Beethoven-Marathon in der ″BTHVN-Woche″ | Musik | DW | 03.02.2020
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Beethoven 2020

Beethoven-Marathon in der "BTHVN-Woche"

Braucht der meist aufgeführte Klassik-Komponist der Welt ein weiteres Festival? Ist dabei ein origineller Ansatz möglich? Die Antwort lautet ja, ist man sich beim Kammermusik-Marathon sicher.

Die meisten Menschen kennen Beethovens Sinfonien, allen voran die Fünfte und die Neunte, aber sein kammermusikalisches Werk ist genauso bedeutend - sogar viel komplexer, sagen Musikexperten. 

Entdecken kann man es im Zentrum des Beethoven-Universums: im kleinen, eleganten Amphitheater, nur wenige Meter von dem Zimmer entfernt, in dem der Komponist geboren wurde, und direkt über dem Archiv, in dem seine wichtigsten Originalpartituren aufbewahrt werden. Jedes der 16 Konzerte der BTHVN Woche ist ausverkauft. Und weil man 2020 den 250. Geburtstag des großen Komponisten feiert, dauert das alljährliche Kammermusikfest diesmal nicht eine, sondern drei Wochen - vom 17. Januar bis zum 9. Februar.

Beethoven-Haus - Hermann J. Abs Kammermusiksaal (Beethoven-Haus/David Ertl
)

Der Kammermusiksaal im Beethoven-Haus

Für die künstlerische Leiterin der BTHVN Woche, Tabea Zimmermann, ist der Beethoven-Marathon "reiner Luxus". "Man kann so etwas aus rein geschäftlichen Überlegungen nie leisten", sagt die deutsche Bratschistin und diesjährige Gewinnerin des Ernst von Siemens Musikpreises – der gern als Nobelpreis der Musik beschrieben wird. Für die Konzerte im Kammermusiksaal des Bonner Beethoven-Hauses mit seinen nur 199 Sitzen konnte sie Musiker der Weltspitze gewinnen. 

Beethoven von A bis Z

Das Programm hat einen enzyklopädischen Charakter: Darauf stehen sämtliche kammermusikalische Werke Ludwig van Beethovens von A bis Z. Dabei sorgt der Programm-Mix dafür, dass es nicht eintönig wird. An jedem Abend hört man mehr als ein Ensemble und Werke für zwei bis neun Instrumente aus verschiedenen Schaffensperioden. Ausgeklammert sind Lieder und Solo-Klavierwerke sowie einige marginale Frühwerke. 

"Es ist ein tollkühnes und revolutionäres Konzept, das perfekt zu Beethoven passt", sagt der australische Pianist Kristian Bezuidenhout. "Mit seiner Kammermusik im Fokus erlebt man die massiven Sprünge, die er in diesem Fach machte. Viele Kammermusik-Festivals programmieren Beethoven-Musik, es sind aber immer unweigerlich die größten Hits - und ohne das Spitzenpersonal, das Tabea Zimmermann für dieses Fest ausgesucht hat."

Johanna Staemmler, Geigerin im Berliner Armida Quartett, erkennt in einigen Werken Beethovens Sinn für Humor. Er spiele mit den Erwartungen des Hörers und bringe dann eine unerwartete Wendung. "Die musikalischen Witze sind noch frisch", so Staemmler. "Es ist eine vollkommen andere Seite und hat wenig mit dem Beethoven-Klischee des grimmig dreinblickenden, kämpferischen, harschen Komponisten gemein."

Beethoven pur und eine Uraufführung

"Wir haben fast vier Jahre Vorlaufzeit gebraucht. In einer normalen Situation hätten wir das nie geschafft", erklärt Tabea Zimmermann das ausgeklügelte Konzertprogramm. Zu den angereisten Musikern gehören u.a. die deutsche Geigerin Isabelle Faust, die russische Geigerin Alina Ibragimova, der französische Cellist Jean-Guihen Queyras und diverse Streichquartette. Der finnische Pianist und Komponist Olli Mustonen tritt im Abschlusskonzert auf und spielt mit dem Meta4-Quartett und weiteren Musikern das einzige Werk auf dem Programm, das nicht von Beethoven stammt: sein eigenes, eine Uraufführung.

Audio anhören 01:25

Kristian Bezuidenhout und Anna Katharina Schreiber spielen aus Beethovens Sonate c-Moll Op. 30 Nr. 2

"Soweit wir wissen, gab es das noch nie: sämtliche Kammermusik Beethovens mit wechselnden Genres pro Konzert", so Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses und Vorsitzender der BTHVN-Jubiläumsgesellschaft. "Es war nicht leicht, die Künstler zu bewegen, genau diese Programme aufzuführen. Das ist nur in einem Jubiläumsjahr möglich."

Beethoven ganz nah 

Für die vielen Veranstaltungen im 250. Geburtsjahr Ludwig van Beethovens sind öffentliche Gelder geflossen, schließlich hat das deutsche Parlament den Komponisten zur "nationalen Aufgabe" erklärt. Eine Pflichtübung? Keineswegs: "Wir sind überrascht und überwältigt vom gewaltigen Interesse", sagt Malte Boecker.

Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses (Beethoven-Haus/David Ertl)

Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses

"Wir haben ein Jahr vor dem Geburtstag begonnen, und in den vergangenen sechs Wochen sind Themen rund um Beethoven in den Medien allgegenwärtig. Anhand von vielen Beispielen erkennen wir, dass seine Musik für unsere Gesellschaft relevant ist."

Für die Künstler der BTHVN Woche bietet der Standort eine ganz besondere Gelegenheit: "Wir konnten seine laufende Arbeit beobachten, indem wir seine Notizen und Skizzenbücher gesichtet haben", freut sich Johanna Staemmler. "Hier im Beethoven-Haus-Archiv konnten wir das Papier sehen, das er einst angefasst hat. Für uns war das eine Art heiliger Moment."

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