Assange: ″Erst ein Prozent des CIA-Materials veröffentlicht″ | NRS-Import | DW | 22.03.2017
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Cybersicherheit

Assange: "Erst ein Prozent des CIA-Materials veröffentlicht"

Wikileaks hat mit veröffentlichtem CIA-Material eine Diskussion über Cyber-Sicherheit angestoßen. Im DW-Interview kündigte Julian Assange jetzt weitere Veröffentlichungen an - und erhob Vorwürfe gegen US-Unternehmen.

 WikiLeaks CIA - Julian Assange (picture alliance/AP Photo)

Erwartet "ein gutes Jahr für Wikileaks": Julian Assange kündigt weitere Enthüllungen an

In den USA gibt es nicht weniger als 16 verschiedene Geheimdienste. 2017 kosten die den amerikanischen Steuerzahler die stolze Summe von gut 70 Milliarden US-Dollar. Das ist etwa das Doppelte des gesamten deutschen Verteidigungshaushalts. Die Verteilung dieser Summe unter den US-Geheimdiensten ist zwar geheim. Aber Enthüllungen von Edward Snowden aus dem Jahr 2013 legen nahe, dass die CIA den Löwenanteil bekommt. 2013 jedenfalls waren es knapp 15 Milliarden US-Dollar. Ausgerechnet dieser hochbezahlte Dienst mit dem Auftrag, Geheimnisse auszuspionieren, hat aber ein Problem damit, seine eigenen Geheimnisse zu wahren: Am 7. März begann die Whistleblower-Plattform Wikileaks mit der Publikation von geheimen CIA-Dokumenten unter dem Namen "Vault 7".

In knapp 9000 Dokumenten wurden die geheimen Hacking Tools der CIA offenbart, etliche davon entwickelt und in Europa zum Einsatz gebracht von einer CIA Hacker-Truppe im US-Konsulat in Frankfurt. Im Interview mit dem arabischen TV-Programm der Deutschen Welle wundert sich Wikileaks-Gründer Julian Assange, dass es bislang keine Reaktion der deutschen Regierung zu diesen Enthüllungen gegeben habe - abgesehen von der Ankündigung des Generalbundesanwalts, zu prüfen, ob dabei deutsches Recht verletzt worden sei. Für Assange zeigt das "traurigerweise die relative Schwäche der deutschen Regierung im Umgang mit den USA."  

US-Generalkonsulat in Frankfurt am Main (picture-alliance/dpa/F.v. Erichsen)

Rund 2000 Menschen arbeiten im US-Konsulat in Frankfurt. Dazu gehörte auch eine Hacker-Einheit der CIA.

CIA hat Kontrolle über Cyberwaffen verloren

Assange kündigte im Gespräch mit der DW weitere Enthüllungen von CIA-Dokumenten in den nächsten Monaten an: "Wir haben erst ein Prozent des Materials veröffentlicht, 99 Prozent kommen noch". Assange kritisierte, die CIA habe innerhalb ihrer Strukturen ihre eigene Version des auf elektronische Ausspähung spezialisierten Geheimdienstes NSA entwickelt. "Damit wurde die CIA zu einem gigantischen Hacker-Spionage-Dienst. Diese Hacker CIA hat anschließend eine gigantische Menge an Cyber-Waffen angehäuft – und hat dann die Kontrolle über diese Waffen verloren."

Das veröffentlichte Material stammt nach Wikileaks-Angaben von einem isolierten, nicht mit dem Internet verbundenen und besonders geschützten Netzwerk innerhalb des "CIA Centers for Cyber Intelligence" am Hauptsitz des Geheimdienstes in Langley. Assange führt aus, Cyberwaffen wohne ein besonderes Verbreitungsrisiko inne; sie bestünden nur aus Information, aus Code. Deshalb sei das Horten von Cyberangriffs-Werkzeugen besonders gefährlich. Speziell dann, wenn der Besitzer nicht dafür garantieren könne, dass sie unter Verschluss bleiben - wie es bei der CIA angesichts der Vault 7 Publikation offensichtlich der Fall sei.

Massenhafter Ankauf von Zero-Days

Aus den Unterlagen geht hervor, dass die CIA massenhaft unveröffentlichte Verwundbarkeiten von Programmen und Geräten bei Hackern eingekauft hat, sogenannte Zero-Days. Die wurden zu Angriffswerkzeugen weiter entwickelt: Um Mobiltelefone, Computer, selbst Fernseher in fernsteuerbare Ausspähgeräte zu verwandeln. Da können heimlich Kameras und Mikrofone angeschaltet oder Nachrichten direkt vom Bildschirm mitgelesen werden, noch bevor sie verschlüsselt zum Beispiel über WhatsApp verschickt werden. Dass nicht nur Paranoiker diese Gefahr ernst nehmen, zeigte kürzlich ein Foto von Facebook-Gründer Marc Zuckerberg mit seinem Laptop: Kamera und Mikrofon waren mit Klebeband überklebt.

US-Technologiegiganten kungeln mit Regierung

Firmen, bei denen die Sicherheit ihrer Produkte wegen der CIA-Werkzeuge in Frage gestellt sei, habe Wikileaks über die Lücken informiert, sagte Julian Assange der DW. Dabei habe sich gezeigt, dass europäische Firmen sehr schnell reagiert hätten. Amerikanische Technologieunternehmen würden sich jedoch sehr zurück halten - mit Ausnahme des US-Browserunternehmens Mozilla. Bei den ebenfalls von CIA-Hackingwerkzeugen betroffenen Technologiegiganten Google, Microsoft und Apple würde das Wikileaks-Informationsangebot noch in den Rechtsabteilungen schmoren.

Assange führt das auf deren Nähe zur US-Regierung zurück: "Diese Unternehmen arbeiten auch für die US-Nachrichtendienste. Deshalb haben viele Mitarbeiter eine Sicherheitsfreigabe (Security Clearance), besonders die Mitarbeiter in den Sicherheitsabteilungen. Die Regeln für solche Sicherheitsfreigaben besagen aber: Wenn man eine hat, darf man keine geleakten Informationen annehmen". Assanges kritisches Fazit: "Wegen ihrer Nähe zur US-Regierung sind diese Firmen nicht in der Lage, ihre Nutzer vor Angriffen durch die CIA oder NSA zu schützen."

cia logo reinemachen geheimdienst usa (picture-alliance/dpa)

Das Ansehen der CIA ist durch die Wikileaks ramponiert: Ein noch so großer Mob wird zum Aufpolieren nicht reichen

In diese Landschaft passt die Aussage des finnländischen Cyber-Sicherheitsexperten Mikko Hypponen. In seiner Keynote auf der Computermesse Cebit in Hannover warnte Hypponen am Mittwoch, die Welt stehe am Anfang eines neuen Wettrüstens, und das würde im Cyberraum stattfinden. Dabei stand für den Finnen fest, wer dabei im Moment die Nase vorn hat: Die USA. "Kein anderes Land hat so viel über so lange Zeit in offensive Cyber-Fähigkeiten investiert wie die USA", sagte Hypponen. Auf Platz zwei steht für den Sicherheitsexperten Israel, gefolgt von Russland und China. Hypponen gibt auch eine Antwort auf die Frage, was Cyberwaffen so attraktiv macht: Sie sind effektiv, preiswert - und der Angreifer kann seine Tat abstreiten.

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