Bei Meningokokken ist Gefahr im Verzug | Wissen & Umwelt | DW | 21.11.2018
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Infektionskrankheiten

Bei Meningokokken ist Gefahr im Verzug

Meningokokken sind zwar relativ häufig, lösen aber nur selten eine schwere Erkrankung aus - eine Meningitis oder eine Sepsis. Das kann dann aber lebensgefährlich werden. Erkennen und schnelles Handeln sind angesagt.

Etwa jeder zehnte Erwachsene trägt die Bakterien in sich: Im Nasen- und Rachenraum. Solange das Immunsystem stark ist, und der Impfschutz aus der Kindheit wirkt, wird man auch nicht krank. Aber wehe dem, bei dem die Infektion ausbricht: Schädigungen des Gehirns, Hörverlust, Lernschwäche - das können Folgeerkrankungen einer Meningokokken-Infektion sein.

Durch die Infektion kann eine Hirnhautentzündung, auch als Meningitis bekannt, ausgelöst werden oder eine Sepsis, also eine Blutvergiftung. Dann müssen die Ärzte eventuell Gliedmaßen amputieren. Bei etwa jedem fünften Erkrankten treten derart schwerwiegende Folgen auf. Etwa zehn Prozent der Meningokokken-Infektionen enden sogar tödlich. 

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Nicht zu unterschätzen

Die ersten Symptome sind meist unspezifisch. Oft ähneln sie einer Grippe oder einem grippalen Infekt. Dann kommen hohes Fieber und Empfindlichkeit gegenüber Licht hinzu und Nackensteifigkeit. Es kann auch zu Einblutungen auf der Haut kommen. Diese fangen meist an den Beinen an. Auch für Mediziner ist es nicht einfach, eine solche Infektion zu diagnostizieren.

Meningokokken siedeln sich in unserem Rachen- und Nasenraum an. Die Inkubationszeit beträgt zwischen drei und vier Tagen, in Einzelfällen aber auch zwischen zwei und zehn Tagen. 

Schon durch Husten, Niesen oder Händeschütteln können sich die Meningokokken von einem infizierten Menschen durch Tröpfcheninfektion auf einen anderen übertragen. Selbst beim Küssen kann das passieren. Die Träger sind infektiös und können die Bakterien weitergeben, auch wenn sie selbst nicht erkrankt sind.

Verschiedene Arten

Meningokokken treten in verschiedenen Gruppen auf: A, B, C, W und Y. Diese fünf sogenannten Serogruppen sind die häufigsten Verursacher von Erkrankungen. Dabei ist die Serogruppe "B" mit 66 Prozent die am häufigsten diagnostizierte, gefolgt von der Gruppe "C" mit 19 Prozent. Dann folgen "Y" mit neun Prozent und "W" mit sechs Prozent.

Bei zwei Dritteln aller Fälle verläuft die Erkrankung als Meningitis, die in Deutschland meldepflichtig ist. Bei einem Drittel kommt es zu einer gefährlichen Blutvergiftung, einer Sepsis. Bei etwa zehn bis fünfzehn Prozent handelt es sich dabei um eine lebensgefährliche Form des septischen Schocks. Es kommt dabei unter anderem zu Einblutungen in die Nebennieren. 

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Ältere Frau mit Kind auf dem Arm (picture-alliance/Bildagentur-online/Begsteiger)

Babys und Kleinkinder sind besonders gefährdet, sich mit Meningokokken zu infizieren

Bevor es zu spät ist

In Deutschland gehört die Impfung gegen Meningokokken B zu den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standardimpfungen. Meningitis C und die noch selteneren Arten A, W und Y sind nicht in den Impfkatalog aufgenommen worden, und nur wenige Kinder sind dagegen geimpft.

Da es häufig Kinder erwischt, ist es wichtig, sie zu impfen und sie so vor einer möglichen Infektion und vor Folgeerkrankungen zu schützen. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet, sich mit Meningokokken anzustecken. Ihr Immunsystem ist noch nicht so robust wie das eines Erwachsenen. Eine Infektion kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. 

Etwa 300 Fälle von Meningokokken-Infektionen gibt es pro Jahr in Deutschland, die Erkrankung ist also relativ selten. Aber es ist wichtig, die Krankheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, denn im schlimmsten Fall und wenn sie nicht möglichst schnell behandelt wird, kann diese bakterielle Infektion tödlich enden. Dann kann selbst die Intensivmedizin nicht mehr helfen. Bei Verdacht auf Meningitis also sofort zum Arzt. 

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