Boliviens Interimspräsidentin Jeanine Áñez mit Coronavirus infiziert | Aktuell Amerika | DW | 10.07.2020
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Lateinamerika

Boliviens Interimspräsidentin Jeanine Áñez mit Coronavirus infiziert

Ein weiteres lateinamerikanisches Staatsoberhaupt hat sich mit dem Coronavirus infiziert: Auch Boliviens Übergangspräsidentin Jeanine Áñez wurde positiv getestet. Sie will die Regierungsgeschäfte von zuhause aus führen.

Bolivien Jeanine Añez (picture-alliance/dpa/ABI/D. Valero)

Auch sie hat sich angesteckt: Interimspräsidentin Jeanine Áñez

Ihr gehe es gut, teilte Übergangspräsidentin Jeanine Áñez über Twitter mit. Sie werde mindestens zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Nach 14 Tagen werde sie sich einem weiteren Test unterziehen. Die rechtsgerichtete Politikerin kandidiert bei der Präsidentschaftswahl am 6. September. Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in dem südamerikanischen Land waren ursprünglich für Anfang Mai angesetzt gewesen, aber wegen der Corona-Pandemie verschoben worden.

Áñez kam ins Amt, nachdem der langjährige linksgerichtete Staatschef Evo Morales im November nach von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahlen und unter dem Druck wochenlanger Proteste zurückgetreten war. Morales flüchtete ins Ausland und lebt inzwischen in Argentinien.

Andere Kandidaten der Wahl wünschten der bolivianischen Übergangspräsidentin eine rasche Genesung. Er hoffe für Áñez auf eine "rasche und vollständige Genesung", twitterte der frühere Vizepräsident Carlos Mesa. Auch ein anderer Kandidat für das höchste Staatsamt, der frühere Staatschef Jorge Quiroga, sprach Áñez über Twitter seine "Solidarität" aus. Auch drei Mitglieder von Áñez' Kabinett haben sich mit dem Coronavirus infiziert. In Bolivien wurden bislang insgesamt knapp 43.000 Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus verzeichnet. Die offizielle Zahl der Todesopfer der Pandemie im Land lag am Donnerstag bei 1577.

Video ansehen 00:37

Áñez stellt Wahlgesetz vor (21.11.2019)

Auch Bolsonaro ist infiziert

Vor der 53-Jährigen war das neuartige Coronavirus bereits bei Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro und dem honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández festgestellt worden. Bolsonaro teilte via Facebook am Donnerstag mit, dass es ihm "sehr gut" gehe. In seiner Videobotschaft war er allein in seiner Residenz zu sehen. Der Präsident warb erneut für den Einsatz des Malaria-Medikaments Hydroxychloroquin gegen das Coronavirus. Er habe das Mittel eingenommen, und dies habe "funktioniert", sagte er. Bisher gibt es allerdings keinerlei wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gegen das Coronavirus, sein Einsatz gegen die Infektion ist unter Forschern und Medizinern umstritten. Auch US-Präsident Donald Trump hat wiederholt für Hydroxychloroquin geworben.

In Honduras verbrachte Staatschef Juan Orlando Hernández mehr als zwei Wochen im Krankenhaus, wo er wegen der Lungenkrankheit COVID-19 behandelt wurde. Er wurde Anfang Juli entlassen. In Venezuela wurde das Virus bei dem Vorsitzenden der Verfassunggebenden Versammlung, Diosdado Cabello, festgestellt, wie dieser am Donnerstag bekanntgab. Cabello ist der zweitmächtigste Politiker des Landes hinter Staatschef Nicolás Maduro.

Lateinamerika hatte sich in den vergangenen Monaten zunehmend zu einem neuen Zentrum der Pandemie entwickelt. In den lateinamerikanischen und karibischen Staaten wurden nach offiziellen Angaben insgesamt bereits mehr als drei Millionen Infektionsfälle verzeichnet. Mehr als 140.000 Menschen starben dort an den Folgen der Infektion. Am stärksten in der Region betroffen sind Brasilien, Mexiko, Peru und Chile.

kle/gri (afp, dpa)

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