Corona-Alarm: Virus-Mutante B.1.1.7 in Berliner Krankenhaus | Deutschland | DW | 25.01.2021
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Pandemie in Deutschland

Corona-Alarm: Virus-Mutante B.1.1.7 in Berliner Krankenhaus

Erstmalig in Deutschland wurde ein Cluster der neuen Virus-Mutante entdeckt. Betroffen ist ausgerechnet ein Krankenhaus. Das steht nun unter Quarantäne. Lässt sich eine Ausbreitung noch eindämmen?

Außenansicht des Berliner Humboldt-Klinikums

Im Berliner Humboldt-Klinikum wurde die Corona-Mutation B.1.1.7 entdeckt

Großer Schreck-Moment in Berlin. Das zum Vivantes-Konzern gehörende Humboldt-Klinikum wurde unter Quarantäne gestellt - ein bislang einmaliger Schritt in Deutschland. Der Grund:Auf der Kardiologischen Station gab es unter Patienten und dem Personal mehrere Fälle der ansteckenderen "England"-Mutation des COVID-19-Virus mit der Bezeichnung B. 1.1.7.

Dabei hatte sich die deutschen Hauptstadt, im Herbst noch Corona-Hotspot, gerade ganz gut aus der zweiten Pandemie-Welle heraus gekämpft. Die Zahl der Neuinfizierten sank zuletzt stetig. Die Sieben-Tage-Inzidienz liegt jetzt bei knapp über 100 - und damit im landesweiten Durchschnitt. Auch die schweren Fälle in den Krankenhäusern gehen zurück.

Jeder zweiter Fall in Berlin

Und nun das: Von deutschlandweit bislang gemeldeten 51 Fällen einer Infektion mit der Virus-Variation B.1.1.7 finden sich 24 in Berlin. Die Zahlen stammen vom Robert-Koch-Institut, der Nationalen Gesundheitsbehörde - Stand: 25.1.

Die Berliner Zahlen wurde auf einer Presse-Konferenz des Krankenhaus-Konzerns am Montag (25.1.) mitgeteilt. Erste Fälle hatte es demnach bereits in der Vorwoche gegeben. Als die Lage immer unübersichtlicher wurde, zog das Krankenhaus die Reißleine. Dabei wurden das Robert-Koch-Institut, das Land Berlin, die Berliner Charité als COVID-Wissenscluster und das zuständige Gesundheitsamt mit ins Boot geholt. Ihr Ziel: Das Infektionscluster klein halten und alle Kontakte nachverfolgen.

Aufnahmestopp und Pendel-Quarantäne

Das Humboldt-Klinikum ist mit 640 Betten kein kleines Haus; es spielt vor allem für die Notversorgung im Nordwesten Berlins eine wichtige Rolle. Das fällt jetzt aus: Aufnahmestopp! Für die rund 1700 Mitarbeiter wurde eine Pendel-Quarantäne verordnet. Das heißt: Erlaubt ist nur das Arbeiten und der Weg nach Hause. Für alle, die sonst mit Bus oder Bahnen zur Arbeit kommen, hat das Land Berlin einen Fahrdienst organisiert. "Am Montag waren alle an Deck, es gab beim Personal keine Ausfälle", sagte Krankenhaus-Direktor Jürgen Kirschbaum.

Humboldt-Klinikum - Ärzte gehen über einen Flur der neu eröffneten Intensivstation des Vivantes Humboldt-Klinikum im Stadtteil Reinickendorf.

Nur noch Arbeit und Zuhause: Das Personal des Krankenhauses steht unter "Pendel-Quarantäne"

Im Krankenhaus werden etwas mehr als 400 Patienten behandelt. Wer gesund ist, wird in häusliche Quarantäne entlassen. "Wir lassen das Krankenhaus leer laufen", sagte der Amtsarzt des zuständigen Gesundheitsamtes, Patrick Larscheid. Das sei jetzt ein "normales Vorgehen".

"Nicht in Drama verfallen!"

Doch das Virus hat das Krankenhaus bereits verlassen. Zwei Fälle wurden in einem anderen Vivantes-Krankenhaus in Berlin registriert. Zwei weitere Fälle wurden außerhalb gefunden, die im Zusammenhang mit Patienten stehen. Am Montag meldete auch die Charité einen weiteren Fall.

"Nicht in Drama verfallen!", empfahl Amtsarzt Larscheid. Zudem sei das Lage-Bild noch immer nicht komplett. Die Testungen aller Beschäftigten und Behandelten liefen noch. Wird aus dem Cluster ein großer Hotspot? Gibt es in der Stadt bereits weitere Hotspots? Er gehe davon aus, so Larscheid, dass das Geschehen im Wesentlichen auf das Humboldt-Klinikum begrenzt sei. Das Problem habe noch nicht auf die ganze Stadt übergegriffen. 

Wo genau das Virus herkam, wissen die Beteiligten nicht. Bereits nach Weihnachten hatte es in Berlin erste Fälle gegeben; damals hatten Reisende aus Groß-Britannien das Virus in die Stadt gebracht.

Screening erst im Aufbau

Im täglichen Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts hieß es zuletzt, dass es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass B.1.1.7 zu schwereren Erkrankungen führe. Zudem sei der Impfstoff von Biontec/Pfizer sei auch für diese Variante wirksam.

Dänemark Aalborg Labor | Sequenzierung von Coronavirus Mutante B 1.1.7.

Sequenzierung von Corona-Viren in Dänemark

In Deutschland wurde bislang nicht systematisch nach der Virus-Variante gesucht. Dazu müssen die positiven COVID-10-Proben aufwändig sequenziert werden. Den meisten deutschen Laboren fehlen die Möglichkeiten dazu. Nun soll im Laufe des Februars ein "Deutscher Elektronischer Sequenzdaten-Hub" entstehen, eine einheitliche Plattform zum Daten-Transfer. In Europa ist die großflächige Sequenzierung positiver COVID-19-Fälle bislang nur in Dänemark und Groß-Britannien üblich.

Die Bundesregierung geht von einer großen und sehr realen Gefahr aus, "dass sich die Virusmutante auch bei uns wie in anderen Ländern immer weiter durchsetzt", sagte ein Regierungssprecher. Umso wichtiger sei es, die Infektionszahlen schnell zu senken. "Denn je niedriger die Fallzahlen sind, desto besser werden wir auch die Ausbreitung der Virusmutation hemmen können."

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Deutschland: Sorge vor Coronavirus-Mutationen wächst

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