1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikAfrika

Afrikas Wahlen 2026 - was steht auf dem Spiel?

Sertan Sanderson
25. Januar 2026

Die Parlamentswahlen in Benin und Uganda markierten im Januar den Beginn eines entscheidenden Jahres an den Wahlurnen in Afrika - es geht um Demokratie und politische Glaubwürdigkeit.

https://p.dw.com/p/57Cb6
Uganda Kampala 2026 | Wahlkommissionsmitglied bereitet Stimmzettel in Wahllokal für Wähler vor
In den meisten afrikanischen Wahlen mangelt es nicht an Kandidaten, jedoch bleiben in vielen Teilen des Kontinents Fragen hinsichtlich der Transparenz und Fairness der Wahlen offenBild: Luis Tato/AFP/Getty Images

In mehreren afrikanischen Ländern finden im Jahr 2026 Wahlen statt. Ihre Ergebnisse werden die Führung, die politischen Prioritäten und die Glaubwürdigkeit der Demokratie im eigenen Land unmittelbar prägen. Gleichzeitig beeinflussen sie regionale Bündnisse und globale Sicherheitskooperationen.

Die DW wirft einen Blick auf die anstehenden (und bereits vergangenen) wichtigsten Volksabstimmungen auf dem afrikanischen Kontinent.

Januar und April: Benin nach gescheitertem Putsch

Am 11. Januar fanden in Benin Parlamentswahlen statt. Nur fünf Wochen zuvor war ein Staatsstreich vereitelt worden. Auch in zwei unmittelbaren nördlichen Nachbarländern Benins, Burkina Faso und Niger - dort sind Militärjuntas an der Macht -, wird gewählt.

Beobachter gehen davon aus, dass sich an der Zusammensetzung der 109 Sitze in Benins Nationalversammlung kaum oder gar nichts ändern wird, nachdem regierungsnahe Parteien fast alle Sitze gewonnen haben. Die Präsidentschaftswahlen sind für den 12. April angesetzt. 

Januar: Ugandas Wahlausgang umstritten

Präsident Yoweri Museveni hat sich eine siebte Amtszeit gesichert. Laut offiziellem Ergebnis erhielt der über 80-jährige Staatschef mehr als 71 Prozent der Stimmen in Uganda. Sein Hauptrivale Bobi Wine kam auf rund 24,7 Prozent und hat das Ergebnis als gefälscht zurückgewiesen. Museveni kann das Land nun bis 2031 regieren.

Uganda Kampala 2026 | Anhänger von Präsident Yoweri Museveni feiern seinen Wahlsieg
Yoweri Musevenis Anhänger feiern seinen Wahlsieg: Der 80-jährige Staatschef sicherte sich eine siebte AmtszeitBild: Brian Inganga/AP Photo/picture alliance

Wahlbeobachter meldeten keine Anzeichen für eine nennenswerte Einmischung in die eigentliche Wahl. Aber anhaltende Einschüchterungen, Verhaftungen und Entführungen von Oppositionellen in dem Land hätten seit Langem "ein Gefühl der Angst hervorgerufen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Wahlprozess untergraben", stellte der ehemalige nigerianische Präsident Goodluck Jonathan fest. Er vertrat eine Delegation von Wahlbeobachtern der Afrikanischen Union (AU).

Berichte über massive Repressionen gegen Oppositionskandidat Bob Wine inmitten eines Internet-Blackouts während der Wahl zeichnen ein eher beunruhigendes Bild für die Zukunft und werfen einmal mehr Fragen nach der Legitimität der Wahl auf.

März: Republik Kongo - Amtsinhabervorteil

In der Republik Kongo finden am 22. März Präsidentschaftswahlen statt. Politische Beobachter gehen davon aus, dass der langjährige Amtsinhaber Denis Sassou Nguesso an der Macht bleiben wird.

Sassou Nguesso regiert seit 1997 und tritt gegen Kandidaten mehrerer Oppositionsgruppen an. Die US-amerikanische Denkfabrik Freedom House erklärt jedoch, Dissidentengruppen im Land seien massiver Repression ausgesetzt. Dementsprechend hat das Land eine bemerkenswert niedrige Bewertung seiner politischen Rechte und demokratischen Prinzipien. 

April: Dschibuti - strategische Interessen am Roten Meer

In Dschibuti sollen im April 2026 Präsidentschaftswahlen stattfinden. Der 78-jährige amtierende Präsident Ismail Omar Guelleh kandidiert für eine sechste Amtszeit.

