausland eingereisten Menschen festgestellt worden, sagte der syrische Gesundheitsminister Nisar Yasidschi im Staatsfernsehen. Die notwendigen Schritte für seine Behandlung seien eingeleitet worden. Woher die Person kam, wurde nicht mitgeteilt. Auch andere Details blieben unklar.

Verkehr wird ausgesetzt

Die Arbeit in den Ministerien sei als Vorsichtsmaßnahme bereits zurückgefahren worden, erklärte Yasidschi weiter. Der Minister kündigte zudem an, dass der gesamte private und öffentliche Verkehr in syrischen Städten ausgesetzt werde. Von Dienstag an dürften auch die Verbindungsstraßen zwischen den einzelnen Provinzen des Landes nicht mehr genutzt werden.

Syrien | M4 Highway zwischen Aleppo und Latakia (Getty Images/AFP/O. H. Kadour)

Gähnende Leere: der M4 Highway zwischen Aleppo und Latakia

Vergangene Woche hatte Syrien bereits die Schließung seiner Schulen und Universitäten bis zum 2. April beschlossen. Kultur- und Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Die für den 13. April geplante Parlamentswahl wurde auf den 20. Mai verschoben.

Seit neun Jahren Bürgerkrieg, und nun auch noch die Pandemie: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, das "fragile Gesundheitssystem" in Syrien sei wahrscheinlich nicht in der Lage, mit der Lage fertig zu werden.

Weißhelme desinfizieren

Die Rettungsorganisation Weißhelme will mithelfen, im vor allem umkämpften Norden des Landes eine drohende Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Rund 260 Schulen und andere wichtige Einrichtungen seien dort bereits desinfiziert worden, erklärte ein Sprecher der Organisation. Die Helfer seien in Schutzanzügen im letzten großen Rebellengebiet Idlib sowie in den Provinzen Hama und Aleppo unterwegs. Die Kampagne laufe bereits seit einigen Tagen.

Die für Idlib zuständige Gesundheitsbehörde hatte am Samstag erklärt, dass es in der Provinz bisher keine Infektionen mit Sars-CoV-2 gebe. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad hatte ebenfalls erklärt, dass die Rebellengebiete nicht betroffen seien. Beobachter fügten hinzu: noch nicht.

Video ansehen 03:01

Idlib – das letzte große Schlachtfeld Syriens (10.03.2020)

Die Weißhelme retten in Syrien vor allem Verletzte aus Trümmern nach Bombenangriffen und bergen Tote. Nun sind sie nicht nur in Schulen und Flüchtlingslagern, sondern auch in Moscheen, Krankenhäusern und an anderen Orten unterwegs, an denen sich viele Menschen aufhalten, um diese zu desinfizieren.

Welthungerhilfe befürchtet viele Tote

Unterdessen hat die Welthungerhilfe vor drastischen Auswirkungen der Pandemie auf afrikanische und andere arme Länder der Erde gewarnt. „Es ist davon auszugehen, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten dort viele Tote beklagen müssen", sagte Präsidentin Marlehn Thieme. Das Virus werde gerade für jene Länder verheerend sein, die ein schlechtes oder kaum funktionierendes Gesundheitssystem hätten. So weit muss man gar nicht gehen: Wie können sich Menschen regelmäßig die Hände waschen, die kein sauberes Wasser haben?

ml/kle (dpa, ap, afp)

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