Christo-Ausstellungen: Berlin beginnt, Paris verschiebt | Kunst | DW | 05.05.2020
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Kunst

Christo-Ausstellungen: Berlin beginnt, Paris verschiebt

Im Juni wird Christo 85. Sein Geburtstags-Jahr steht im Zeichen der Corona-Krise. In Paris wurden eine Ausstellung und eine neue Verhüllung verschoben. In Berlin dagegen dürfen sich Christo-Fans freuen.

Bei dem in Bulgarien geborenen Künstler und seinen Mitstreitern dürfte die Freude groß sein, dass nun - trotz Corona-Krise und kurz vor seinem 85. Geburtstag am 13. Juni - die geplante Ausstellung in Berlin stattfinden wird. Im "PalaisPopulaire“, einer Kunsteinrichtung der “Deutschen Bank“, startet am 6.5. die Schau "Christo and Jeanne-Claude - Projects 1963-2020 / Ingrid & Jochheim Collection". Die Ausstellung profitiert von der Entscheidung der Bundesregierung, dass Museen nach der wochenlangen Corona-bedingten Schließung wieder öffnen dürfen.

In Berlin werden nun Arbeiten Christos und seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude aus der Sammlung Jochheim gezeigt, die die Geschichte der Großprojekte in vielen Ländern der Erde nachzeichnen. Im Mittelpunkt steht in Berlin aber verständlicherweise die Verhüllung des Reichstages. Vor 25 Jahren war der Regierungsbau in der deutschen Hauptstadt für einen Zeitraum von zwei Woche in ein Kunstprojekt verwandelt worden. Darüber hinaus werden in der Berliner Ausstellung auch eine Vielzahl früherer Kunstobjekte des Künstlerehepaares ausgestellt.

Berlin zeigt also Christo und Jeanne-Claude - Paris hingegen nicht. Zumindest noch nicht. In der französischen Hauptstadt war ursprünglich für den 18. März die Schau "Christo and Jeanne-Claude: Paris!“ geplant. Im "Centre Pompidou" sollte eine umfangreiche Ausstellung mit über 300 Werken der beiden Künstler stattfinden. Christo hatte sieben Jahre, von 1958 bis 1964, in Paris gelebt und in dieser Zeit begonnen Alltagsgegenstände zu verhüllen. Das wurde dann später zu seinem - und Jeanne-Claudes künstlerischem Markenzeichen. Nun wird mit einem Ausstellungsbeginn nicht vor September gerechnet - auch eine Folge der Corona-Krise.

Auch der Triumphbogen muss warten - bis 2021

Ebenfalls verschoben wurde der Plan Christos, das Pariser Wahrzeichen "Arc de Triomphe" zu verhüllen. Hier war nicht die Pandemie schuld, sondern der Brand der "Notre-Dame" vor einem Jahr. Zum Schutz der Trumfalken, die seit dem Feuer nicht mehr in der zerstörten Kathedrale brüten können, sondern in den "Arc de Triomphe" umzogen, wurde auch dieser Termin verschoben. Die Aktion soll nun erst ab Mitte September 2021 zu sehen sein.

Seit den frühen 1960er Jahren hatte Christo von einer Verhüllung des Triumphbogens in seiner zeitweiligen Heimatstadt geträumt.

Christo Projekt Verhüllung Arc de Triomphe (AFP/Christo and Jeanne-Claude - 2018 Christo/Andre Grossmann )

Christo-Projekt: So soll der verhüllte L´Arc de Triomphe in Paris aussehen

Christos Umzug nach Paris

1958 war Christo in Paris angekommen. Es ist die Zeit des Kalten Krieges, die ihn aus seinem Heimatland Bulgarien über Wien nach Paris flüchten lässt. Um in Paris zu überleben, hält er sich mit Jobs über Wasser. Er verdient sein Geld mit Autowaschen und Auftragskunst. Damals signiert er noch mit seinem Geburtsnamen: "Javacheff".

Eines Tages porträtiert er auch Jeanne-Claudes Mutter. Bei der Übergabe des Porträts der Ehefrau von General Jacques de Guillebon, dem Direktor der Pariser Eliteschule "École Polytechnique" für angehende Ingenieure lernt Christo Wladimirow Javacheff deren Tochter Jeanne-Claude kennen. Eine "extravagante Rothaarige, wie in Plastikfolie verpackt", wird er später über die attraktive Französin, die in Casablanca (Französisch-Marokko) geboren wurde, sagen. Beide haben am selben Tag, dem 13. Juni 1935, Geburtstag.

