Alexander Zverev bald auf dem Tennisthron? | Sport | DW | 22.11.2021
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Tennis

Alexander Zverev bald auf dem Tennisthron?

Mit dem Erfolg beim ATP-Finale beendet Alexander Zverev sein bisher erfolgreichstes Jahr. Was fehlt? Der Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier und Position eins der Weltrangliste. Vielleicht 2022.

Alexander Zverev jubelt nach dem Sieg beim ATP-Finale

Alexander Zverev feierte mit dem Triumph beim ATP-Finale seinen sechsten Turniersieg 2021

Eigentlich ist die Zeit überreif für seinen ersten Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier. Das spürt auch Alexander Zverev selbst. "Ich kann nur eins sagen: Ich werde dafür alles tun. Ich werde so viel Arbeit wie möglich reinstecken und meinen Arsch dafür aufreißen, dass es passiert", sagte der 24 Jahre alte Deutsche, nachdem er in Turin zum zweiten Mal nach 2018 das ATP-Finale gewonnen hatte, das Jahresabschlussturnier der acht besten Tennisprofis der Welt, die inoffizielle WM. "Ich kann mich selber Weltmeister nennen. Das ist schon ein Wahnsinnsgefühl", freute sich Zverev und sprach von einem "Wahnsinnsjahr mit dem perfekten Abschluss".

Höhepunkt Olympiasieg

Mit dem Triumph im Norden Italiens geht Zverevs bisher erfolgreichstes Tennisjahr zu Ende: Neben dem ATP-Finale gewann er fünf weitere Titel: bei den ATP-Turnieren in Acapulco, in Madrid, in Cincinnati und Wien und als größter bisheriger Erfolg seiner Karriere olympisches Gold bei den Sommerspielen in Tokio.

Alexander Zverev mit Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio

Sein Auftreten in Tokio brachte Zverev in Deutschland viel Sympathie ein - nicht nur wegen der Goldmedaille

Mit dem Ritterschlag - einem Sieg bei einem der vier prestigeträchtigen Grand-Slam-Turniere - wurde es jedoch auch 2021 nichts für den Weltranglistendritten aus Deutschland: Bei den Australian Open in Melbourne scheiterte Zverev im Viertelfinale (in vier Sätzen am Weltranglistenersten Novak Djokovic aus Serbien), bei den French Open in Paris im Halbfinale (in fünf Sätzen am Griechen Stefanos Tsitsipatis), in Wimbledon im Achtelfinale (in fünf Sätzen am Kanadier Felix Auger-Aliassime) und bei den US Open in New York im Halbfinale (in fünf Sätzen an Djokovic).

Auf Augenhöhe mit Djokovic und Medwedew

Die Tatsache, dass Zverev in drei von vier Fällen nach Fünf-Satz-Spielen ausschied, zeigt, dass nicht viel fehlte: im entscheidenden Augenblick die Kraft, die Konzentration oder vielleicht auch nur das nötige Quäntchen Glück. Dass es auch anderes laufen kann, zeigte Zverev bei seinen Triumphen in Tokio und auch jetzt in Turin. Bei beiden Turnieren besiegte er jeweils im Halbfinale den Branchenprimus Djokovic im entscheidenden dritten Satz.

Beim ATP-Finale setzte er sich zudem im Endspiel überraschend klar und souverän gegen seinen "Angstgegner" Daniil Medwedew durch - obwohl er das deutlich längere und anstrengendere Halbfinale in den Knochen hatte. Zuvor hatte Zverev fünfmal in Serie gegen den Weltranglistenzweiten aus Russland verloren, zuletzt noch im Gruppenspiel in Turin.

Privates Glück

Der deutsche Tennisstar wirkt mental noch stärker als zuvor. Dazu dürfte beigetragen haben, dass seine früher eher überschaubare Beliebtheit in Deutschland durch sein sympathisches Auftreten in Tokio und den Olympiasieg deutlich zugenommen hat. Außerdem scheint Zverev auch sein privates Glück gefunden zu haben. Im Frühjahr wurde er Vater einer Tochter aus einer früheren Beziehung, im Herbst erschien die Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla erstmals als Partnerin an seiner Seite.

Tennis | ATP Turnier in Wien | Sieger Alexander Zverev mit Freundin Sophia Thomalla

Die Beziehung zu Sophia Thomalla (l.) scheint Zverev zu beflügeln

Die Promi-Liebe bescherte Zverev in der deutschen Boulevardpresse positive Schlagzeilen. Zuvor hatte sein Ruf durch die Anschuldigungen einer früheren Freundin gelitten. Sie hatte dem Tennisspieler mehrfach vorgeworfen, sie geschlagen zu haben. Zverev hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Becker: "Zverev spielt um Platz eins"

Zverevs Sieg in Turin war bereits sein 19. Turniererfolg auf der ATP-Tour. Damit ließ er in der "ewigen" deutschen Rangliste den früheren Wimbledonsieger Michael Stich (18 Turniersiege) hinter sich, nur Tennislegende Boris Becker war erfolgreicher (49). Der Altmeister feierte seinen letzten Turniersieg mit 29 Jahren, Zverev hat also noch Zeit aufzuholen.

Boris Becker strich als Experte des TV-Senders Eurosport heraus, dass Zverev beim ATP-Finale mit Djokovic und Medwedew nacheinander die Top zwei der Weltrangliste besiegte: "Meiner Meinung nach spielen Daniil [Medwedew - Anm. d. Red.], und Sascha [Zverev] gemeinsam mit Novak [Djokovic] um Platz eins im nächsten Jahr." Zverev könne aber nur ganz nach vorn gelangen, wenn ihm auch ein Grand-Slam-Turniersieg gelinge, so der 53-Jährige: "Das muss jetzt Saschas wichtigstes Ziel in 2022 sein." Die nächste Gelegenheit hat Zverev im Januar in Melbourne, bei den Australian Open. Vielleicht nutzt er sie ja diesmal.