Auch Brasilien stolpert in die WM | Sport | DW | 17.06.2018
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4. WM-Tag

Auch Brasilien stolpert in die WM

Titelanwärter Brasilien ist gegen die Schweiz nur sehr mühsam in die WM gestartet. Serbien kämpft sich dagegen zum Sieg. Und die deutsche Mannschaft muss richtig leiden. Alle Spiele des Tages in der Zusammenfassung.

Fußball WM 2018 Gruppe E Brasilien - Schweiz Neymar (Reuters/D. Sagolj)

Ein konsternierter Brasilianer Neymar

Brasilien - Schweiz 1:1 (1:0)

Der Superstar schimpfte, haderte und war am Ende sichtlich bedient: Neymar und Rekordweltmeister Brasilien sind bei der WM in Russland als nächster Favorit im Auftaktspiel überraschend gestolpert. Nach dem Unentschieden der Argentinier gegen Island und der Niederlage von Titelverteidiger Deutschland stellte der Außenseiter Schweiz der Selecao ein Bein. Das 1:1 (1:0) war für die Eidgenossen schmeichelhaft, für den Titelanwärter ein unerwarteter Dämpfer. "Ein guter Tag", twitterte Tennisstar Roger Federer.

Dabei hatten die Brasilianer das Spiel in Rostow am Don im ersten Durchgang beinahe nach Belieben bestimmt, hielten die Schweizer in den ersten 30 Minuten teilweise zum Narren. Philippe Coutinho vom FC Barcelona (19.) traf mit einem Kunstschuss zur hochverdienten Führung. Dass Brasilien dennoch zum ersten Mal seit 1978 ein WM-Auftaktspiel nicht gewann, lag am Treffer des Hoffenheimers Steven Zuber (50.) - und an Neymar, der sich von den Attacken seiner Gegner den Spaß rauben ließ.

"Wir wissen, dass Auftaktspiele immer schwierig sind. Wir müssen uns jetzt auf die beiden kommenden Spiele konzentrieren. Mein Tor war ein ganz besonderes Erlebnis, aber wir müssen als Mannschaft gewinnen", sagte Coutinho. "Das Remis wirft uns nicht aus der Bahn, schließlich gab es große Nationen, die schon verloren haben", ergänzte sein Mitspieler Miranda. Zuber belohnte die Schweiz vor 43.109 Zuschauern für eine engagierte Leistung und sicherte einen Punkt, der in der Gruppe E noch äußerst wertvoll werden kann.

Deutschland - Mexiko 0:1 (0:1)

Das Projekt Titelverteidigung ist nach einem krachenden Fehlstart der deutschen Fußball-Weltmeister gegen aggressive Mexikaner schon in Gefahr. Die Nationalmannschaft ließ am Sonntag beim 0:1 (0:1) im Moskauer Finalstadion alle Titel-Qualitäten vermissen und kassierte die erste Turnier-Auftaktniederlage in der Ära von Joachim Löw. Offensiv fehlte ein Konzept, defensiv herrschte Notstand. Tempofußball spielte nur der Gegner, der durch den starken Linksaußen Hirving Lozano (35. Minute) vor rund 78.000 Zuschauern im Luschniki-Stadion den Weltmeister mit seinem Siegtor vor den weiteren Partien gegen Schweden und Südkorea in Not brachte.

Bundestrainer Löw ergriff mit der Einwechslung von Marco Reus für Sami Khedira nach einer Stunde notgedrungen ein taktisches Gegenmittel. Offensives Risiko war notwendig, nachdem zuvor Stabilität und Ordnung gefehlt hatten. Doch die Wende blieb aus. Ein Freistoß von Toni Kroos (39.), den Mexikos Torwart Guillermo Ochoa mit den Fingern an die Latte lenken konnte, schon in der ersten Halbzeit und mehr Druck in der Schlussphase waren einfach viel zu wenig. Mexiko siegte verdient und deckte die Mängel im deutschen Spiel schonungslos auf. Letztmals verlor Deutschland vor 36 Jahren zum WM-Auftakt, damals 1:2 gegen Algerien.

Fußball WM 2018 Gruppe F Deutschland - Mexiko (Reuters/M. Shemetov)

Nicht mehr einzufangen: Javier Hernandez (3.v.r.) nach seinem Treffer für Mexiko

Erklärungsversuche

"Natürlich stehen wir unter Druck, ohne Frage, wir müssen jetzt sechs Punkte holen", sagte Toni Kroos nach dem Schlusspfiff. Man habe in der ersten Halbzeit keine Lösungen gefunden. "In der zweiten Halbzeit waren wir besser, Mexiko wurde müde, die Räume größer. Aber wir haben kein Tor gemacht, Chancen für mindestens eins waren genügend da."

Mats Hummels wirkte richtig angefressen und sagte: "Wir haben wie gegen Saudi-Arabien gespielt - nur gegen einen besseren Gegner. Wir haben ein paar Dinge angesprochen wie leichte Ballverluste und Absicherung, die wir heute leider wieder nicht umgesetzt haben." Mexiko habe das Spiel dadurch auch verdient gewonnen, weil man es ihnen viel zu leicht gemacht habe, in dem Wissen, dass man genau das nicht hätten zulassen dürfen.

"Das ist in der Tat eine nicht gewohnte Situation. Dem müssen wir uns jetzt stellen. Das Turnier ist lang. Am Ende haben wir in den Kombinationen nicht die Sicherheit gehabt, die man kennt und wie ich mir das vorstelle", meinte Bundestrainer Joachim Löw. Der Start habe nicht geklappt. Jetzt müsse man das nächste Spiel gewinnen. "Ich bin überzeugt, dass wir eine Reaktion zeigen können."

Costa Rica - Serbien 0:1 (0:0)

Die Serben bedanken sich bei ihrem Torschützen Aleksandar Kolarov (Foto: Reuters/P. Olivares)

Dank an den Siegtorschützen Aleksandar Kolarov

Ein Kunstschuss von Serbiens Kapitän Aleksandar Kolarov hat Costa Ricas Hoffnungen auf eine erneute WM-Überraschung frühzeitig gedämpft. Das Team von Mladen Krstajic gewann am Sonntag vor rund 41.000 Zuschauern in Samara gegen den Viertelfinalisten von 2014 verdient mit 1:0 (0:0) und bescherte dem ehemaligen Bundesliga-Profi damit ein erfolgreiches Trainer-Debüt auf großer Bühne. Dank des sehenswerten Treffers in der 56. Minute aus der Distanz verschaffte sich Serbien in der schweren Gruppe E mit Brasilien und der Schweiz eine gute Ausgangslage für das Weiterkommen.

"Wir haben alles versucht, hatten auch ein paar Chancen. Es wäre gut gewesen, wenn wir etwas mitgenommen hätten. Aber noch haben wir unsere Chancen. Auch wenn es schwer wird", kommentierte Trainer Costa Ricas Trainer Oscar Ramirez. Ungleich positiver fiel die Bilanz von Matchwinner Kolarov aus: "Es hat alles gepasst. Es ist sehr wichtig, dass wir drei Punkte haben. Aber ich will jetzt nicht anfangen zu rechnen. Das Spiel gegen die Schweiz wird am schwersten."

ck/sw (dpa, sid)

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