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PolitikChina

China: Nach Trump kommt Putin

Xin Lin
18. Mai 2026

Pekings wachsender Einfluss in einer zersplitterten Weltlage ist nicht zu übersehen. Nach Trump wird nun Putin diese Woche Chinas Präsident Xi treffen. Was erhofft er sich?

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China Peking 2025 | Militärparade zum 80. Jahrestag des Sieges über Japan mit Putin und Xi Jinping
(Archiv) Putin und Xi am 3.9.2025 in Peking Bild: Sergei Bobylev/TASS/ZUMA/picture alliance

Am Dienstag (19.5.26) wird der russische Präsident Wladimir Putin in der chinesischen Hauptstadt erwartet. Es wird sein 25. Chinabesuch sein. Putin folgt unmittelbar auf US-Präsident Donald Trump, dervor einer Woche ebenfalls in Peking war. 

Offiziell wollen China und Russland 25 Jahre Freundschaftsvertrag feiern. Auf der Tagesordnung stehen aber auch bilaterale Wirtschafts- und Handelsfragen sowie Gespräche über internationale und regionale Brennpunkte. 

China ist Russlands größter Handelspartner. Peking liefert mehr als ein Drittel der russischen Importe und kauft mehr als ein Viertel der russischen Exporte. Außerdem hat die Partnerschaft seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs 2022 eine militärische Dimension. Eine Untersuchung der Nachrichtenagentur Reuters im Juli 2025 ergab, dass chinesische Unternehmen Scheinfirmen genutzt haben sollen, um Drohnenmotoren als industrielle Kühlgeräte an russische Rüstungshersteller zu liefern. China wies die Vorwürfe zurück. 

Deutschland zw. USA und China: Wer ist der bessere Partner?

Die intensive Interaktion zwischen den Präsidenten der USA, Russland und China habe Peking in eine vorteilhafte Position gebracht, sagt Claus Soong, Forscher der Berliner China-Denkfabrik MERICS. Sowohl die USA als auch Russland hätten gerne Unterstützung von China, wenn auch auf unterschiedliche Weise: Moskau ist ein Partner mit sich überschneidenden Interessen in den Bereichen Energie und Geopolitik. Washington ist zwar ein strategischer Rivale, hofft aber auf den diplomatischen Einfluss Chinas im Iran-Krieg. 

Während Trump von Chinas Präsident Xi Jinping herzlich empfangen wurde und Peking allerdings nur mit guten Worten, aber ohne die übliche gemeinsame Abschlusserklärung verließ, werden nach dem Treffen zwischen Putin und Xi konkrete Beschlüsse erwartet. Sowohl der Kreml als auch Peking haben ein gemeinsames Kommuniqué angekündigt. 

Was Putin von Xi erwartet 

Putin wolle die aktuelle Haltung Pekings zu einer "zukunftsorientierten" Frage einschätzen, so Soong. Moskau wolle wissen, "wer als glaubwürdiger Vermittler fungieren könnte, falls Russland ein Ende des Ukraine-Krieges anstreben sollte." Zuvor hatte Putin schon den Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Gespräch gebracht. Dieser Vorschlag entpuppte sich aber lediglich als ein Testluftballon. Einige Beobachter glauben, der Kreml sei kriegsmüde und könnte nach Wegen suchen, den Krieg zu beenden. 

Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich Putin schon häufig mit Xi getroffen. Für Peking habe die gute Beziehung zu Russland eine strategische Priorität, sagt Soong, auch wenn das Gleichgewicht asymmetrisch sei, da Russland mittlerweile stärker auf China angewiesen sei als umgekehrt. 

Russlands Wirtschaft: Sanktionen schaden wenig

Moskau brauche chinesische Kunden, die das russische Öl und Gas kaufen, um seine Kriegskasse aufzufüllen, sagt Ding Shufan, Professor für Ostasienwissenschaften an der National Chengchi University in Taiwan. Auch die russische Rüstungsindustrie sei auf chinesische Importe der Dual-Use-Produkte angewiesen. Das sind Produkte, die sowohl militärisch als auch im zivilen Bereich verwendet werden können. Ob Peking das Ausmaß seiner Unterstützung anpassen könnte, "wie das Drehen eines Wasserhahns", wie Soong es ausdrückte, bleibt unklar. 

Was Peking von Moskau will 

"China will keinen Krieg. Das liegt nicht im langfristigen Interesse Chinas", sagt der Experte Soong. Sowohl im Iran als auch in Russland wolle Peking einen Zusammenbruch der Regierung verhindern. 

Ein deutlich geschwächtes oder instabiles Russland würde unmittelbare strategische Risiken für Peking mit sich bringen, so die Einschätzung Soongs. Die beiden Länder teilen eine lange Grenze. Moskau bleibt ein wichtiger strategischer Partner für China. 

Iran-Krieg: Globale Abhängigkeit von Energie aus Nahost

China ist von den Spannungen rund um die Straße von Hormus und den daraus resultierenden Risiken für seine Energiesicherheit betroffen. China ist nämlich der größte Kunde von iranischem Öl. Gleichzeitig möchte sich Peking als stabilisierende Macht präsentieren. Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen im Lande wie Überkapazitäten braucht China solvente Kunden auf dem Weltmarkt. Es will vermeiden, dass die großen Käufer chinesischer Produkte durch die Konflikte und steigende Kosten von neuen Orders absehen. 

DW Sendung To The Point am 06.11.2025
MERICS-Experte Claus SoongBild: DW

Analysten sagen, die jüngsten Konflikte im Nahen Osten hätten russische Energieprodukte für Peking attraktiver gemacht, auch wenn China seit langem bestrebt sei, seine Lieferquellen zu diversifizieren. Russland deckte im Jahr 2025 fast 18 Prozent der chinesischen Ölimporte ab, verglichen mit rund 13 Prozent aus dem Iran und etwa 42 Prozent aus anderen Golfstaaten. Westliche Sanktionen haben Moskau dazu veranlasst, seine Ölexporte nach Osten umzuleiten. Und China könnte sich einen guten Preis für russische Energieprodukte sichern. 

Endet jetzt auch der Krieg in der Ukraine?

"Wie ein Paar mit unterschiedlichen Träumen" 

"China und Russland sind wie ein Paar, das zwar im selben Bett liegt, aber unterschiedliche Träume hat", sagt Soong und beschreibt die Beziehung als aufeinander abgestimmt, aber nicht identisch in ihren Zielsetzungen. 

Für China liege ein zentrales Interesse darin, sich eine zuverlässigere und nachhaltigere Energieversorgung zu sichern, ohne dabei übermäßig von russischem Öl abhängig zu werden. Soong rechnet damit, dass sich die Beziehungen abkühlen werden. "So etwas wie eine unbegrenzte Partnerschaft gibt es nicht", sagt er im DW-Interview.  

China Peking 2025 | Putin und Xi Jinping vor Treffen in der Großen Halle des Volkes
MERICS-Experte Soong: "Es gibt keine unbegrenzte Partnerschaft"Bild: Sergei Bobylev/Sputnik/dpa/picture alliance

Dennoch bedeutet dies nicht, dass Peking und Moskau nicht auf einer Linie liegen. "Wenn China zwischen Europa und Russland zu wählen hätte, hat Russland immer noch mehr zu bieten", so Soong. 

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan