Corona: Händewaschen und dann cremen! | Wissen & Umwelt | DW | 03.04.2020
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der 5. Mai ist Welthygienetag

Corona: Händewaschen und dann cremen!

Hände ausgiebig und oft zu waschen schützt vor Viren und Bakterien. Aber unserer Haut tut das nicht besonders gut. Sie braucht dann viel Pflege. Denn trockene, rissige Haut ist auch ein Einfallstor für Keime.

Wir kennen das alle, wenn der Frost im Winter richtig beißend ist, unsere Hände eiskalt und die Haut rissig und spröde wird. Das ist nicht nur unangenehm, es kann schmerzhaft sein. Dann heißt es: Viel, viel schmieren, um der Haut das zurückzugeben, was sie dringend braucht: Fett und Feuchtigkeit.

Der natürliche Schutzmantel

Für die Haut bedeutet häufiges und intensives Händewaschen Stress. Für die Hygiene ist es dringend nötig, aber die Hautoberfläche trocknet dabei aus. Desinfizieren wir unsere Hände zusätzlich, bedeutet das noch mehr Irritationen für die Haut.

Häufiges Händewaschen und Desinfektionsmittel bekämpfen Krankheitserreger, sie schädigen aber auch die Haut und greifen den Säuremantel an. Den aber brauchen wir dringend. Er wehrt Schadstoffe und Bakterien ab und bekämpft ebenso gefährliche Krankheitserreger, die versuchen, in unseren Körper einzudringen. Bakterien, Viren oder Pilze sind überall in unserer Umwelt, und die Haut an unseren Händen ist diesen Einflüssen besonders stark ausgesetzt.

Wichtig für den Zustand unserer Haut und ihren natürlichen Schutz ist auch der pH-Wert. Er sollte in einem Bereich zwischen 4,1 und 5,8 liegen, abhängig unter anderem von der jeweiligen Körperregion. In leicht saurem Milieu können sich Krankheitskeime nicht entwickeln. Der sogenannte Säureschutzmantel ist also von elementarer Bedeutung.

Je älter wir werden, umso weniger Feuchtigkeit kann unsere Haut speichern und auch die Eigenproduktion von Fett nimmt ab. Die natürliche Schutzhülle wird dünner und empfindlicher. So leidet die Haut älterer Menschen mehr unter häufigem Händewaschen als die Haut Jüngerer. Für jeden aber gilt: Häufiges Händewaschen erfordert häufiges Eincremen.

Unser Körper braucht ungefähr vier Wochen, um zum Beispiel die Oberhautfette zu produzieren. Wenn sich jemand also ständig die Hände wäscht, ohne danach zu cremen, zerstört er den Fettfilm. Um den entfettenden Effekt von Seife abzumildern, ist es wichtig, dass sie rückfettende Eigenschaften hat und möglichst keine Konservierungsstoffe enthält.

Infografik Hände und Haut richtig pflegen DE

Übrigens ist das Händewaschen mit Seife wesentlich effektiver gegen das Virus als die Nutzung von Desinfektionsmittel. Ein Desinfizieren nach dem Händewaschen sollte man besser lassen, da es die Haut zusätzlich belastet. Sinnvoll ist das höchstens für Menschen mit Vorerkrankungen oder einer Immunschwäche.

Salbe, Creme oder Lotion?

Wichtig ist die Zusammensetzung der Pflege. Dabei spielt der Fettgehalt eine entscheidende Rolle. Salben besitzen den höchsten Fettgehalt. Damit Salben geschmeidig sind und sich leicht verteilen lassen, fügen die Hersteller dem Fett meist Wasser zu. Aber Öl und Wasser vermischen sich bekanntermaßen nicht leicht. Damit das gelingt, setzt die Industrie Emulgatoren ein. Es entstehen Salben und die werden hauptsächlich für medizinische Zwecke eingesetzt. Sie helfen etwa bei Verletzungen, bei Verbrennungen und Entzündungen.

Cremes haben im Gegensatz zu Salben einen wesentlich höheren Wasseranteil. Entsprechend sind sie weicher und lassen sich leichter auf der Haut verteilen. Aber Creme ist noch lange nicht gleich Creme. Eine sogenannte lipophile Creme besteht aus einem Öl-in-Wasser-Gemisch. Sie hinterlässt einen Fettfilm auf der Haut und schützt sie so vor dem Austrocknen.

Eine hydrophile Creme setzt sich aus einem Wasser-in-Öl-Gemisch zusammen. Sie hinterlässt auf der Haut lediglich einen geringen Fettfilm und zieht schnell ein. Die Haut bekommt viel Flüssigkeit, denn das Wasser umschließt das Öl. Da diese Art von Creme einen hohen Wasseranteil besitzt, können Bakterien leichter eindringen. Damit das nicht passiert, fügen die Hersteller Konservierungsstoffe hinzu.

Noch mehr Wasser als hydrophile Cremes enthalten Lotionen, die aber eher als Body-Milk gedacht sind denn als Handpflege. Sie enthalten einen noch höheren Wasseranteil als hydrophile Cremes.

Schließlich noch Vaseline. Es gibt sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Vaseline ist übrigens nur der Markenname. Im englischen Sprachgebrauch ist der Stoff bekannt als Petroleum-Jelly, also Erdöl-Gelee, denn Vaseline ist ein gereinigtes Gemisch von Kohlenwasserstoffen, gewonnen aus Erdöl. Nichtsdestotrotz hilft es schon seit Jahrzehnten gegen trockene Haut, beispielsweise an den Lippen, ist wegen seiner öligen Zusammensetzung als Handcreme allerdings nicht besonders zu empfehlen.

Do it youself

Dann gibt es schließlich noch die Möglichkeit, Cremes selbst anzurühren. Die Rezepturen kannten schon unsere Großmütter und Urgroßmütter. Da gibt es Rezepturen mit Rosenwasser und Lanolin, aber auch einige Ingredienzen, die etwas merkwürdig anmuten dürften. Dazu gehört "frisch gepresster Tomatensaft, Zitronensaft und Glyzerin zu gleichen Teilen verquirlen" - fertig ist eine ganz besondere Handcreme.

So leicht macht es sich die Industrie nicht. In Handcremes, die heute über die Ladentheke gehen, sind nicht selten über 20 verschiedene Substanzen - darunter etwa Simmondsia Chinensis Seed Oil, zu Deutsch: Jojobaöl. Oder wie wäre es mit Prunus Amygdalus Dulcis Oil? Für alle Nicht-Chemiker: Mandelöl. Wichtig ist in jedem Fall, nach intensivem und mehrfachem Waschen die Hände auf jeden Fall eincremen - je öfter desto besser.

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