Beschneidung als Aids-Vorsorge in Ruanda | Afrika | DW | 01.12.2013
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Afrika

Beschneidung als Aids-Vorsorge in Ruanda

Am 1.12.2013 ist Weltaidstag. Im Kampf gegen HIV setzen afrikanische Länder auf eine neue Methode: die männliche Beschneidung. Bei beschnittenen Männern sei das Infektionsrisiko bis zu 60 Prozent niedriger, sagen Ärzte.

"Nein, es hat nicht weh getan", sagt Marc Karemangingo und wirkt dabei selbstbewusst und verlegen zugleich. Der 18-Jährige wurde gerade beschnitten. Mit einem chirurgischen Schnitt haben die Ärzte seine Vorhaut entfernt. Etwa 15 Minuten hat das gedauert. Jetzt steht Marc Karemangingo vor dem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Kigali, hinter ihm weist ein unscheinbares Schild den Weg zum "Center für männliche Beschneidung". Schmerzen nicht, aber Angst vor dem Eingriff habe er schon gehabt, sagt der junge Ruander. "Da waren so viele Männer. Aber der Arzt, der mich operiert hat, war sehr nett und hat sich mit mir unterhalten. Sie haben es sehr gut gemacht."

Weniger HIV-Infektionen

Marc Karemangingo nach seiner Beschneidung vor dem Krankenhaus in Kigali (Foto: DW/Jesko Johannsen)

Hat die OP hinter sich: Marc Karemangingo

Marc ist einer von 200.000 Männern in Ruanda, die bisher im Rahmen eines Regierungsprogramms beschnitten wurden - das sind wenige in Anbetracht der Zielmarke von zwei Millionen, die sich die Regierung bis Ende des Jahres gesetzt hatte. Gesteuert wird das Programm vom staatlichen Ruanda Biomedical Center.

Dr. Sabin Nsanzimana leitet hier die HIV/Aids-Abteilung. "Als wir das Programm begonnen haben, waren wir sehr ambitioniert", sagt er. Alle bisherigen Kampagnen hätten keine wirklichen Resultate gebracht. Vor allem weil sich etwa der Gebrauch von Kondomen nicht messen ließe, sagt Nsanzimana. Mit der Beschneidung von Männern habe sich das geändert. "Es ist einfach umzusetzen, billig, und man muss es nicht wiederholen."

Drei von 100 Ruandern sind mit HIV infiziert. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Infektionsrate bei weniger als 0,1 Prozent. In Botswana im Süden Afrikas dagegen bei 23 Prozent. Bei einem beschnittenen Mann sei das Risiko, sich mit dem HI-Virus zu infizieren, bis zu 60 Prozent niedriger, haben ostafrikanische Forscher herausgefunden. Damit ist der Eingriff aber noch lange kein Allheilmittel gegen Aids, denn Infektionen sind auch weiterhin möglich.

Krankenhaus in Kigali, Ruanda (Foto: DW/Jesko Johannsen)

In vielen Krankenhäusern Ruandas können Männer sich kostenlos beschneiden lassen

Internationale Organisationen wie UNAIDS und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) raten beim Kampf gegen HIV/Aids dennoch zur Beschneidung. "Es gibt keinen Zweifel über die Ergebnisse und sie werden regelmäßig überprüft", sagt Jules Mugabo, HIV-Experte der WHO in Ruanda. Auch in Uganda und Kenia setzt man auf die Methode. Wie genau die Ansteckungsrate gesenkt wird, konnte jedoch noch nicht abschließend geklärt werden. Wissenschaftler vermuten, dass die Beschneidung das Milieu der auf dem Penis lebenden Mikroben verändert. Das könnte Viren und Bakterien das Überleben schwerer machen.

Zu Beginn der Kampagne waren nur 13 Prozent der Männer in Ruanda beschnitten, die meisten von ihnen Moslems. Doch 90 Prozent der Ruander sind katholisch. "Es hat einige Zeit gedauert, die Menschen davon zu überzeugen, dass wir nicht über einen religiösen Hintergrund reden. Es geht um Schutz und Vorbeugung", sagt Dr. Sabin Nsanzimana.

Neue Beschneidungsmethoden

Dr. Leon Ngeruka hält Beschneidungsinstrument Prepex in der Hand (Foto: DW/Jesko Johannsen)

Alternative zur OP: "Prepex"

Inzwischen hat die Akzeptanz zugenommen. Im ganzen Land kommen Männer in die Gesundheitseinrichtungen. Allein im Militärkrankenhaus in Kigali lassen sich jeden Tag bis zu 25 Ruander beschneiden. Bald sollen es 1000 pro Woche sein. Möglich gemacht werden soll das durch eine neue Beschneidungsmethode, die ganz ohne Skalpell auskommt - und damit auch ohne schmerzliche Nebenwirkungen wie Blutergüsse: "Prepex" heißt das Hilfsmittel. Es besteht aus einem Plastikring und einem Gummiband, erklärt Dr. Leon Ngeruka, Arzt am Militärkrankenhaus in Kigali. "Der innere Ring wird über den Penis gesetzt und die Vorhaut darüber gezogen. Von außen wird dann das Gummi über beides gespannt, damit die Haut über dem harten inneren Ring zusammengedrückt wird". So wird der Blutfluss unterbrochen, die Vorhaut stirbt und fällt schließlich nach etwa einer Woche ab.

Kein Kondom-Ersatz

Auch vor ungewollten Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten schützt eine Beschneidung nicht. Sie dürfe daher nicht als "unsichtbares Kondom" missverstanden werden, mahnt Dr. Nsanzimana. "Die Männer kommen zu uns und fragen, ob sie nach der Beschneidung keine Kondome mehr benutzen müssen." Das sei eine neue Herausforderung. "Wenn man männliche Beschneidung als Freifahrtschein für sexuelle Aktivitäten sieht, funktioniert es nicht. Wenn man die Beschneidung als totalen Schutz ansieht, wird man öfter krank werden."

Vor und nach der Beschneidung bekommen die Männer deshalb Beratungen, was der Eingriff für ihre sexuelle Zukunft bedeutet. Marc Karemangingo will trotz Beschneidung weiter auf Verhütung setzen. "Junge Menschen wie ich sollten ohne HIV/Aids aufwachsen. Wir sollten also Kondome benutzen, um unser Leben zu schützen."

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