Anti-Doping-Kampf: NADA kritisiert FIFA | Sport | DW | 05.06.2018
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Anti-Doping-Kampf

Anti-Doping-Kampf: NADA kritisiert FIFA

Vor der WM in Russland wirft die Nationale Anti-Doping Agentur dem Fußball-Weltverband vor, keine unabhängigen Kontrollen zuzulassen. Auch der DFB zeigt der NADA bisher die kalte Schulter.

Jahresbilanz-Pk der NADA Andrea Gotzmann und Lars Mortsiefer (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann (l.) und Chefjustiziar Lars Mortsiefer

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hat die Dopingkontrollen bei der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft wegen "enormer Interessenkonflikte" kritisiert. "Der Sport kontrolliert sich hier wieder selbst, davon wollen wir wegkommen", sagte die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann in Berlin: "Die Anti-Doping-Arbeit muss von unabhängigen Einrichtungen durchgeführt werden." Der Weltverband FIFA übernimmt bei der WM in Russland die Dopingverfahren wieder selbst. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte am Montag in Zürich gesagt: "Wenn es um das Thema Doping geht, haben wir alles getan, was wir tun konnten. Test und Re-Test, doppelte Tests und nochmal Tests - und die Kontrolle der Proben und Behälter. Alles in Kooperation mit der Welt-Anti-Doping-Agentur."

Sonderrolle des Fußballs

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) überlässt im Unterschied zu mehr als 40 anderen Spitzenverbänden des deutschen Sports die Sanktionierungen nicht der NADA. Chefjustiziar Lars Mortsiefer bot dem DFB erneut an, wie eine "Staatsanwaltschaft" die Federführung von rechtlichen Verfahren zu übernehmen. Kein Verständnis hat Mortsiefer für die Aussetzung der 14-monatigen Dopingsperre Paulo Guerreros, damit der 34 Jahre alte ehemalige Bundesliga-Profi für Peru an der WM teilnehmen kann. "Ich war schockiert", sagte der Justiziar über eine entsprechende Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts in der vergangenen Woche: "Der Fußball nimmt hier wieder eine Sonderrolle ein."

"Igitt-Thema"

Die NADA legte in Berlin ihre Statistik für das Jahr 2017 vor. 16.351 Dopingproben wurden entnommen, rund 1000 mehr als 2016. Dabei verzeichneten die deutschen Dopingjäger 82 mögliche Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen, das sind 16 weniger als im Vorjahr. Der Jahresetat der NADA betrug zuletzt 9,4 Millionen Euro. NADA-Chefin Gotzmann kritisierte, dass die Agentur keinen bedeutenden Unterstützer aus der Wirtschaft mehr habe. "Für die Wirtschaft ist das ein Igitt-Thema"", sagte Gotzmann: "Man steht lieber neben einem strahlenden Goldmedaillengewinner. Aber man muss klar sagen, dass es die dunklen Seiten des Sports gibt: Manipulation, Korruption, Doping."

sn/ck (dpa, sid)

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