Besuch der neuen Dauerausstellung des Bergbau-Museums in Bochum | Kunst | DW | 01.02.2019
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Strukturwandel im Ruhrgebiet

Besuch der neuen Dauerausstellung des Bergbau-Museums in Bochum

Schicht im Schacht? Von wegen. Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum präsentiert in seiner neuen Dauerausstellung alte und neue Exponate und wirft einen Blick in die Zukunft.

Fast drei Meter hoch ist der Wurzelstock aus Karbon, der die Besucher im Deutschen Bergbau-Museum Bochum empfängt. Das stolze Alter: 306 Millionen Jahre. "Der Schuppenbaum stammt aus unserer Sammlung und ist jetzt aufwändig restauriert worden", erklärt Museumsleiter Stefan Brüggerhoff zur Eröffnung der ersten beiden Rundgänge in der neuen Dauerausstellung. "Das ist gewissermaßen unsere 'Mona Lisa', mit der wir den Rundgang beginnen."

Frisch, jung und international will sich das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum präsentieren. Mitten im Ruhrgebiet, der einstigen Industriemetropole Deutschlands, geprägt von Kohle und Stahl. Das 1930 gegründete Museum hat nicht nur ein Schaubergwerk in einem begehbaren Stollen unter Tage, sondern auch eine umfangreiche Sammlung. Nach eigenen Angaben ist es mit 350 000 Objekten - vom Gesteinsrest über Gemälde bis hin zu Grubenmaschinen - die größte Bergbausammlung weltweit.

Museumsleiter Stefan Brüggerhoff und Bärbel Bergerhoff-Wodopia vor mannhohem Kohlebrocken im Eingangsbereich des Museums, Deutsches Bergbau-Museum Bochum (Foto: Helena Grebe)

Museumsleiter Stefan Brüggerhoff und Bärbel Bergerhoff-Wodopia vor einem 7,2 Tonnen schweren Kohlebrocken

Weniger Objekte, mehr Zusammenhänge

Natürlich ist in der Ausstellung nur ein Bruchteil dieser Sammlung zu sehen. Nach der zweijährigen Sanierung begegnen dem Besucher weniger Exponate als früher, dafür werden sie besser in Szene gesetzt und im Kontext gezeigt. Im ersten Themenrundgang geht es um die Geschichte des deutschen Steinkohlebergbaus. Der zweite Rundgang beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Mensch und Bergbau weltweit.

"Das Museum ist auf die Zukunft ausgerichtet, als Gedächtnis des Bergbaus weit über die nationalen Grenzen hinaus", sagt Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der Ruhrkohle AG-Stiftung. Die RAG war seit 1968 dafür zuständig, die Zechenschließungen und den Strukturwandel im Ruhrgebiet sozialverträglich zu gestalten. Sie hat auch den Museumsumbau finanziell unterstützt.

Kohletransport vom Mittelalter in die Neuzeit

Wie Kohle im Mittelalter abgetragen und transportiert wurde, zeigt eine Original-Lore aus Holz. Neben Werkzeugen und Transportbehältern veranschaulichen zahlreiche Modelle aus der Neuzeit die Entwicklung des Untertagebaus und den Abbau der Kohle. Große Tafeln beschreiben die verschiedenen Ebenen der Schächte und ihre Lage im Ruhrgebiet. Elegante Kuben aus Holz, in die Glasvitrinen mit kleineren Modellen und Schriftstücken eingelassen sind, verleihen den Räumen ein schlichtes modernes Design.

Gelber Walzenschrämlader mit großen gezackten Rädern, Bochum Bergbaumuseum Neueröffnung (Foto: DW/G. Reucher)

Walzenschrämlader zum Abbau der Steinkohle

"Hier zeigen wir auch die Schattenseiten des Bergbaus", sagt Bärbel Begerhoff-Wodopia. Wie das Thema Kohle und Krieg im Nationalsozialismus. Adolf Hitler nutzte die Kohle nicht nur für die Produktion von Waffen, sondern stellte aus den Abfallprodukten der Kokereien Kunststoffe her, in der Hoffnung Deutschland von anderer Nationen unabhängig zu machen.