Die politische Stabilität des Landes wird von vielen westlichen und asiatischen Mächten aufgrund seiner strategischen Militärstützpunkte und seiner geopolitischen Lage in der Nähe des Roten Meeres genau beobachtet. 

Dschibuti 2025 |Schiffe in Dschibuti am Roten Meer
Dschibuti gilt als Militärstützpunkt am Roten Meer - seine politische Stabilität ist fraglich: Präsident Ismail Omar Guelleh kandidiert 2026 für eine sechste AmtszeitBild: Solomon Muchie/DW

April und Oktober: Kap Verde - demokratisches Vorbild

Im April werden voraussichtlich Parlamentswahlen in Kap Verde stattfinden, gefolgt von Präsidentschaftswahlen im Oktober. Der kleine Staat, der aus zehn Vulkaninseln im Atlantik besteht, ist bekannt für seine starke demokratische Führung. Die mutmaßlich demokratischste Nation Afrikas schneidet besser ab als viele Länder im weltweiten Vergleich.

Juni: Äthiopien - fragiles Wahlumfeld 

Am 1. Juni wird inÄthiopien gewählt - zum ersten Mal seit dem Tigray-Krieg zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) und den äthiopischen nationalen Verteidigungsstreitkräften (ENDF), der 2022 zu Ende ging. Äthiopien ist weiterhin mit Konflikten konfrontiert, insbesondere in den Regionen Amhara und Oromia. Diese Spannungen erschweren die Bemühungen um die Durchführung glaubwürdiger und inklusiver Wahlen.

August: Sambia - Reformen und Kontinuität?

Am 12. August wählt Sambia einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament. Mit der im vergangenen Jahr eingeführten Wahlrechtsreform wurde die Nationalversammlung erweitert und Elemente der Verhältniswahl integriert, um den Pluralismus zu stärken.

Der amtierende Präsident Hakainde Hichilema strebt eine zweite Amtszeit an, obwohl Beobachter und Kritiker weiterhin über Aspekte der demokratischen Praxis unter seiner Führung diskutieren. 

Sambia Lusaka 2024 | Präsident Hakainde Hichilema steht vor einem Mikrofonstand und spricht zu Publikum
Sambias Präsident Hakainde Hichilema strebt eine weitere Amtszeit anBild: Peng Lijun/Xinhua/picture alliance

November: Südafrika - Lokalwahlen als Stimmungsbarometer

Bei den Kommunalwahlen in Südafrika im November 2026 wird die öffentliche Meinung zur Regierung der nationalen Einheit (GNU) unter Präsident Cyril Ramaphosa eingeholt. Es werden die ersten Kommunalwahlen seit der Bildung der Mehrparteien-Koalitionsregierung im Jahr 2024 sein.

Dezember: Gambia - Präsidentschaftswahl

In Gambia findet am 5. Dezember eine Präsidentschaftswahl statt, wobei der amtierende Präsident Adama Barrow eine dritte Amtszeit anstrebt. 

Barrow erfährt landesweit hohe Ablehnung, doch die Zersplitterung der Opposition in Kombination mit einer zunehmenden Wahlmüdigkeit dürften dem Barrow bei der Wahl zugutekommen. Die Parlamentswahlen finden im nächsten Jahr statt.

Dezember: Südsudan - gelingen die ersten Wahlen?

Angesichts der Geschichte wiederholt verschobener Wahlen ist es ungewiss, ob der Südsudan seine ersten allgemeinen Wahlen überhaupt abhalten wird - sie sind für den 22. Dezember angesetzt.

Das jüngste Land der Welt geht durch eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 2011. Durch den fortdauernden Bürgerkrieg im nördlich angrenzenden Sudan sind weiterhin wichtige Einnahmequellen blockiert, so ist auch der vollständige Betrieb der Ölpipelines nicht möglich, die beide Länder miteinander verbinden.

Ein fragiles Friedensabkommen wird zusätzlich belastet durch den Hochverratsprozess gegen den ehemaligen Vizepräsidenten und Oppositionspolitiker Riek Machar. Machars Anhänger bezeichnen den Fall als "politisch motiviert".

Somaliland - Wahlen inmitten eines sich wandelnden Status

In der autonomen Region Somaliland sollen 2026 ebenfalls Parlaments- und Kommunalwahlen stattfinden.

Das Gebiet ist im vergangenen Monat von Israel als unabhängiger Staat anerkannt worden. Das rief in der gesamten Region und darüber hinaus starke Reaktionen hervor. In Somalias Hauptstadt Mogadishu protestierten Menschen gegen diese Entscheidung, denn sie sehen Somaliland als Teil Somalias an. In Somaliland hingegen gab es Freudenfeste bei der Bevölkerung.