Artenschutz oder Kommerz in Myanmar? | Aktuell Asien | DW | 11.07.2020
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Südostasien

Artenschutz oder Kommerz in Myanmar?

Tiger, Elefanten, Geier: Myanmar erlaubt die kommerzielle Zucht bedrohter Arten - und will dies als Maßnahme gegen illegalen Handel und Wilderei verstanden wissen. Naturschützer sind äußerst skeptisch.

In Myanmar ist künftig die kommerzielle Zucht von gefährdeten Wildtieren gestattet. Auf einer entsprechenden Liste stehen unter anderem Tiger, von denen es in dem südostasiatischen Land nur noch 22 Exemplare geben soll. Außerdem darauf vertreten: Elefanten, Schuppentiere, mehrere Geier-Arten sowie der Irawadi-Delphin. Das vom Aussterben bedrohte Siam-Krokodil darf demnach sogar wegen seines Fleisches und seiner Haut gezüchtet werden.

Naturschützer befürchten, dass die Zuchtgenehmigungen negative Folgen haben werden. Kommerzieller Handel mit seltenen Wildtierprodukten steigere die Gesamtnachfrage, warnten die Organisationen World Wildlife Fund (WWF) und Fauna & Flora International (FFI) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Myanmar könne durch das neue Gesetz - ebenso wie die Nachbarstaaten Thailand, Laos und Vietnam - einen Großteil seiner Wildtiere verlieren. Die Behörden des Landes seien nicht in der Lage, den Handel wirksam zu kontrollieren, glauben WWF und FFI.

Umetikettierung

Auch die Organisationen Panthera zum Schutz von Wildkatzen äußerte sich besorgt. Der legale Handel ermögliche es, heimlich wilde Tiere als angebliche Zuchttiere zu verkaufen. Die Überwachung des Handels werde damit sehr viel schwieriger.

Elefantenmuseum in Myanmar (picture-alliance/dpa/J. Goldberg)

In einem Museum in Rangun: Nachbildung eines von Wilderern getöteten Elefanten

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) erlaubt die Zucht einiger gefährdeter Arten, jedoch nur unter strengen Bedingungen. Myanmars Waldministerium versicherte, die neue Liste sei in Rücksprache mit "Umweltschutzgruppen, Akademikern und Experten" erstellt worden.

Myanmar ist ein wichtiger Umschlagplatz für den illegalen Wildtierhandel. Die Nachfrage wird besonders aus dem Nachbarland China befeuert. 

wa/ack (afp)

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