Befristete Waffenruhe in Libyen | Aktuell Afrika | DW | 10.08.2019
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Nordafrika

Befristete Waffenruhe in Libyen

Seit April toben in Libyen heftige Kämpfe um die Hauptstadt Tripolis. Zum Opferfest, dem höchsten islamischen Feiertag, haben sich die Konfliktparteien nun auf eine mehrtägige Waffenruhe verständigt.

Auseinandersetzungen zwischen Haftars Streitkräften und der libyschen Regierung in Tripolis (Reuters/E. Al-Fetori)

Kämpfer auf einem Panzer der Rebellenmiliz LNA (Archivbild)

Der Waffenstillstand rund um die Hauptstadt Tripolis kam auf Vorschlag der Vereinten Nationen zustande. Sowohl die libysche Regierung als auch die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar gaben ihre Einwilligung für die "humanitäre Kampfpause". Anlass ist das viertägige Opferfest Eid al-Adha, das in Libyen und den meisten muslimischen Ländern am Sonntag beginnt.

General Haftar habe die Einstellung aller Militäreinsätze in den Vororten von Tripolis befohlen, sagte ein Sprecher seiner sogenannten Libyschen Nationalen Armee (LNA). Die Waffenruhe laufe von Samstagnachmittag bis Montagnachmittag. Auf jeglichen Verstoß werde die LNA "sofort und streng an allen Fronten" reagieren. Zuvor hatte bereits die libysche Regierung der Waffenruhe unter Bedingungen zugestimmt.

Libyen Feuerpause Fastenbrechen (Getty Images/AFP/M. Turkia)

Die Libyer bereiten sich mit vielen Süßigkeiten auf das Fastenbrechen vor dem Opferfest vor

Offensive gegen Tripolis

Haftars Truppen hatten im April eine Offensive zur Eroberung von Tripolis gestartet, in der die international anerkannte Regierung ihren Sitz hat. Regierungstreue Truppen und Einheiten Haftars liefern sich seither erbitterte Kämpfe um die Kontrolle der Hauptstadt. Nach UN-Angaben wurden bisher mehr als 1000 Menschen getötet. Haftar unterstützt eine Gegenregierung im Osten des Krisenstaates.

In Bengasi, einer Hochburg Haftars, wurden am Samstag zwei UN-Mitarbeiter getötet, als eine Autobombe beim Vorbeifahren ihres Konvois explodierte. Aus ärztlichen und aus Sicherheitskreisen verlautetet, eines der Opfer stamme aus Libyen, die Nationalität des zweiten ausländischen Todesopfers sei unklar. Mindestens acht Menschen wurden nach Angaben eines UN-Vertreters bei dem Anschlag verletzt. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Libiyen Anschlag in Bengasi (Reuters/Str)

Das Wrack des UN-Fahrzeugs zeigt, wie stark die Bombenexplosion in Bengasi war

Scharfe Kritik von Mogherini

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini verurteilte den Angriff als "verachtenswert und weiteres besorgniserregendes Zeichen für die Entwicklung in Libyen". Vergangenes Jahr waren bei einem Doppelanschlag nahe einer Moschee in Bengasi 33 Menschen getötet worden.

In dem nordafrikanischen Land herrschen seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 chaotische Verhältnisse. Zahlreiche Milizen kämpfen um die Vorherrschaft. Die international anerkannte Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.

kle/nob (afp, dpa)

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