Afrikas Erfahrung im Umgang mit Epidemien hilft bei Corona-Bekämpfung | Afrika | DW | 27.04.2020
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Coronavirus in Afrika

Afrikas Erfahrung im Umgang mit Epidemien hilft bei Corona-Bekämpfung

In Afrika steigt die Zahl der Corona-Infektionen und mit ihr die Sorge vor einer Katastrophe. Doch der Kontinent hat gelernt: Der Kampf gegen Ebola in Westafrika sowie die Ausbreitung von HIV/Aids waren erfolgreich.

Zwei Menschen mit Gesichtsmasken weisen einer Frau den Weg (Reuters/T. Ade)

Viele lokale Organisationen, die die Bevölkerung unterstützen - darin ist Afrika stark

Die weltweite Corona-Krise legt auch afrikanische Metropolen fast lahm: In Johannesburg, Wirtschaftszentrum Südafrikas, kontrolliert das Militär die verhängten Ausgangssperren. In Ugandas sonst lebendiger Hauptstadt Kampala sind Märkte und Geschäfte geschlossen. Die Straßen gehören nur wenigen Boda Bodas (Motorradtaxis), die zwar keine Passagiere mehr befördern dürfen, aber für Zustelldienste und Erledigungen genutzt werden. Das Leben verlangsamt sich auch in anderen afrikanischen Städten - die Corona-Pandemie soll so früh wie möglich in Schach gehalten werden. 

Afrika - ein schutzloses Opfer?

Genau das ist es, womit einige afrikanische Staaten punkten können. Ahmed Ogwell Ouma, stellvertretender Direktor des Afrika-Zentrums zur Kontrolle von Krankheiten und Vorbeugung (Africa CDC), lobt das schnelle Handeln afrikanischer Regierungen: "Diese Lektion haben wir in der Tat während der Ebola-Krise 2014 in Westafrika gelernt. Wir greifen schnell ein, mit den bereits in der Bevölkerung erprobten Mitteln, Kenntnissen und bewährten sozialen Partnern in den Gemeinden." Das habe zu den bislang geringen Infektionszahlen in Afrika beigetragen, sagte Ouma während einer Online-Podiumsdiskussion zum Thema: "COVID-19 - frühe Lehren aus Afrika".

Uganda Corona-Pandemie (Getty Images/AFP/B. Katumba)

Ausgangssperre in Uganda in Zeiten von COVID-19: Der Kindergeburtstag wird in kleinem Kreis auf dem Balkon gefeiert

Auch Podiumsteilnehmer Gavin Churchyard, Vorsitzender der südafrikanischen Gesundheitseinrichtung "Aurum Institute" sagt: Durch den langjährigen Kampf gegen die Lungenkrankheit Tuberkulose etwa seien Abstandhalten und Infektionskontrolle keine neuen Konzepte für die Bevölkerung. Auch bereits vorhandene Aufklärungsmaterialien zu Tuberkulose und HIV/Aids könnten leicht abgeändert im Kampf gegen COVID-19 genutzt werden. Und er betont: "Im Gegensatz zu einigen Industrieländern haben afrikanische Staaten auf wissenschaftlich fundierte Lösungen gesetzt. Wir haben eine Führungsstärke in afrikanischen Ländern aufkommen sehen wie sonst nirgendwo."

Trotz der frühen Erfolge warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davor, Afrika könnte von COVID-19 stärker getroffen werden als andere Weltregionen. Aber Afrika ist kein schutzloses Opfer der Pandemie - diese Ansicht vertritt auch Robert Kappel, emeritierter Professor am Institut für Afrikastudien der Universität Leipzig. "Wir haben eine Lektion zu lernen. Auch in unserer Wahrnehmung Afrikas, dass der afrikanische Kontinent nicht der Kontinent der Pandemien, der gesundheitlichen, wirtschaftlichen Krisen ist", sagt der Ökonom im DW-Interview, "sondern auch ein Kontinent, der die Dinge selbst in die Hand nimmt, auf sehr unterschiedliche Art und Weise."

Innovative Ideen und Vertrauen

Kappel betont das lokale Engagement der innovativen kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Sie gingen als wichtige Akteure voran: Beispiels bei der Produktion von pharmazeutischen Mitteln Masken oder Desinfektionsmitteln. "Hier kann man eine Menge lernen, indem wir auch auf das lokale Wissen vertrauen, was in afrikanischen Ländern vorhanden ist." Auch Start-ups würden vom Staat teilweise unterstützt und spielten eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung.

Senegal Coronavirus 3D Drucker Mundschutz (Getty Images/AFP/J. Wessels)

Die 3D-Drucker einer senegalesischen Initiative stellen Halter für Gesichtsvisiere her

Die erfolgreiche Bekämpfung von Ebola und anderen Krankheiten zeigt nach Ansicht des Ökonomen, dass es nicht immer nur um viel internationale Hilfe und immense Geldsummen geht. Die würden zwar nötig, wenn Infektionszahlen steigen und die Krise massiv in Gang gekommen sei. Aber in der ersten Phase der Ebola-Krise hätten lokale Gemeinschaften, zivile Organisationen und Dorfbürgermeister es geschafft, die Ausbreitung zu begrenzen. Von Vorteil sei dabei auch gewesen, dass das Coronavirus Afrika erst recht spät erreicht habe und somit mehr Zeit zum Vorbereiten geblieben sei.

Die Krise als Chance

Dass Afrika alles andere als ein hilfloser Kontinent ist, betonten jüngst auch afrikanische Intellektuelle in zwei offenen Briefen. Unter anderem der senegalesische Schriftsteller und Musiker Felwine Sarr, der kamerunische Politikwissenschaftler Achille Mbembe und der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka fordern darin, Afrika müsse "eine grundlegende, machtvolle und nachhaltige Antwort auf eine reale Bedrohung geben, die weder übertrieben noch kleingeredet, sondern rational angegangen werden sollte". Von ihren Regierungen fordern sie, die Lage zu nutzen, um aus der Krise gestärkt hervor zu gehen. Die Gesundheitssysteme müssten umgestaltet, Rohstoffe sollten endlich lokal verarbeitet und die Wirtschaft breiter gefächert werden.

Mitarbeit: Uta Steinwehr

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