Ein Geruch von Maschinenöl liegt in der Luft, wenn es über eine lange Rampe in einen tiefer gelegenen Raum hinuntergeht. Es ist die Maschinenhalle des Untertagebaus, mit Fräsen, die den Schacht ausbohren oder Walzenschrämladern, die mit ihren großen gezackten Rädern die Kohle von den Wänden schaben. Geräte, wie sie auch im Schaubergwerk benutzt werden. Dazu die Ausrüstung des Bergmannes, die abgetragenen Helme und die staubverschmierten Jacken.

Im Dezember wurde die letzte Steinkohlezeche Prosper-Haniel in Bottrop geschlossen. Ein besonderer Moment, erzählt Bärbel Bergerhoff-Wodopia. "Die Bilder vom 21. Dezember 2018, als das letzte Kohlestück an Bundespräsident Steinmeier übergeben wurde, waren sehr bewegend und diese Bilder werden irgendwann auch hier im Museum zu sehen sein." Das Buch, in das sich die geladenen Gäste eintragen konnten, soll schon bald in die Ausstellung kommen. Vorher wird geprüft, ob das Papier und die Schrift auch dem Klima im Museum standhalten.

Vitrine mit Retro Utensilien Hut und Tänzerin im Bergbaumuseum (Foto: DW/G. Reucher)

Kultur ist im Ruhrgebiet nicht erst seit dem Strukturwandel ein Thema

Menschen sollen im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung stehen. Das merkt man spätestens in einem Raum mit vielen Fotos, Alltagsgegenständen und medizinischen Messgeräten. An der Wand die Röntgenaufnahmen einer Staublunge. Die Arbeit im Bergbau war und ist immer noch lebensgefährlich. Dennoch haben viele Menschen im Ruhrgebiet vom Steinkohlebergbau gelebt. Als Ende der 1960er Jahre die ersten Zechen stillgelegt wurden, kam es zu zahlreichen Demonstrationen und Streiks. Die Spruchbänder von damals und viele Fotos der Demonstranten sind in der Ausstellung zu sehen.

Der Bergbau, Raubbau an der Natur

Um die Menschen im Bergbau geht es auch im zweiten Rundgang der neuen Dauerausstellung. Menschen, die in den Goldminen Lateinamerikas ausgebeutet werden oder in Bergwerken nach seltenen Erden graben und dabei mit hochgiftigen Stoffen in Berührung kommen.

Schon die Steine für die ersten Werkzeuge aus der Steinzeit wurden abgebaut. Später fand man Ton, Salz, Gold und Eisen. In diesem Bereich der Ausstellung haben Forscher der Archäometallogie mitgewirkt, denn seit den 1970er Jahren ist das Deutsche Bergbau-Museum auch ein Leibnitz-Forschungsmuseum für Georessourcen und unter anderem zuständig für Forschung im Bereich Archäometallogie und Montanarchäologie.

Imaginäre Landkarte auf der Kohle und sonstige Rohstoff-Vorkommen verzeichnet sind, Bochum Bergbaumuseum Neueröffnung (Foto: DW/G. Reucher)

Digitale Leinwand für die Vorkommnisse von Georessourcen. Wer ein Handy dabei, hat erfährt mehr

Bilder veranschaulichen, wie stark der Bergbau in die Natur eingreift. Am sichtbarsten beim Tagebau in den Braunkohlerevieren, aber auch in den schlammigen Goldminen Südamerikas. Und wenn die Bodenschätze auf dieser Welt ausgeschöpft sind, greifen Unternehmen bereits wortwörtlich nach den Sternen.

Zukunft des Bergbaus findet woanders statt

Der Asteroidenbergbau sucht nach Konzepten für den Abbau von Rohstoffen, von wertvollen seltenen Erden im Weltraum. "Luxemburg hat zum Bespiel eine Absichtserklärung abgegeben, einen solchen Abbau durchzuführen", sagt Timo Hauge, Kurator für den Bergbau nach der Industrialisierung. Das Ganze habe auch politische Gründe. "Man hofft, dass Kriege um Rohstoffe auf der Erde obsolet werden, wenn es genug davon im Weltall gibt."

Zwei weitere Rundgänge, die sich mit Georessourcen und mit Kunst rund um die Kohle beschäftigen, werden im Sommer eröffnet.

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