Almudena Grandes mit 61 Jahren gestorben | Kultur | DW | 28.11.2021
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Nachruf

Almudena Grandes mit 61 Jahren gestorben

Almudena Grandes gehörte zu den erfolgreichsten spanischen Autorinnen der Gegenwart. In ihren Büchern, weltweit übersetzt, verarbeitete sie die Franco-Diktatur.

Porträtfoto Almudena Grandes

In mehr als 20 Sprachen übersetzt: Schriftstellerin Almudena Grandes (1960 - 2021)

Es war 1989 der erste erotische Roman in Spanien, der von einer Frau verfasst worden war: "Lulú. Die Geschichte einer Frau" ("Las edades de Lulú") war damals ein Skandal - und machte die Schriftstellerin Almudena Grandes über Nacht berühmt. Für die damalige spanische Leserschaft ungewohnt offen handelt der Roman nicht nur von sexuellen Abenteuern und Abwegen der Hauptfigur Lulú, sondern vor allem auch vom Erwachsenwerden zur Zeit der Franco-Diktatur. Das Buch, das Grandes im Alter von 28 Jahren veröffentlicht hatte, wurde zum Bestseller und weltweit übersetzt. Bereits kurz nach Veröffentlichung wurde er von Regisseur Bigas Luna mit Francesca Neri und Javier Bardem verfilmt.

"Schreiben war eine Form, die Dinge, die mir nicht gefielen, zu verzaubern und die Realität zu verändern", schrieb Grandes im Begleittext ihres Debüt. Zuvor hatte sie in einem Verlag gearbeitet und stets geschrieben. Nach "Lulú" folgten weitere, wegweisende Werke, in denen sie sich kritisch mit dem Spanischem Bürgerkrieg und der Franco-Diktatur auseinandersetzte.

Schweigeminute bei internationaler Buchmesse

Wie am Samstag Abend (27.11.) bekannt wurde, verstarb die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin im Alter von 61 Jahren in ihrem Haus in Madrid. Tief betroffen und bestürzt äußerten sich sowohl spanische Künstler als auch Politiker. "Wir verlieren eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen unserer Zeit. Engagiert und mutig hat sie unsere jüngere Geschichte aus einer fortschrittlichen Perspektive erzählt", twitterte der spanische Premierminister Pedro Sánchez. Daraufhin richtete er seine Worte direkt an die Verstorbene: "Ihr Andenken, ihre Werke werden uns immer begleiten, Almudena Grandes."

Mit einer Schweigeminute gedachte ihr die Literaturbranche bei der Eröffnung der Internationalen Buchmesse Guadalajara (FIL) in Mexiko, dem wichtigsten Branchentreffen der spanischsprachigen Literatur. "Almudena Grandes hat unsere jüngste Geschichte meisterhaft dargestellt und denjenigen eine Stimme gegeben, die nie eine hatten", twitterte das Instituto Cervantes, das spanischsprachige Pendant zum Goethe-Institut.

Standhafte El País-Kolumnistin

"Almudena Grandes trug einen Nachnamen, der wahrlich zu ihr passte: mit ihrer geistigen Größe, ihrer weiblichen Stärke, ihrer durchschlagenden Stimme und ihren Texten, die das wiedergaben, was in der Geschichte verloren gegangen war", erinnert die Nicaraguanerin Gioconda Belli, eine der international bekanntesten Schriftstellerinnen Lateinamerikas.

Neben ihren Büchern äußerte sich Grandes, die sich selbst als links, republikanisch und antiklerikal bezeichnete, seit 2008 in einer wöchentlichen Kolumne in der Zeitung El País zu aktuellen spanischen Themen. Auch ihre Krebserkrankung thematisierte sie hier im Oktober 2020. "Ich habe im Laufe meines Lebens einige sehr komplizierte Artikel schreiben müssen. Keiner war wie dieser", gestand sie. Krebs beschrieb sie hier als "einen Lernprozess, aber niemals ein Fluch, noch eine Schande, noch eine Strafe".

woy/glh (mit afp, efe, El Mundo)