500 Frachtcontainer Plastikmüll landen pro Tag im Mittelmeer | Wissen & Umwelt | DW | 27.10.2020
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Umweltstudie

500 Frachtcontainer Plastikmüll landen pro Tag im Mittelmeer

Gefahr fürs Ökosystem: Gewaltige Mengen Plastikabfall belasten das Mittelmeer. Und der schwimmende Müll wird immer mehr. Daran sind nicht nur die Anrainerstaaten schuld.

Plastiktüten, Verpackungen und Einwegflaschen haben im Mittelmeer nichts zu suchen. Und doch fließen nach einer neuen Berechnung der Weltnaturschutzunion (IUCN) jährlich geschätzt 230.000 Tonnen Plastik ins Mittelmeer. Das entspricht umgerechnet pro Tag dem Inhalt von mehr als 500 Frachtcontainern.

Mittlerweile könnten sich mehr als eine Million Tonnen Plastik im Mittelmeer angesammelt haben, schätzen die Autoren der Studie. Etwas mehr als ein Drittel des Plastikmülls, der im Meer landet, stamme direkt aus Städten in Küstennähe. Die restlichen 65 Prozent werden etwa von Flüssen ins Meer getragen.

Der meiste Müll kommt aus Ägypten, der Türkei und Italien 

Rund 450 Millionen Menschen leben in den Staaten um das Mittelmeer und entlang seiner Zuströme. Ihr Müll wird nicht überall korrekt entsorgt. Der größte Anteil an Abfall kommt laut der Studie aus Ägypten (schätzungsweise rund 74.000 Tonnen pro Jahr), Italien (34.000 Tonnen) und der Türkei (24.000 Tonnen). Bezogen auf die Einwohnerzahl liegen die Spitzenreiter allerdings auf dem Balkan: Montenegro mit etwa acht Kilogramm Plastikmüll pro Jahr und Kopf wird gefolgt von Albanien, Bosnien und Herzegowina sowie Nordmazedonien.

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So viel Plastik wie in circa 500 dieser Container passt, landet täglich im Mittelmeer

Die Studienautoren untersuchten den sogenannten Plastikfußabdruck von insgesamt 33 Ländern, darunter 20 Küstenstaaten, aber auch Staaten etwa entlang des Nils. 80 Prozent des Plastiks lässt sich ihrer Schätzung zufolge auf Müll aus nur zehn Staaten zurückführen. Neben Ägypten, Italien und der Türkei seien das Albanien und Tunesien, sowie der Nilanrainer Uganda. Auch Kenia im Einzugsgebiet des Nils, sowie Nordmazedonien und Bulgarien, die selbst nicht ans Mittelmeer angrenzen, tragen erheblich zu dessen Verschmutzung bei.

Abfallwirtschaft muss verbessert werden

Plastikverschmutzung könne schwere Langzeitschäden für Ökosysteme an Land und im Wasser auslösen, betonte die Direktorin des IUCN-Programms für Meere und Polarregionen, Minna Epps. "Wie dieser Bericht klar macht, reichen die derzeitigen und geplanten Maßnahmen nicht aus, um den Plastikzustrom zu reduzieren und diesen Einflüssen vorzubeugen."

Die Experten warnten, dass sich die Müllmenge bis 2040 verdoppeln werde, falls keine entschiedenen Maßnahmen getroffen würden. Eine Möglichkeit sei, die Abfallwirtschaft in den 100 Städten zu verbessern, die am stärksten zur Müllmenge beitragen. Dadurch könne man die Abfallmenge um ein Viertel senken. Auch Verbote etwa von Einwegartikeln aus Plastik könnten deutliche Effekte erzielen.

Video ansehen 04:53

Meer aus Plastik 

Die 230.000 Tonnen im Jahr sind laut IUCN nur ein mittlerer Schätzwert - zwischen 150.000 und 610.000 Tonnen seien möglich. Dabei wurde speziell der Abfall berücksichtigt, der aus den Staaten das Mittelmeer erreicht. Weiterer Plastikmüll wie etwa zurückgelassene Fischernetze blieben außen vor. Der WWF hatte in einer Studie von 2019 rund 570.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr im Mittelmeer geschätzt.

Mehr Verpackungsmüll durch Corona-Pandemie?

Auch in Deutschland nimmt der Verpackungsabfall seit Jahren zu. 18,9 Millionen Tonnen fielen im Jahr 2018 an - das waren fast 228 Kilogramm pro Bundesbürger. Im Vergleich zu 2010 wurden nach Angaben des Bundesumweltamtes rund 18 Prozent mehr Verpackungen verbraucht.

Eine Ursache dafür sei das Wirtschaftswachstum, denn mehr Produkte führten auch zu mehr Verpackungen, hieß es. Wie sich der Verbrauch in der Corona-Pandemie entwickelt habe, sei noch unklar. Aufgrund der geschlossenen Geschäfte und Restaurants sei allerdings abzusehen, dass mehr Serviceverpackungen für Essen und Getränke verbraucht worden seien.

mir/rb (afp, dpa, IUCN)

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