Afghanistan setzt auf befristete Waffenruhe | Aktuell Welt | DW | 07.06.2018
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Neue Initiative

Afghanistan setzt auf befristete Waffenruhe

Vom 12. bis zum 20. Juni würden die Sicherheitskräfte alle Angriffe auf die radikal-islamischen Taliban einstellen, teilte Präsident Ghani mit. Die Waffenruhe fällt mit dem Ende des Fastenmonats Ramadan zusammen.

Die Einsätze gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere Terrorgruppen wie Al-Kaida sollten allerdings fortgesetzt werden, erklärte ein Präsidentensprecher in der Hauptstadt Kabul.

Die Taliban äußerten sich bislang nicht dazu, ob sie das Angebot annehmen. Ihr Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte, er müsse erst Rücksprache mit der Taliban-Führung halten. Ob diese zu der Waffenruhe bereit ist, muss fraglich erscheinen.

Kein Interesse an Frieden? 

Tatsache ist: Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hatte den Taliban schon im Februar Friedensgespräche angeboten. Die Aufständischen könnten als politische Partei anerkannt werden, wenn sie einer Waffenruhe zustimmten und die afghanische Verfassung und Regierung offiziell als gültig und legitim anerkennten, sagte der Staatschef damals. Der Appell an die Taliban blieb aber ohne jede Wirkung.

Derzeit führen die radikalen Islamisten eine ganze Welle von Angriffen, die sie selbst als ihre alljährliche "Frühjahrsoffensive" gegen die afghanische Regierung bezeichnen. Sowohl die Taliban als auch die IS-Miliz hatten in den vergangenen Monaten mehrfach schwere Anschläge in Kabul verübt, bei denen zahlreiche Zivilisten getötet wurden.

Lobende Worte aus Berlin

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, Ghanis Ankündigung einer Waffenruhe sei "ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Frieden". "Diesen Weg hin zu einer politischen Versöhnung begrüßen und unterstützen wir ausdrücklich", hob eine Ministeriumssprecherin hervor. Nur durch einen innerafghanischen Friedensprozess könne "Gewalt und Terrorismus endlich eine Ende gesetzt" werden.

"Dies ist ein positiver Schritt auf dem Weg zum Frieden", erklärte auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Die NATO unterstütze einen von Afghanistan geführten Friedens- und Versöhnungsprozess.

Für ein Ende des gewaltsamen Konflikts hatten zuletzt auch mehrere afghanische Geistliche plädiert. Der Ulema-Rat, wie das höchste Gremium der afghanischen Geistlichkeit heißt, stufte Selbstmordanschläge und Attentate als "haram", also nach islamischer Lehre verboten ein. Kurz darauf wurde der Versammlungsort des Rates von einem Selbstmordattentäter angegriffen, sieben Menschen wurden getötet.

haz/wa (dpa, afp, rtr)

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