Brauchen ″historisches Abkommen zwischen Serbien und Kosovo″ | Europa | DW | 29.01.2019
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Balkan

Brauchen "historisches Abkommen zwischen Serbien und Kosovo"

Edi Rama, Albaniens sozialistischer Ministerpräsident, schätzt Angela Merkel und die Rolle der USA im Kosovo. Weniger bekannt ist seine künstlerische Ader. In Berlin stellt er gerade aus und beantwortete Fragen der DW.

Deutsche Welle: Der international bekannte Künstler Petrit Halilaj, beschrieb Ihre Ausstellung als einen geistigen Raum. Er sagte, man habe das Gefüh,l als betrete man das Gehirn des Künstlers. Sehen Sie das auch so?

Edi Rama: Es hat mich sehr gefreut, dass Petrit da war. Er ist ein Superstar, ein wunderbarer Mensch und sein positives Feedback hat mich sehr gefreut.

Sie übermalen normalerweise Notizen, Briefe, Papiere, die Sie während Ihrer Arbeit als Premierminister verwenden und bewegen sich somit permanent zwischen Politik und Kunst. Gibt es einen erkennbaren Zusammenhang zwischen dem Inhalt der Papiere und dem Gemalten?

Hier gibt es keine Verbindung mit der Politik. Ich zeichne einfach während der Arbeit, ich zeichne bei Meetings, zeichne während eines Telefongesprächs, in den Pausen, und es ist ein sehr natürlicher Prozess, wo die Hand das Auge und das Auge meine Hand verfolgt. Dabei gilt meine ganze Aufmerksamkeit den Gesprächen, der Arbeit, den Entscheidungen, die zu treffen sind, den Fragen, die bewältigt werden müssen.

Edi Rama Moment (DW)

Noch bis zum 9. März in Berlin zu sehen: Edi Ramas Kunst-Objekte

Viele Künstler hören mit ihrer Kunst auf, wenn sie an die Macht kommen. Sie hingegen machen weiter. Ist das Folge einer bewussten Entscheidung oder eher einer intuitiven Handlung?

Hier gibt es keine Rezepte: Der eine macht es so, der nächste anders. Aber in meinem Fall ist es organisch. Es ist wie die Luft, die man zum Atmen braucht. Es hindert mich nicht an meiner Arbeit. Im Gegenteil, es hilft mir. Beide leben nebeneinander.

Dann erlauben Sie mir bitte zu Ihrem anderen Beruf umzuschalten. Sie gelten als ein großer Fan von Angela Merkel. Sind Sie von der Balkan-Politik der Bundeskanzlerin enttäuscht?

Absolut nicht. Ich habe gar keinen Grund enttäuscht zu sein. Sie ist eine wahrhafte Freundin der Völker unserer Region, sie ist ein visionärer Leader und sie ist sich sehr klar über die Zukunft. Vor allem ist sie ein fantastisches Vorbild für Leadership und eine ganz entschiedene Fackelträgerin unserer Idee.

Ich frage Sie, weil in letzter Zeit der Eindruck entstanden ist, dass Sie sich immer mehr den USA zuwenden. Die USA setzt sich zurzeit für eine schnelle Lösung der Kosovo-Frage ein.

Die USA hat sich für Kosovo vom ersten Tag an eingesetzt. Ohne die USA wäre Kosovo nicht von den Belgrader Klauen befreit worden. Es wäre nicht der unabhängige Staat geworden, der er heute ist. Die USA waren immer entschlossene Unterstützer der Entwicklung der Demokratie in Albanien. Und seit Tag eins hat sich Albanien klar für die Partnerschaft mit den USA ausgesprochen, unabhängig davon, ob die Regierung dort links oder konservativ war.

Deutschland ist gegen eine Veränderung der derzeitigen Grenzen als Lösung zwischen Serbien und Kosovo. Aus diplomatischen Kreisen in Berlin hört man eine Besorgnis heraus, dass diese Lösung unter anderem auch die Integration der Westbalkan-Länder in die EU hinauszögern werde. Sehen Sie das auch so?

Deutschland Edi Rama, Premierminister Albanien & Angela Merkel, Bundeskanzlerin (Reuters/F. Bensch)

Schätzt sie sehr: Rama zu Besuch bei der Kanzlerin am 25. April 2018 in Berlin

Meiner Meinung nach gibt es einen notwendigen Dialogprozess, der finalisiert werden soll und zwar mit einem historischen Abkommen zwischen Serbien und Kosovo. Was uns anbelangt, so unterstützen wir jedes Abkommen, das eindeutig von den USA und der EU unterstützt wird. Alles andere ist Unfug.

Ein historisches Abkommen, das auf dem Westbalkan nun erreicht wurde, ist das Prespa-Abkommen, das nun auch vom griechischen Parlament abgesegnet wurde. Wie sehen Sie die Zukunft der Albaner im Rahmen von Nord-Mazedonien?

Ich glaube, dass dies ein historisch absolut richtiger Schritt war. Es hat eine lange Periode der Blockade, der Konflikte, der Behinderung hinter sich und es bedurfte eines mutigen Leaderships, um dieses Abkommen zu realisieren, das die Region endgültig aus einer großen Klemme befreit hat und allen Völkern, die in diesem Prozess involviert sind, eine Perspektive eröffnet, für Mazedonier wie für Albaner.

Was erwarten Sie ganz konkret von der deutschen Regierung in den nächsten Monaten?

Ich erwarte nichts Besonderes, weil die deutsche Regierung sich immer richtig verhalten hat sowohl in der Welt als auch in der Region. Sie ist eine sehr verlässliche Regierung eines wirklich befreundeten Staates, der in Albanien immer präsent gewesen ist und sich für die Demokratisierung der Region und für die Europäische Integration der Region, inklusive Albaniens, eingesetzt hat.


Edi Rama, geboren in 1964 in Tirana, war früher Künstler und Dozent der Kunstakademie, bevor er in die Politik ging. Er übermalt gerne Papiere, Briefe, Notizen, die er in seinem Alltag verwendet. Dann lässt er sie auf einer Tapete ausdrucken und verkauft sie für beispielsweise 30.000 Euro. Eine solche Tapete ist derzeit in Berlin zu sehen, neben anderen Zeichnungen und Skulpturen des 54-Jährigen.

Das Gespräch führte Anila Shuka. 

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