Brasilien rutscht in die Rezession | Wirtschaft | DW | 28.08.2015
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Wirtschaft

Brasilien rutscht in die Rezession

Korruption, Inflation, Rezession: Brasiliens Wirtschaft ist im Frühjahr kräftig geschrumpft und nach Definition der Ökonomen in eine Rezession gerutscht. Die meisten Probleme sind hausgemacht.

Die Summe aller hergestellten Waren und Dienstleistungen sank zwischen April und Juni um 1,9 Prozent zum Vorquartal, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Damit fiel das Bruttoinlandsprodukt schwächer aus als es Ökonomen erwartet hatten. Zu Jahresanfang war die größte Volkswirtschaft Südamerikas um 0,7 Prozent geschrumpft. Bei zwei rückläufigen Quartalen in Folge sprechen Experten von einer Rezession.

Die schwache Wirtschaft wird auch Präsidentin Dilma Rousseff angekreidet. Ihre Beliebtheit fiel in Umfragen zuletzt auf einstellige Prozentwerte. So hat ihr Bemühen, die Ausgaben zu kürzen und die Steuern zu erhöhen, kaum geholfen, um verloren gegangenes Vertrauen auf Seiten der Investoren und Konsumenten zurückzugewinnen. Spötter sagen, ihr Beliebtheitswert sei niedriger als die Inflationsrate, die zuletzt knapp unter zehn Prozent lag.

Investitionen bleiben aus

Die Investitionen fielen im Frühjahr um 8,1 Prozent und damit das achte Quartal in Folge. Eine ähnlich lange Negativserie hat es seit Erhebung der Daten 1996 noch nicht gegeben. Zudem befinden sich die Preise für wichtige Export-Rohstoffe wie Erdöl und Eisenerz im Sinkflug, während die Inflationsrate im Land steigt. Laut Weltbank wuchs das Bruttoinlandsprodukt Brasiliens im vergangenen Jahr nur noch minimal um 0,1 Prozent.

Um Jobs zu retten, hat die Regierung eine Kurzarbeitregelung mit staatlichen Zuschüssen nach dem Vorbild Deutschlands eingeführt. Die Zentralbank hat den Leitzins auf 14,25 Prozent angehoben, um Anlegern den Kauf von Staatsanleihen schmackhaft zu machen und den Real zu stärken, der fast täglich an Wert zum Dollar verliert. Trotzdem erlebt Brasilien einen Abzug von Investitionskapital, seitdem die US-Notenbank Fed über ein Ende der Nullzinsphase nachdenkt.

Von Moody's herabgestuft

Die US-Ratingagentur Moody's hat vor kurzem die Kreditwürdigkeit des fünftgrößten Landes der Welt auf "Baa3" heruntergestuft. Das bedeutet, es gibt Risiken, dass Gelder am Ende verloren gehen können - die nächste Stufe wäre eine Warnung, dass Anleihenkäufe mit hohen Ausfallrisiken verbunden sind.

Brasilien gilt zudem nicht als leichter Markt für Investoren. Bürokratische Regelungen, hohe Steuern und mangelhafte Infrastruktur machen es Firmen schwer und haben es als "custo brasil" (brasilianische Kosten) unter Ökonomen zum geflügelten Wort gebracht. Vor allem die heimische Industrie gilt als wenig wettbewerbsfähig.

wen/fab (rtr, dpa)

Anzeige