Trumps Frust mit den Taliban | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 09.09.2019
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Abbruch statt Durchbruch

Trumps Frust mit den Taliban

Die Entscheidung kam überraschend. Noch in der letzten Woche sagten Unterhändler von USA und Taliban, eine Vereinbarung für Afghanistan stehe kurz bevor. Nun hat der US-Präsident die Friedensgespräche ausgesetzt.

Aus Frust über das Verhalten der Taliban hat US-Präsident Donald Trump am Wochenende weitere Friedensverhandlungen abgesagt. Trumps Ankündigung kam, nachdem sich die Taliban zu einem Anschlag in der Nähe des NATO-Hauptquartiers in Kabul bekannt hatten. Unter den zwölf Todesopfern waren auch zwei NATO-Soldaten - ein US-Amerikaner und ein Rumäne.

"Was für Leute bringen so viele andere um, nur um ihre Verhandlungsposition zu stärken?", twitterte Trump. Und weiter: "Wenn sie sich während dieser sehr wichtigen Friedensgespräche nicht auf einen Waffenstillstand einigen können und sogar zwölf unschuldige Menschen töten, haben sie wahrscheinlich nicht die Macht, eine sinnvolle Vereinbarung auszuhandeln."

Druck aufbauen durch mehr Terror

Die Taliban haben ihre Angriffe in den vergangenen Wochen noch verstärkt. In der letzten Woche starteten die Aufständischen eine Doppeloffensive in den Provinzen Kundus und Baghlan. Diese brutale Machtdemonstration kam für viele ebenso überraschend wie Trumps Entscheidung, die Gespräche abzubrechen - zumal die Friedensverhandlungen in Doha angeblich kurz vor einem Durchbruch standen.

Afghanistan Selbstmordanschlag in Kabul (Reuters/O. Sobhani)

Anfang September starben zwei Nato-Soldaten und zehn Afghanen bei einem Anschlag im Zentrum Kabuls

Ebenso wie Trump gibt auch die afghanische Regierung den Taliban die Schuld am Stillstand der Verhandlungen: "Die gegenwärtige Blockade im laufenden Friedensprozess ist auf die anhaltende Gewalt und den Kampf der Taliban zurückzuführen", erklärte die Regierung als Reaktion auf Trumps Rückzug aus den Friedensgesprächen.

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Afghanistan: Der endlose Krieg und seine Opfer

Einige afghanische Sicherheitsexperten glauben, dass die Taliban die Angriffe verstärkt haben, um ihre eigene Verhandlungsposition zu stärken. "Druck auszuüben - militärisch und politisch - ist eine gängige Praxis bei Friedensverhandlungen", sagte Milad Sekandari, ein in Kabul ansässiger Friedensaktivist, gegenüber der DW. "Mit dem Angriff auf Kundus wollen die Taliban ihre Stärke auf dem Schlachtfeld unter Beweis stellen, um Gewinne am Verhandlungstisch zu erzielen."

Doch die Taliban haben die Behauptung zurückgewiesen und erklärten, dass sie ohne Einigung auf einen Waffenstillstand nicht verpflichtet seien, die Angriffe einzustellen. Sie wiesen auch darauf hin, dass afghanische Regierungstruppen immer wieder Kämpfer der Taliban ins Visier nähmen.

Rückzug aus den Verhandlungen nur eine "vorübergehende Maßnahme"?

"Ich denke, es ist ein taktischer Schritt von Trump, um die Taliban-Führung zu zwingen, die Gewalt zu reduzieren und einen Waffenstillstand zu verkünden", sagte Tamim Asi, der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister Afghanistans, gegenüber der DW.

Ali Chishti, ein pakistanischer Sicherheitsanalytiker, der die Gespräche in Doha aufmerksam verfolgt, sagte zudem, Trumps Ankündigung sei "nur eine vorübergehende Maßnahme". "Wie wir den US-Präsidenten kennen, ist es höchstwahrscheinlich eine Botschaft an die Taliban, dass Gewalt und Gespräche nicht zusammenpassen können. Ich glaube, dass alle Konfliktparteien - die USA, die Taliban, Kabul und Islamabad - ein Friedensabkommen wollen", fügte er hinzu.

Amerikaner könnten an den Verhandlungstisch zurückkehren

Taliban-Sprecher Suhail Shaheen sagte in der vergangenen Woche gegenüber der DW, ein Abkommen mit den USA sei nahe. Ein Waffenstillstand in Afghanistan stehe ebenfalls auf der Tagesordnung. "Einige Themen sind heikel und es braucht Zeit, um sie zu lösen. Aber wir haben in dieser Runde Fortschritte gemacht und hoffen, dass es die letzte Runde sein wird", so Shaheen. Doch nun ist ein Abschluss der Friedensverhandlungen wieder in weite Ferne gerückt.

Sami Yousafzai, ein in London lebender afghanischer Journalist, macht die radikalislamischen Aufständischen für die Situation verantwortlich. "Das Ganze zeigt, dass die Taliban immer noch nicht politisch reif genug sind, um die Gelegenheit zu nutzen. Die Gruppe glaubt immer noch, dass sie in Afghanistan einen militärischen Sieg davontragen kann", so Yousafzai.

Afghanistan Selbstmordattentat während andauernder Kämpfe in Kundus (picture-alliance/dpa/Bashir Khan Safi)

Die USA und die Taliban sprachen seit über einem Jahr über eine politische Lösung des bald 18 Jahre dauernden Konflikts in Afghanistan

"Die meisten Forderungen der Taliban wurden in den Entwurf des Abkommens aufgenommen. Trotzdem führen sie weiter gewalttätige Angriffe durch", so der Journalist. "Der Deal kann noch gerettet werden, aber dafür ist Flexibilität von Seiten der Taliban nötig. Wenn sie einem landesweiten Waffenstillstand zustimmten, würden die Amerikaner an den Verhandlungstisch zurückkehren."

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