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Regenwald-Fonds: Mit welcher Summe ist Deutschland dabei?

Veröffentlicht 7. November 2025Zuletzt aktualisiert 7. November 2025

Ein neuer Fonds von Brasiliens Präsident Lula soll Länder belohnen, die ihre Urwälder schützen. Während der deutsche Kanzler mit konkreten Zusagen zögert, geht Norwegen bei der Klimakonferenz mit großen Summen voran.

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Brasilien Belem 2025 | Friedrich Merz bei der Weltklimakonferenz COP30 (07.11.2025)
Bundeskanzler Merz in Belém: "Der Tropenwald muss erhalten bleiben"Bild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Norwegen hat bei der UN-Klimakonferenz COP30 in Brasilien Milliardeninvestitionen in den neuen globalen Tropenwald-Fonds "Tropical Forest Forever Facility" (TFFF) in Aussicht gestellt. Die Regierung will bis zu 30 Milliarden norwegische Kronen (2,56 Milliarden Euro) beisteuern - vorausgesetzt, andere Geber bringen mindestens 8,52 Milliarden Euro zusammen. Norwegens Anteil soll dabei höchstens 20 Prozent des gesamten Fonds-Kapitals betragen.

Brasilianische und norwegische Minister bei der COP30 (06.11.2025)
Brasilianische und norwegische Minister beim Auftakttreffen der COP30Bild: Rafa Neddermeyer/COP30 Press Office/AFP

"Wir haben keine Zeit zu verlieren, wenn wir die Tropenwälder der Erde retten wollen", sagte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Störe in der Amazonas-Stadt Belém.

Deutschland unterstützt Fonds - ohne konkrete Zusage

Der von Brasilien initiierte Fonds soll beim Start rund zehn Milliarden US-Dollar (8,7 Milliarden Euro) umfassen und langfristig auf 125 Milliarden Dollar anwachsen - vor allem durch private Investitionen. Brasilien und Indonesien haben jeweils eine Milliarde Dollar zugesagt, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will 500 Millionen Euro beisteuern. Bei den genannten Bedingungen wäre damit bereits rund die Hälfte der Startsumme gesichert.

Emmanuel Macron und  Luiz Inácio Lula da Silva halten sich an den Händen (06.11.2025)
Brasiliens Präsident Lula (r.) und Frankreichs Präsident Macron beim Gipfel in Belém (am Donnerstag)Bild: Eraldo Peres/AP Photo/picture alliance

Der TFFF verfolgt einen neuartigen Ansatz: Das Kapital wird an den Finanzmärkten - vor allem in Schwellenländern - angelegt. Die Gewinne sollen, abzüglich der Investorenrenditen, an tropische Staaten mit niedrigen Entwaldungsraten fließen.

So soll verhindert werden, dass Regenwälder überhaupt erst zerstört werden. Neben den Tropenländern sollen auch Geberstaaten und private Investoren profitieren. Bereits mit demAmazonasfonds hatte sich Brasilien im Bereich des internationalen Klimaschutzes profiliert. 

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte den Fonds im Rahmen eines zweitägigen Gipfeltreffens von Donnerstag bis zum heutigen Freitag in Belém vorgestellt. Das Treffen mit rund 50 Staats- und Regierungschefs dient als Vorbereitung der am Montag offiziell beginnenden UN-Klimakonferenz COP30. Der Fonds gilt als zentraler Bestandteil von Lula da Silvas Klimastrategie, die auf internationale Partnerschaften zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes setzt.

Die deutsche Bundesregierung werde "einen namhaften Betrag zum Gelingen dieser Initiative beisteuern", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei einer Rede in Belem. Die Tropenwälder weltweit seien wichtig im Kampf gegen die Klimakrise, betonte Deutschlands Regierungschef.

"Sie sind gleichzeitig einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher weltweit und Lebensraum für Menschen und unzählige Tier- und Pflanzenarten", so Merz. Zum Erreichen der Klimaschutzziele müsse der Tropenwald erhalten bleiben und gleichzeitig müssten mehr Privatsektormittel mobilisiert werden.

Eine konkrete deutsche Finanzzusage steht damit weiter aus. Die Bundesregierung erklärte bereits im Vorfeld, es seien noch "eine Reihe von Umsetzungsfragen" zu klären.

UN-Generalsekretär wirft Staatschefs "tödliche Fahrlässigkeit" vor

UN-Generalsekretär António Guterres nutzte den Gipfel für eine eindringliche Mahnung: "Wir sind dabei gescheitert, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen", sagte er zum Auftakt. "Das ist ein moralisches Versagen - und tödliche Fahrlässigkeit."

UN-Generalsekretär Guterres spricht in Belém (06.11.2025)
UN-Generalsekretär Guterres richtet eindringliche Worte an die Gipfelteilnehmer (am Donnerstag)Bild: Eraldo Peres/AP Photo/dpa/picture alliance

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatten sich die Staaten verpflichtet, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Trotz des Rückzugs der USA unter Präsident Donald Trump betonte Guterres, die Welt sei "noch nie besser gerüstet gewesen", um gegenzusteuern - dank der Fortschritte bei Wind- und Solarenergie.

Auch Lula warnte vor dem "rasch" schließenden "Zeitfenster zum Handeln". Er kritisierte, dass "extremistische Kräfte" Falschinformationen zum Klima verbreiteten, um sich "Vorteile bei Wahlen zu verschaffen". Damit würden "künftige Generationen eingesperrt", so der brasilianische Präsident mit Blick auf die unumkehrbaren Folgen des Klimawandels.

US-Präsident Trump nimmt nicht an Klimagipfel teil

Bundeskanzler Merz will in Belém ein "Signal für die internationale Zusammenarbeit beim Klimaschutz" senden. Deutschland wolle "die Fahne hoch halten für den Multilateralismus", hieß es aus Regierungskreisen. Die Weltgemeinschaft müsse beim Klimaschutz gemeinsam vorankommen, "auch wenn die geopolitischen Rahmenbedingungen nicht einfacher geworden sind".

COP30: Globale Stimmen für Klima und soziale Gerechtigkeit

Nicht alle großen Emittenten beteiligen sich in Belém aktiv: China, die USA, Indien und Russland entsenden lediglich Stellvertreter oder Minister. US-Präsident Trump, der im September in einer Rede vor der UN-Vollversammlung den menschengemachten Klimawandel erneut als "größten Betrug aller Zeiten" bezeichnet hatte, bleibt dem Gipfel fern.

China pocht auf die Bedeutung grüner Produkte und forderte, "Handelsbarrieren zu beseitigen und den freien Fluss hochwertiger grüner Produkte sicherzustellen". Das Land ist weltweit führend bei Solarzellen, Batterien und Elektroautos - zugleich aber Ziel neuer US-Zölle seit Trumps Rückkehr ins Amt.

Rekordanstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre

Kurz vor Beginn des Gipfels in Belém wurden neue besorgniserregende Klimadaten bekannt. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), dass 2025 voraussichtlich das zweit- oder drittheißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werde. "Die alarmierende Serie außerordentlicher Temperaturen hat sich im Jahr 2025 fortgesetzt", teilte die WMO mit.

Bereits 2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Messungen. Die Konzentration an Treibhausgasen stieg demnach um rekordhafte 2,3 Prozent - vor allem durch Emissionen aus Indien, China, Russland und Indonesien.

Rund 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in den nächsten Tagen in Belém erwartet. Mit dem Austragungsort am Amazonas sendet Brasilien ein deutliches Signal für den Schutz der global bedeutenden Regenwälder.

pgr/se (afp, rtr, ap, dpa)

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