Bayern oder BVB - darauf kommt es im Meisterschaftsfinale an | Sport | DW | 03.05.2019
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Titelkampf in der Bundesliga

Bayern oder BVB - darauf kommt es im Meisterschaftsfinale an

Dortmund liegt drei Spiele vor Schluss mit zwei Punkten Rückstand hinter Rekordmeister Bayern auf Rang zwei der Tabelle - ist der Meisterkampf entschieden? Mitnichten! Das Bundesliga-Finale verspricht Spannung.

"Der Titel ist gespielt, das ist klar für mich", erklärte der um Fassung ringende BVB-Trainer Lucien Favre nach der 2:4-Derbypleite gegen Schalke 04 . Aus Favre sprachen Enttäuschung und Unmut über Schiedsrichter Felix Zwayer und dessen Entscheidungen beim Handelfmeter für Schalke, der den 1:1-Ausgleich gebracht hatte, und die beiden Roten Karten für seine Schützlinge Marco Reus und Marius Wolf im Duell gegen den Erzrivalen aus Gelsenkirchen. 

Bayern lässt Steilvorlage ungenutzt

Mitnichten sprach an diesem Samstag-Nachmittag so etwas wie Zuversicht aus dem Schweizer Trainer. Doch dürfte Favre in diesem Moment auch nicht damit gerechnet haben, das sich am darauffolgenden Sonntag in Nürnberg etwas zutragen sollte, das die Hoffnungen auf den ersten Meistertitel seit 2012 nocheinmal aufkeimen lassen würde. Denn die Dortmunder Steilvorlage im Titelrennen konnte Rekordmeister Bayern München im Duell beim Abstiegskandidaten 1. FC Nürnberg nicht in einen komfortablen Vorsprung ummünzen. Im Gegenteil: Die Bayern hatten beim 1:1 in Nürnberg noch Glück, nicht als Verlierer vom Platz zu gehen, weil Tim Leibold in der Nachspielzeit einen Elfmeter und damit die Chance auf das Nürnberger Siegtor vergab. Und so klingt auch Favre vor dem 32. Spieltag plötzlich wieder optimistisch: "Alle haben gedacht, es ist vorbei, nicht nur ich. Jetzt ist wieder alles möglich." Die Lehre dieses denkwürdigen 31. Spieltags lautet also: Der Titelkampf ist noch nicht entschieden. Doch worauf kommt es im Endspurt nun an? 

1. Bayern nicht sattelfest, Dortmund ohne Druck 

Fakt ist: Borussia Dortmund möchte gerne Meister werden, muss es aber nicht. Ganz im Gegensatz zum Rekordmeister, bei dem der Meistertitel Pflichtaufgabe ist. Und nicht nur das Spiel in Nürnberg hat gezeigt: Der FC Bayern ist im Saisonendspurt nicht so sattelfest, wie aus den letzten Jahren gewohnt. Sich in einer solchen Situation bei einem Abstiegskandidaten am Rande der Niederlage zu bewegen, das wäre dem Serienmeister in den letzten Jahren wohl nicht passiert.

Auch beim Aus in der Champions League gegen Liverpool zeigte sich: Der FC Bayern im Frühjahr 2019 ist vom absoluten Spitzenniveau ein Stück weit entfernt. Gegen Liverpool chancenlos, im Meisterrennen mit ungewohnten Schwächen: Die fehlende Souveränität bei den Auftritten seines Teams werden naturgemäß auch dem Trainer angekreidet. 

2. Kovac umstritten, Symbolbild James 

Dieser heißt Niko Kovac und steht am Ende seines ersten Jahres in München keineswegs unumstritten da. Zwar besteht mit der Tabellenführung und dem Einzug ins Pokalfinale weiter die Chance auf das nationale Double, doch ganz im Gegensatz zu den Vorjahren scheint man sich dessen in München nicht so sicher zu sein, wie es das Selbstverständnis eigentlich vorgibt. 

Fußball Bundesliga 1 FC Nürnberg vs Bayern München Auswechslung James Rodriguez (Imago Images/J. Huebner)

Letzter Abgang für James? Der Bayern-Profi wird in Nürnberg 15 Minuten nach der Einwechslung wieder ausgewechselt

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ("Beim FC Bayern hat niemand eine Jobgarantie") lässt vor den entscheidenden Saisonspielen Zweifel an Kovac durchblicken - und in der Tat muss man dem Trainer einige Baustellen attestieren: Internationale Chancenlosigkeit und fehlende Entwicklungsschritte beim Team. Mit Ausnahme von Saisonüberraschung Serge Gnabry sind die meisten Bayern-Spieler in dieser Saison unter ihren Möglichkeiten geblieben oder haben zumindest keine deutliche Entwicklung genommen.

