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Birthright auf dem Prüfstand: Wer wird US-Bürger?

21. Juni 2026

In den USA geht der Streit um das sogenannte Geburtsrecht bei der Staatsbürgerschaft in die nächste Runde: Der Supreme Court soll nun final darüber entscheiden. Was gilt in anderen Ländern?

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USA Washington D.C. 2026 | Demonstration für das Geburtsrecht vor dem Supreme Court
Proteste vor dem Supreme Court - eine der wichtigsten Entscheidungen in der US-Geschichte steht bald an Bild: Kent Nishimura/AFP

Noch gilt in den USA der 14. Verfassungszusatz: Wer auf US-Boden geboren wurde, erhält automatisch die Staatsbürgerschaft. Und zwar unabhängig vom Aufenthaltsstatus der Eltern. Dieses sogenannte Jus Soli (Recht des Bodens) wird seit 1868 garantiert. 

Nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump soll dieses Recht für Kinder von Einwanderern ohne legalen Aufenthaltsstatus oder mit temporärem Visum nicht mehr gelten. Bislang scheiterte Trump damit vor Gericht. Nun liegt der Fall zur finalen Entscheidung beim Obersten Gerichtshof (Supreme Court).

Juristisches Tauziehen: Darum geht es

Die Einschränkung des Geburtsrechts gehört zu den Eckpunkten von Trumps verschärfter Migrationspolitik. Schon nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus hatte er per Dekret beschlossen, dass für in den USA geborene Kinder das Geburtsrecht in bestimmten Fällen nicht mehr gelten soll.

Neugeborenen soll die Staatsbürgerschaft dann verweigert werden, wenn ihre Mütter bei der Geburt keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hatten oder sich nur kurzfristig in den USA aufhielten. Etwa, weil sie dort studierten oder sich als Touristinnen aufhielten. Der Vater darf weder US-Bürger sein, noch eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben. Die Regierung will damit nach eigenen Angaben einen angeblichen "Geburtstourismus" verhindern.

USA West Palm Beach 2026 | Trump spricht zu Reportern vor Abflug mit Air Force One
US-Präsident Trump will angeblichen "Geburtstourismus" eindämmenBild: Saul Loeb/AFP

Trumps Vorhaben wurde bislang jedoch von mehreren Bundesrichtern durch vorläufige Verfügungen blockiert. In einem Zwischenurteil entschied der Supreme Court jedoch, dass solche landesweiten juristischen Blockaden unzulässig seien. Nun dringt die US-Regierung auf eine finale Entscheidung.

Wo gilt weltweit das Geburtsrecht? 

Laut Trump seien die USA als "das einzige Land der Welt dumm genug", das Geburtsrecht zu erlauben - also eine Staatsangehörigkeit aufgrund des Orts der Geburt. Doch stimmt das? Nach einer Analyse des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center hatten im März 2026 insgesamt 32 Länder solche Gesetze, die denen der USA stark ähneln. Dazu zählen Kanada, Mexiko und Brasilien sowie viele weitere Länder aus Mittel- und Südamerika. Somit gehören die USA mit ihrem Geburtsrecht zwar weltweit gesehen zu einer Minderheit. Aber sie sind bei weitem nicht die einzigen, wie Trump es behauptet. 

.... oder Abstammungsrecht? 

Demgegenüber steht das sogenannte Abstammungsrecht. Kinder erwerben die Staatsangehörigkeit über ihre Eltern. Wo das Kind geboren wurde, spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Laut dem Pew Research Center folgt die Mehrheit der Länder diesem Prinzip. Konkrete Voraussetzungen variieren jedoch je nach Land. Und oftmals verwendeten Staaten ohnehin einen Mix aus beiden Prinzipien: dem Geburts- und dem Abstammungsrecht. 

Italien: Neuer Streit über Staatsbürgerschaft

Auch Deutschland folgte früher ausschließlich dem Abstammungsrecht. Ein Kind wurde mit Geburt deutsch, wenn mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit hatte. Seit dem 1. Januar 2000 erwerben unter bestimmten Voraussetzungen auch Kinder, die nicht deutscher Abstammung sind, die deutsche Staatsangehörigkeit. Für Ausländer, die dauerhaft in Deutschland leben, besteht in vielen Fällen die Möglichkeit, sich einbürgern zu lassen.

Eine Entscheidung mit gravierenden Folgen 

Sollte die Entscheidung des Supreme Court nun im Sinne Trumps ausfallen, wäre das nicht nur ein Bruch mit einer jahrhundertelangen Tradition. Kritiker warnen auch davor, dass viele Kinder künftig ohne gesicherten Status in den USA leben könnten. 

In Zusammenarbeit mit Forschern der Pennsylvania State University hat das Migration Policy Institute (MPI) herausgefunden, welche Folgen die Änderung des Geburtsrechts haben werde. Die US-Bevölkerung ohne Aufenthaltsgenehmigung werde sich bis 2050 deutlich erhöhen, und zwar um 4,7 Millionen Menschen. 

Stephanie Höppner Autorin und Redakteurin für Politik und Gesellschaft
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