China: USA werden für Olympia-Boykott bezahlen | Aktuell Welt | DW | 08.12.2021
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Olympische Winterspiele

China: USA werden für Olympia-Boykott bezahlen

Die Volksrepublik hat den USA für deren angekündigten diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking mit Konsequenzen gedroht. Auch die Entscheidung Australiens dürfte China nicht gefallen.

Zhao Lijian, Sprecher des Pekinger Außenministeriums, sagte, die USA werden "den Preis für ihr Fehlverhalten zahlen". Der Schritt sei ein Verstoß gegen die "politische Neutralität im Sport". Weiter ging er nicht auf die geplanten Gegenmaßnahmen ein. Die künftige Ampel-Regierung in Berlin ließ zunächst offen, ob sich Deutschland dem US-Boykott anschließen werde. Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte eine enge Abstimmung mit den Partnerländern an. Die Bundesregierung werde den Umgang mit China "sehr sorgfältig mit uns, unter uns und mit den Partnern in Europa und der Welt beraten".

Die USA hatten angekündigt, wegen Menschenrechtsverletzungen in China keine Regierungsvertreter zu den Olympischen Spielen im Februar zu entsenden. US-Sportler dürfen aber an den Spielen teilnehmen. Das Weiße Haus hatte seine Entscheidung unter anderem mit Menschenrechtsverletzungen in der Provinz Xinjiang begründet. China begehe einen "Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit" an den muslimischen Uiguren in Xinjiang und auch andere Menschenrechtsverletzungen, hieß es in einer Erklärung. China weist die Vorwürfe zurück.

Australien Scott Morrison

Australiens Premier Scott Morrison: "Australische Regierungsvertreter werden nicht nach China zu diesen Spielen reisen"

Inzwischen erklärten weitere Staaten, darunter Australien, keine diplomatischen Vertreter zu den Winterspielen 2022 zu schicken. Als Grund führte Ministerpräsident Scott Morrison eine Reihe von Differenzen zwischen Canberra und Peking an, darunter Chinas Kritik an Australiens Entscheidung zur Anschaffung von nukleargetriebenen U-Booten. Seine Regierung habe wiederum "Menschenrechtsverstöße in Xinjiang und andere Themen" angeprangert, doch habe die chinesische Regierung keine Gesprächsbereitschaft gezeigt.

Australische Sportler sollen jedoch an den Spielen in Peking teilnehmen, wie Morrison betonte. "Australien ist eine große Sportnation, aber ich halte Fragen des Sports und der anderen politischen Angelegenheiten sehr wohl auseinander." Auch Neuseeland und Großbritannien wollen keine Politiker nach Peking entsenden. 

Ob sich weitere Staaten den USA anschließen, ist noch nicht klar. Die französische Regierung strebt eine europaweit koordinierte Entscheidung an. "Wenn wir Bedenken wegen der Menschenrechte haben, sagen wir das den Chinesen und haben deshalb im vergangenen März Sanktionen gegen Xinjiang verhängt", hieß es in einer Mitteilung aus Paris. "Wir nehmen die Entscheidung der Amerikaner zur Kenntnis und werden uns auf europäischer Ebene abstimmen."

IOC-Präsident Thomas Bach

IOC-Präsident Thomas Bach: Olympische Spiele können langjährige politische Probleme nicht aus der Welt schaffen

Russland kritisierte den Boykott der Amerikaner: "Aus unserer Sicht sollten die Olympischen Spiele frei von Politik sein", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Es sei jedoch positiv zu werten, dass die US-Athleten nicht von der Entscheidung Washingtons betroffen seien.

IOC respektiert US-Beschluss

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte mit, es respektiere die Ankündigung eines diplomatischen Boykotts der Winterspiele durch die USA. IOC-Präsident Thomas Bach sagte, es handele sich um eine rein politische Diskussion. In diesem Punkt sei das IOC neutral. Mit den Olympischen Spielen könne das IOC keine großen politischen Konflikte lösen, so Bach.

Der diplomatische Olympia-Boykott der USA

Dies sei eine überzogene Erwartung. Für die Spiele zumindest wolle das IOC seiner Verantwortung gerecht werden. Das heiße: "Keine Diskriminierung, Freiheit der Presse, offenes Internet, freie Meinungsäußerung der Athleten."

In der chinesischen Provinz Xinjiang sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und Forschern mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime in hunderten Haftlagern eingesperrt. Sie werden dort nach Angaben der Aktivisten zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. Exil-Uiguren werfen Peking auch Morde, Verschleppungen, Folter und Zwangssterilisationen vor.

uh/wa/rb (afp, sid, dpa, rtr)

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