Afrikas Aufschrei für das Klima | Afrika | DW | 23.09.2019
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Afrika

Afrikas Aufschrei für das Klima

Afrika kämpft: für das Klima, die Erde und eine Zukunft. Denn obwohl der Kontinent den geringsten Einfluss auf den Klimawandel hat, sind die Konsequenzen jetzt schon spürbar. Das macht vor allem jungen Leuten Angst.

Stampfende Schritte, das Dröhnen der Trommeln und der Klang von Trompeten: Dutzende Schulkinder marschierten am Freitag durch Tansanias Wirtschaftsmetropole Dar es Salaam, eine Polizei-Kapelle vorneweg. Die Schüler waren nicht allein. Von Kapstadt bis Abuja, von Windhuk bis Kampala - in ganz Afrika gingen hunderttausende Jugendliche auf die Straße. Ihre Botschaft: Afrikas Politiker und auch ihre Kollegen in den Industrieländern tun zu wenig, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Im Senegal demonstrierten mehr als 200 Schüler und Studenten in den Straßen der Stadt Rufisque, in Ghanas Hauptstadt Accra überreichten Jugendliche eine Petition an das Umweltministerium. In Kenia forderten Demonstranten den Baustopp eines Kohlekraftwerks auf der Insel Lamu, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Klimastreik hat Afrika erreicht

"Wir müssen das Bewusstsein all dieser jungen Menschen stärken, damit sie in der Lage sind, unsere Regierungen in eine Position zu drängen, in der es nicht möglich ist, ein Klimaverweigerer zu sein", sagt Irungu Houghton, Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die zu den Hauptorganisatoren der Demo in Kenia gehörte."Die einzige Möglichkeit besteht darin, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um die Kohlendioxid-Emissionen zu senken und das Niveau der globalen Erwärmung zu verringern", so Houghton.

Kenia| Klimastreik | Global Strike 4 Climate | Nairobi (DW/A. Wasike)

Demonstranten in Nairobi, Kenia

Vereint sind die Demonstranten unter dem Dach der Bewegung "Fridays for Future" (FFF) einem globalen Zusammenschluss von Schülern und Studenten, die von ihren Regierungen Klimaschutz-Maßnahmen einfordern. Längst hat die Protestbewegung, die in Europa ihren Anfang nahm und auch beim Klimagipfel am Sitz der Vereinten Nationen in New York Flagge zeigte, den afrikanischen Kontinent erreicht.

Frust in Uganda

In Uganda organisierten Gruppen wie "Act Now" und das "Climate Change Network" in Kampala den Streik. Sie spielten Rap-Musik, in Zelten wurden Freigetränke ausgeschenkt. Dahinter steckt die Bewegung "Youth Go Green Uganda", ein Zusammenschluss zahlreicher Jugend- und Umweltschutzorganisationen.

"Wir haben auf nationaler Ebene Umweltgesetze verabschiedet, dennoch sehen wir vor Ort eine massive Rodung unserer Wälder und Bauvorhaben in unseren Sumpfgebieten", erklärt Edwin Muhumuzu von "Youth Go Green Uganda". Uganda habe 2015 das Klimaprotokoll von Paris unterzeichnet, doch viele Maßnahmen seien von der Regierung bislang nicht angegangen worden. "In der Verfassung steht, dass jeder Bürger das Recht auf eine sichere und saubere Umwelt hat. Aber so wie die Lage vor Ort aussieht, ist die Zukunft unsicher."

Uganda | Klimastreik | Global Strike 4 Climate | Kampala (DW/E. Lubega )

Auch in Kampala, Uganda, ging die Jugend auf die Straße

Afrika stößt kaum Treibhausgase aus

Nicht nur Afrika sei nun in der Pflicht, sagt Miriam Tarissa vom "Uganda Climate Action Network". "Wir realisieren immer mehr, dass die Industriestaaten für den Klimawandel verantwortlich sind."

In Afrika leben 14 Prozent der Weltbevölkerung, doch der Kontinent ist nur für sieben Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Einzige Ausnahme: Südafrika. Das Land am Kap ist der größte Produzent von Treibhausgasen in Afrika. Nach Angaben der britischen Zeitschrift "The Economist" produziert es mehr Kohlendioxid als Großbritannien, obwohl es zehn Millionen Einwohner weniger hat und die Wirtschaftskraft gerade Mal ein Drittel der britischen beträgt. 

Daher gingen auch in Südafrika Menschen auf die Straße. Dort forderten die Demonstranten, dass die Regierung weniger in fossile Brennstoffe und mehr in erneuerbare Energien investieren solle. "Klimagerechtigkeit bedeutet, dass meine Kinder und die Kinder meiner Kinder und deren Kinder einen gesunden Planeten haben, auf dem sie leben können", sagte die Demonstrantin Nicole Glickman der DW.

Südamerika - Auswirkungen des Klimawandels (Walter Cloete)

Bis 2020 sollen mehr als 50 Millionen Menschen ihr Zuhause an die wachsende Wüste verlieren

50 Millionen Klimaflüchtlinge?

Doch es gibt bereits erste positive Ansätze zum Klimaschutz: Gabun etwa erhält von Norwegen über einen Zeitraum von zehn Jahren 150 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 136 Millionen Euro), um seine Tropenwälder schützen zu können. Sie bedecken fast 90 Prozent der Landfläche. Es ist das erste Abkommen dieser Art mit einem afrikanischen Staat.

Kein Kontinent ist nach UN-Angaben vom Klimawandel so stark betroffen wie Afrika: Extreme Dürren, Überschwemmungen und Stürme gehören für Millionen Menschen bereits jetzt zur Lebensrealität. Afrikanische Länder sind wegen ihrer hoher Armutsraten und der Abhängigkeit von der traditionellen Landwirtschaft kaum in der Lage, sich an den Klimawandel anzupassen. Die Vereinten Nationen warnen davor, dass bis 2020 mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht sein könnten, weil ihre Heimatländer zu Wüsten geworden sind.

Nigeria: "Kein Planet 2.0"

Auch in Nigeria, Afrikas bevölkerungsreichstem Land, sind die Folgen des Klimawandels zu spüren. "Wir müssen wirtschaftliche Modelle ändern und zu grünen Technologien zurückkehren. Die Welt muss zusammenrücken. Nicht nur afrikanische Länder wie Nigeria müssen ihre Emissionen reduzieren, sondern vor allem die, die sie wirklich produzieren", sagt Isiah Nuhu von der Nichtregierungsorganisation "Climate Change Mitigation and Adaption Initiative". 

BG FFF weltweit Protestaktion in Kapstadt (Reuters/M. Hutchings)

Die Fridays for Future Initiative in Kapstadt, Südafrika

Ein Klima-Abkommen und bezahlbare erneuerbare Energien für alle – das fordert Oladosu Adenike, Geschäftsführerin der "Fridays for Future"-Initiative in Nigeria. "Felder wurden weggespült, Menschen sind obdachlos. Getreide ist teuer und die aktuelle Situation führt zu Konflikten, Spannungen und Krisen". Doch die 24-Jährige ist hoffnungsvoll. Früher sei gesagt worden, dass der Kampf gegen den Klimawandel eine Kampagne der Weißen sei. Doch jetzt werde überall fürs Klima gestreikt - in der Schule oder am Arbeitsplatz. Und das nicht mehr nur von Europäern, sondern von Afrikanern überall auf dem Kontinent.

Mitarbeit: Andrew Wasike, Kate Hairsine, Simone Schlindwein, Usman Shehu, Uwais Idris

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