Auch viele junge Geimpfte müssen ins Krankenhaus | Wissen & Umwelt | DW | 13.11.2021
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Corona-Pandemie

Auch viele junge Geimpfte müssen ins Krankenhaus

Trügerische Sicherheit:: Nach Impfdurchbrüchen müssen immer mehr Geimpfte ins Krankenhaus - auch Jüngere. Und es gibt deutliche Zahlen, wer die 18 Millionen Ungeimpften in Deutschland sind.

Eine Medizinerin betreut einen beatmungspflichtigen Patienten auf der Intensivstation in einer Klinik

Häufig verlaufen Corona-Infektionen schwerer als angenommen - auch bei Jüngeren.

Bleibt vorsichtig! Erschreckend viele Geimpfte glauben nach wie vor, dass sie durch die Impfung total sicher sind und verhalten sich entsprechend unvorsichtig.

Impfungen schützen zwar gut vor Corona-Infektionen, aber trotzdem stecken sich immer mehr Geimpfte an, es kommt zu Impfdurchbrüchen. Und erschreckend häufig verlaufen ihre Infektionen schwerer und langwieriger, als sie angenommen haben - auch bei Jüngeren. 

Laut Robert Koch-Institut waren in der ersten Novemberwoche (Datenstand 10.11.2021) rund 23 Prozent der hospitalisierten Erwachsenen unter 60 Jahren (U60) und 45 Prozent der Patienten ab 60 Jahren (Ü60) geimpft. Im sommerlichen August lagen diese Werte noch bei 6 Prozent bei den U60 und 18 Prozent bei den Ü60.

18 Prozent der verstorbene U60-Patienten waren geimpft. Bei den Ü60 sind es 42 Prozent. 

Impfungen trotzdem effektiv 

Zwar steigt der Anteil der Geimpften in den Krankenhäusern seit dem Sommer rasant an, aber das bedeutet nicht, dass die Corona-Impfungen generell wirkungslos wären. Das RKI schätzt die Impfeffektivität für alle Menschen ab 18 Jahren bei ca. 72 Prozent.

Nach wie vor machen Geimpfte einen deutlich kleineren Anteil in den Krankenhäusern aus. Wenn die Impfquote noch niedriger wäre, dann stünde das Gesundheitssystem in Deutschland jetzt vor dem Kollaps.

Es wird eine zentrale Herausforderung in diesem Spätherbst bleiben, die noch nicht Geimpften z.B. durch niedrigschwellige Impfangebote in Supermärkten oder Betrieben doch noch zu überzeugen und die Booster-Impfungen schnell und breit anzubieten - nicht nur für die Ältesten und für Beschäftigte in Pflegeberufen. 

Menschen stehen Schlange vor einem Impfbus in Stuttgart

Wenn die Menschen nicht zum Impfen kommen, muss der Impfbus zu den Menschen kommen

Wer sind die rund 18 Millionen Ungeimpften in Deutschland?

Bislang wurden laut RKI insgesamt 113.672.633 COVID-19-Impfungen in Deutschland verabreicht. Damit sind 58.043.550 Menschen (69,8 Prozent der Bevölkerung) mindestens einmal geimpft und 55.925.630 Menschen (67,3 Prozent) sind vollständig geimpft. Darüber hinaus erhielten bisher 3.037.757 Menschen (3,7 Prozent) eine Auffrischimpfung.

Neben den ca. 9,2 Mio. Kindern unter 12 Jahren, für die es noch keine zugelassene Impfung gibt, bleiben immer noch rund 18 Mio. Menschen in Deutschland, die sich noch nicht haben impfen lassen, obwohl sie es könnten. Es gibt inzwischen einige Studien, die eine Vorstellung davon geben, wer sich nicht impfen lassen will.

Laut einer Forsa-Studie sind derzeit 64 Prozent der Ungeimpften Impfverweigerer, 29 Prozent zögern noch und sieben Prozent sind grundsätzlich impfbereit.

Alter, Herkunft und Einkommen entscheidend

Oftmals lassen sich Jüngere nicht impfen. Inzwischen sind in der größten Bevölkerungsgruppe der 18- bis 59-Jährigen noch 12 Mio. Menschen ungeimpft, das entspricht 22 Prozent. In der Altersgruppe darüber sind mittlerweile rund 85,5 Prozent geimpft.

In Deutschland gibt es einen sehr deutlichen Unterschied zwischen Ost und West: Ostdeutsche sind weniger impfbereit und haben weniger Vertrauen in die Sicherheit der Impfung. Während im norddeutschen Stadtstaat Bremen z.B. 81,5  Prozent geimpft sind, liegt der Wert im ostdeutschen Sachsen bei 59,4 Prozent.

Ein Demonstrant trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift (sinngemäß): Ich bin weder getestet noch geimpft noch genesen aber gesund!

Forsa: 64 Prozent der Ungeimpften sind Verweigerer, 29 Prozent zögern noch. Sieben Prozent sind grundsätzlich impfbereit.

Zudem sind Menschen mit Migrationshintergrund häufiger ungeimpft. Laut Forsa-Studie würde diese Personengruppe durch die Impfkampagnen schlechter erreicht, für sie gebe es kein ausreichend verständliches Infomaterial.

Auch hinsichtlich des Einkommen gibt es klare Unterschiede. Laut einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik in 27 europäischen Ländern und Israel wollen sich 30 Prozent der Geringverdiener über 50 Jahren nicht impfen lassen oder zögern, wohingegen es bei den Besserverdienenden nur 7,8 Prozent sind. Und 28,5 Prozent der befragten Arbeitslosen in Europa lehnen eine Impfung ab.

Zwei Drittel der Ungeimpften wählten rechte Parteien

Auch die politische Gesinnung spiegelt sich teilweise im Impfverhalten wieder: Laut der Umfrage des Forsa-Instituts hätten 50 Prozent der ungeimpften Wählerinnen und Wähler bei der letzten Bundestagswahl für die AfD gestimmt, das wäre fast fünfmal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung, denn die AfD erhielt 10,1 Prozent der gesamten Stimmen.

Zudem stimmten 15 Prozent der befragten Impfskeptiker für die in der Pandemie gegründete Partei "Die Basis", die der Querdenker-Bewegung nahe steht.

Beschmiertes Wahlplakat von Bündnis 90/Die Grünen

Neben CDU/CSU und SPD sind vor allem die Grünen bei Ungeimpften unbeliebt

Sehr unbeliebt sind bei den Ungeimpften dagegen CDU/CSU, SPD und vor allem die Grünen, die FDP kommt bei den Ungeimpften auf 10 Prozent. 

Auftraggeber der Forsa-Studie war das Bundes­gesund­heits­ministerium, das die Ergebnisse bereits vor mehreren Wochen veröffentlicht hatte. 

Allerdings ließ das Ministerium dabei die Parteienpräferenzen der Ungeimpften aus, denn diese wären nicht Teil des Auftrags gewesen. Forsa hatte diesen Aspekt eigenständig in die Befragung mit aufgenommen. Befragt hat Forsa für die Analyse 3048 Personen zwischen Ende September und Mitte Oktober 2021. 

Der Artikel wurde zuletzt am 26.11.2011 bearbeitet.