Am besten sichtbar wird das am Beispiel James Rodriguez. Der Kolumbianer ließ schon früh in der Saison Differenzen mit Kovac erahnen und wird den Rekordmeister nach der Saison verlassen. Ob als Double-Sieger oder nicht - am Beispiel James wird deutlich: Kovac hat das Potenzial seines Starensembles im Bereich der Pflichterfüllung abgerufen - mehr aber auch nicht. Dass die Bayern in den letzten drei Spielen Nerven zeigen, scheint nicht ausgeschlossen. Und auch im DFB-Pokalfinale wartet mit RB Leipzig ein Gegner, dem man zutraut, dass er dem Rekordpokalsieger den Titel in dieser Saison streitig machen kann. 

3. Leipzig kann zum Bayern-Horror werden

Und genau dieses Team könnte auch im Meisterschaftskampf zum Zünglein an der Waage werden. Leipzig ist eines der formstärksten Teams der Liga und steht dem FC Bayern nicht nur im Pokal im Weg, sondern auch in der Liga. Da liegt das Team von Ralf Rangnick auf Champions-League-Kurs, hat also keinerlei Grund, gegen den FC Bayern einen Gang runter zu schalten.

Im Gegenteil: Leipzig will den Titelkampf nicht nur beeinflussen, sondern auch noch selbst eingreifen. "Wir können noch neun Punkte holen und wir wollen noch neun Punkte holen. Es ist zwar im Moment relativ unwahrscheinlich, aber auch nicht völlig unmöglich", verkündete Rangnick, der obendrein als Intimfeind von Uli Hoeneß gilt und insofern ein großes Interesse an der Verhinderung beider Titel für den FC Bayern haben dürfte, zuletzt selbstbewusst. Die Bayern haben alles in der eigenen Hand, haben aber mit Leipzig gleich zweimal ein bärenstarkes Team vor sich, das ihnen zum Albtraum werden könnte. 

4. Meisterfaktor Götze?

Beim FC Bayern erlebte Weltmeister Mario Götze eine Leidenszeit, nach seiner Rückkehr zum BVB setzte sich diese zunächst auch dort fort. Doch das ist Geschichte. In der Rückrunde ist Götze eine der Säulen im Dortmunder Offensivspiel und erinnert wieder an das junge Talent, das einst das ganze Land verzückte.

Mit Marco Reus (Rote Karte gegen Schalke) fehlt dem BVB in zwei der letzten drei Spiele der Kapitän und Offensivleader. Götze könnte diese Rolle ausfüllen und so zum Dortmunder Anführer im Endspurt werden. Seine Form lässt das möglich erscheinen und seine Motivation, es als entscheidende Figur mit dem Titelgewinn sowohl den Kritikern in Dortmund, als auch dem Ex-Verein zu zeigen, könnte größer kaum sein. Mario Götze kann nach seinem Tor im WM-Finale 2014 endlich wieder ganz Großes schaffen. Dafür muss er mit dem BVB die restlichen drei Spiele zwingend gewinnen.

5. Das Restprogramm

Diese drei Siege muss der BVB gegen Bremen (A), Düsseldorf (H) und Gladbach (A) einfahren. Zuletzt schwache Bremer, unangenehme Düsseldorfer vor heimischem Publikum und eine Gladbacher Borussia, die in der Rückrunde meilenweit von ihrer Glanzform der Hinserie entfernt ist - alles in allem erscheinen drei Dortmunder Siege in den noch ausstehenden Spielen durchaus realistisch. Vorausgesetzt, der BVB steigert nach schwächeren Wochen und der Derby-Schmach gegen Schalke die eigene Leistung noch einmal deutlich. 

Der FC Bayern hat alleine aufgrund des Spiels in Leipzig (33. Spieltag) das wohl schwerere Restprogramm zu absolvieren. Mit Hannover kommt aber zunächst ein Gegner nach München, der keine Hürde sein dürfte. Am letzten Spieltag steht dem Rekordmeister zu Hause mit Eintracht Frankfurt zwar noch einmal ein unberechenbarer Gegner gegenüber, doch auch hier ist ein Sieg der Münchener wahrscheinlich. Es kommt also wohl auf den Showdown gegen Leipzig an. 

Das Restprogramm spricht also vermeintlich leicht für den BVB. Für den FC Bayern sprechen allerdings der Vorsprung von zwei Punkten und die Tatsache, dass gegen Leipzig aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem BVB wohl auch ein Punkt (Siege gegen Hannover und Frankfurt, sowie drei Dortmunder Erfolge vorausgesetzt) reichen würde, um die 29. Deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach zu bringen.

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