Auch Frankreich macht Druck auf Saudi-Arabien | Aktuell Nahost | DW | 12.10.2018
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Diplomatie

Auch Frankreich macht Druck auf Saudi-Arabien

Nach dem Verschwinden des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi verlangt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Erklärung von Saudi-Arabien. Derweil reiste eine Delegation aus Riad in die Türkei.

Luxemburg Präsident Emmanuel Macron (Imago/Belga/E. Lalmand)

Emmanuel Macron erwartet, dass völlige Klarheit hergestellt wird

In einer Mitteilung forderte das Pariser Außenministerium, die saudischen Behörden müssten Transparenz zeigen und auf Vorwürfe umfassend antworten. Staatschef Emmanuel Macron führte in der armenischen Hauptstadt Eriwan aus: "Ich erwarte, dass die Wahrheit ermittelt und völlige Klarheit hergestellt wird." Er werde Position beziehen, wenn die Fakten klar seien und den Fall mit den Regierungen in Ankara und Riad besprechen. Zuvor hatten unter anderem die USA und Deutschland Aufklärung von Riad gefordert.

Macron sprach im Sender France 24 auch von "schwerwiegenden, sehr schwerwiegenden Tatsachen". Mit dem saudischen Kronprinzen Mohamed bin Salman habe er bisher nicht gesprochen. Frankreich sei mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten über eine "Partnerschaft des Vertrauens" verbunden, erläuterte Macron, der in Eriwan an einem Gipfeltreffen der frankophonen Länder teilgenommen hatte. Saudi-Arabien und Frankreich unterhalten enge diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen.

Verschwinden des prominenten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi (picture-alliance/AA/O. Coban)

Aktivisten in Istanbul warten auf Informationen über den Verbleib von Jamal Kashoggi

Khashoggi wird seit einem Besuch des saudischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober vermisst und soll Medienberichten zufolge dort ermordet worden sein. Saudi-Arabien wies die Vorwürfe wiederholt zurück. Bei den Berichten über einen angeblichen Auftragsmord handele es sich um "falsche Anschuldigungen", heißt es der jüngsten Stellungnahme des Innenministeriums. Über die Medien verbreitete "Lügen" darüber seien vollkommen haltlos. Unbestritten ist allerdings, dass Khashoggi an dem Tag das Konsulat betreten hat, um Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen.

Saudische Delegation in Ankara

Derweil trafen saudische Abgesandte in der türkischen Hauptstadt  Ankara ein. Sie stehen mit den Ermittlungen in dem Fall in Verbindung, wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet. Präsidentensprecher Ibrahim Kalin hatte am Donnerstag angekündigt, dass die Türkei und Saudi-Arabien auf Bitten Riads gemeinsam ermitteln würden. Saudi-Arabien bestätigte derweil, dass ein gemeinsames Team gebildet wurde. Es soll "die Umstände des Verschwindens" von Jamal Khashoggi in Istanbul aufdecken, wie die staatliche saudische Presseagentur berichtet. Das Königreich "hat volles Vertrauen in die Fähigkeit des Teams", heißt es bei SPA weiter.

Istanbul Saudischer Journalist Khashoggi betritt Konsulat von Saudi-Arabien (Reuters TV)

Das Bild der Überwachungskamera zeigt Kashoggi beim Betreten des Konsulats

Türkei soll Aufnahmen von der Ermordung haben

Zuletzt hatte ein Bericht der "Washington Post" den Verdacht gegen die saudische Staatsführung genährt. Laut dem Bericht sollen türkische Behörden Ton- und Videoaufnahmen haben, die belegen, dass Khashoggi zuerst verhört, dann gefoltert und schließlich getötet wurde.

Das Blatt, für das der 59-Jährige in der Vergangenheit selbst geschrieben hatte, beruft sich dabei auf Informationen von türkischen und amerikanischen Beamten. Die Existenz der Bänder dürfte allerdings auch die Türkei in Erklärungsnot bringen. Von offiziellen Stellen in Ankara gab es zu dem Bericht bislang keine Reaktion.

US-Präsident Donald Trump will mit dem saudischen König Salman über den Fall Khashoggi sprechen. Er habe ihn bislang noch nicht angerufen, werde das aber bald tun, sagte er am Freitag.

uh/ml (dpa, rtr, afp)

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