Bittere Realität: Waffenruhe im Ukraine-Konflikt hält nicht
8. Mai 2026
Russland und die Ukraine warfen sich gegenseitig den Bruch jeweils einseitig erklärter Feuerpausen vor. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in den frühen Morgenstunden des Freitags seien mehr als 260 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Wegen der Angriffe stellten 13 Flughäfen im Süden Russlands vorübergehend ihren Betrieb ein, wie das Verkehrsministerium mitteilte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte seinerseits, russische Truppen hätten in der Nacht ukrainische Stellungen attackiert. Dies zeige, dass Moskau "nicht einmal ansatzweise den Versuch einer Feuerpause an der Front unternommen hat".
Ukraine spricht von "Strafmaßnahmen"
Bei den Angriffen der Ukraine auf russische Stellungen wurde unter anderem eine russische Ölanlage in Jaroslawl getroffen. Der Ort liegt mehr als 700 Kilometer von der Grenze entfernt. In der Stadt befindet sich eine große Raffinerie. Der Präsident sprach von "Strafmaßnahmen mit großer Reichweite" als Reaktion auf russische Angriffe auf ukrainische Städte und Dörfer.
Zuvor hatte der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärt, die Hauptstadt sei ins Visier genommen worden. Auch die Ural-Region Perm wurde Behörden zufolge mit Drohnen angegriffen.
Parade wird abgespeckt
Die Regierung in Moskau hatte für den 8. bis 10. Mai eine Feuerpause angekündigt. In diesen Tagen feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg und hält eine Militärparade in Moskau ab. Die traditionelle Parade findet am Samstag statt. Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen - anders als in den vergangenen Jahren - keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät bei der Parade auffahren.
Der Kreml warnte zugleich, jeder ukrainische Versuch, die Feierlichkeiten zu stören, werde zu einem massiven Raketenangriff auf Kyjiw führen. Ausländische Diplomaten wurden aufgefordert, die ukrainische Hauptstadt wegen möglicher Vergeltungsschläge zu verlassen.
Deutsches Botschaftspersonal bleibt in Kyjiw
Deutschlands Außenminister Johann Wadephul schloss trotz der russischen Drohungen einen Abzug des deutschen Botschaftspersonals in Kyjiw aus. Sein Ministerium wertete die Drohungen aus Moskau als Anzeichen für einen fehlenden Verhandlungswillen des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
"Ein gezielter Angriff auf eine diplomatische Vertretung wäre ein weiterer schwerer Verstoß Russlands gegen humanitäres Völkerrecht", hieß es am Donnerstag aus dem deutschen Außenministerium. Zuvor hatte bereits ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel erklärt, dass die Europäische Union ihre Botschaft in Kyjiw nicht räumen werde.
Die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs haben bislang keinen Durchbruch gebracht und sind durch den Iran-Krieg in den Hintergrund geraten. Die Machthaber in Moskau fordern, dass sich die Ukraine aus vier ukrainischen Regionen zurückzieht, die Russland für sich beansprucht. Die Regierung Kyjiw weist das als inakzeptabel zurück.
Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte als Reaktion auf die russische Ankündigung, eine Waffenruhe einzuhalten, seinerseits eine unbefristete Waffenruhe ab dem 6. Mai vorgeschlagen. Keine der beiden Seiten hatte jedoch den Vorschlägen der anderen zugestimmt. Der Bruch der Waffenruhe kommt deshalb nicht überraschend.
haz/AR (rtr, dpa, afp)
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