 Portrait eienr verhüllten Jeanne-Claude, 1963 (Christo 1963/Photo: Chr. Baur)

Jeanne-Claude 1963 - von Christo verhüllt

Bei ihrem ersten Treffen sind beide 23 Jahre alt. Christo und Jeanne-Claude verlieben sich, sie wollen heiraten. Doch dafür muss sich Jeanne-Claude erstmal von ihrem frisch gebackenen Ehemann Philippe Planchon scheiden lassen. Schon in den Flitterwochen ist sie von Christo schwanger. Ihr gemeinsamer Sohn Cyril kommt am 11. Mai 1960 zur Welt. Heiraten werden Christo und Jeanne-Claude erst am 28. November 1962 - gegen den Willen der Eltern der Braut.

Osmotische Beziehung in Leben und Kunst

1960 schließt sich Christo der von dem Kunsthistoriker Pierre Restany und dem Maler Yves Klein gegründeten Gruppe "Nouveaux Réalisme" (Neuer Realismus) an. Offizielles Mitglied wird er allerdings nie. Seine Leidenschaft im Umgang mit großen Stoffbahnen hat er übrigens aus Bulgarien mitgebracht: Während seiner Jugendzeit kam er durch die Fabrik seines Vaters mit Textilien in Kontakt und fertigte schon früh Zeichnungen von großen Stoffballen an.

Kurz nach seiner Ankunft in Paris beginnt der junge Künstler Christo Dosen und Flaschen zu verpacken, die er mit harzgetränkter Leinwand umwickelt, verschnürt und mit Leim, Firnis, Sand und Autolack behandelt. Er findet auch einen Unterstützer seiner Kunst: Der Kölner Kunstsammler Dieter Rosenkranz erkennt als erster sein Talent und kauft einige seiner Frühwerke.

Bildergalerie Berliner Reichstag (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

Von Christo finanziert: Der Verhüllte Reichstag in Berlin zog ein Millionenpublikum an

"Eiserner Vorhang" in Paris

Mit ihrer Liebesbeziehung beginnt auch eine künstlerische Partnerschaft, die viele Jahre nur Christos Namen trägt. Dass die Projekte Jeanne-Claude dabei unterschlagen, hat strategische Gründe. Künstlerische Partnerschaften existieren in den 1960er Jahren so gut wie gar nicht. Frauen spielen in der Kunst insgesamt eine untergeordnete Rolle. Das Risiko, als Künstler-Paar nicht akzeptiert zu werden, ist ihnen schlicht zu groß.

Trotzdem durchläuft das Werk von Christo und Jeanne-Claude in den Pariser Jahren von 1958 bis 1963 eine der außergewöhnlichsten Entwicklungen. Das Paar verwandelt die Stadt und ihre Straßen in einen Ausstellungsort. In der Pariser Rue Visconti blockieren sie mit einem illegal errichteten Haufen Ölfässer die Straße. Eine Installation mit politischer Botschaft, die als Gesellschaftskritik am Kalten Krieg und auch am Bau der Berliner Mauer gemeint ist. Die erste gemeinsame künstlerische Intervention im Jahr 1962 trägt den Namen "Eiserner Vorhang".

Christo und Jeanne-Claude mit Johannes Schaub, Jacques Chirac et Françoise de Panafieu, (Christo 1983/Photo: Wolfgang Volz )

Christo und Jeanne-Claude 1982 zu Besuch bei Frankreichs damaligem Präsidenten Jacques Chirac

Umzug nach New York

Auch als Christo und Jeanne-Claude 1963 nach New York umziehen, bleiben sie Paris eng verbunden. 1975 entsteht die Idee, die prestigeträchtigsten Brücken von Frankreichs Hauptstadt einzupacken. Es wird schließlich nur die Pariser Pont Neuf verhüllt. Ein Projekt, das erst nach zehn Jahren harter Überzeugungsarbeit bei Politikern und Anwohnern realisiert werden kann.

Erfahrungen dafür haben sie schon 1969 bei der Verhüllung eines Küstenstreifens von Australien gesammelt. Oder auch am 10. Oktober 1971, als sie einen orange gefärbten Vorhang ("Valley Curtain") in ein Tal der Rocky Mountains in Colorado in den USA hängen. Was allerdings beim ersten Mal scheitert und kurze Zeit später wiederholt werden muss.

Kuenstlerpaar Christo und Jeanne-Claude (picture alliance/KEYSTONE)

Ergänzten sich kongenial: das Künsterpaar Jeanne-Claude und Christo

Christo und Jeanne-Claude bleiben ein Paar - im Leben wie in der Kunst, bis zum Tod von Jeanne-Claude am 18. November 2009 im Alter von 74 Jahren. 51 Jahre lang arbeitete das berühmte Künstlerpaar Jeanne-Claude und Christo Seite an Seite - und auf Augenhöhe. Sie verhüllten Bäume im Central Park von New York oder 1995 den Reichstag in Berlin. Aber ihre gemeinsamen Anfangsjahre in Paris behalten eine hohe symbolische Bedeutung für ihr gesamtes Werk.

Aus aktuellem Anlass handelt es sich bei diesem Artikel um eine Aktualisierung einer früheren Version.

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