Audi-Chef Stadler wird beurlaubt | Wirtschaft | DW | 19.06.2018
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Abgasskandal

Audi-Chef Stadler wird beurlaubt

Nach langwierigen Diskussionen hat der Aufsichtsrat der VW-Tochter Audi entschieden: Der in U-Haft sitzende Rupert Stadler wird beurlaubt, Bram Schot wird Interimschef.

Einen Tag nach seiner Verhaftung ist Audi-Chef Rupert Stadler vom Aufsichtsrat beurlaubt worden. Die Kontrolleure der Ingolstädter VW-Tochter bestellten Vertriebsvorstand Abraham (Bram) Schot zum Interimschef, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dem Beschluss waren stundenlange Diskussionen der Aufsichtsräte von VW und Audi am Montag vorausgegangen. Stadler gehört als Audi-Vorstandschef auch dem VW-Konzernvorstand an. Er sitzt seit Montag in Augsburg in Untersuchungshaft und kann seine Aufgaben zumindest vorerst nicht mehr erfüllen. 

Abraham Schot, Interims-Chef von Audi (AUDI AG)

Abraham Schot, Interims-Chef von Audi

Stadler habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn von seinen Aufgaben im Vorstand der Audi AG und im Vorstand der Volkswagen AG vorübergehend zu entbinden, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Die Aufsichtsräte von Volkswagen und Audi hätten der Bitte von Stadler entsprochen. Die Entbindung werde vorübergehend vorgenommen, "bis der Sachverhalt geklärt ist, der zu seiner Verhaftung geführt hat". 

Der gebürtige Niederländer Schot, der erst im September 2017 zu Audi kam, soll vorübergehend einspringen. Stadler war am Montag im Dieselskandal festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Schot, der im Juli 57 Jahre alt wird, war vor seiner Tätigkeit in Ingolstadt Vertriebschef der VW-Nutzfahrzeugsparte. 2011 war der Manager von Mercedes-Benz Italia in den VW-Konzern gewechselt. Dass Schot langfristig Audi-Chef bleibt, erwarten Unternehmenskenner nicht.

Stadlers Vernehmung am Mitttwoch?

Wie lange die Interimsphase dauert, ist ebenso offen wie die Frage, wie lange Stadler im Gefängnis bleiben muss. Der bisherige Audi-Chef soll laut Staatsanwaltschaft München spätestens am Mittwoch vernommen werden und will aussagen.

Stadler, der die Marke mit den vier Ringen seit 2007 lenkt, wurde auch intern eine schleppende Aufarbeitung des Skandals vorgehalten, obwohl Audi als Keimzelle für den Abgasbetrug im VW-Konzern gilt. Der Manager hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Am Montagmorgen war der 55-Jährige überraschend wegen des Verdachts auf Betrug und Verdunkelungsgefahr festgenommen worden. Die Ermittler hatten bei den Durchsuchungen vor einer Woche nach eigenen Angaben Hinweise gefunden, dass Stadler möglicherweise auf Beweismittel, andere Beschuldigte oder Zeugen Einfluss nehmen könnte.

hb/iw (rtr/dpa)