5 Weihnachtsbräuche und was dahinter steckt | Wissen & Umwelt | DW | 24.12.2018
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Es weihnachtet sehr

5 Weihnachtsbräuche und was dahinter steckt

Die Geburt Jesu, der Stern von Bethlehem, der Weihnachtsbaum, der Weihnachtsmann und die Geschenke. Was hat es mit den verschiedenen Weihnachtsbräuchen auf sich?

 

Wurde Jesus wirklich an Heiligabend geboren?

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die erste und geschah zu der Zeit, als Cyrenius Landpfleger in Syrien war", so beschreibt es der Evangelist Lukas. Gleichzeitig heißt es beim Evangelisten Matthäus, dass der grausame König Herodes alle Kinder Bethlehems ermorden ließ, nachdem er von der Geburt des neuen Königs der Juden gehört hatte.

Die beiden historischen Ereignisse lassen sich mit derbiblischen Weihnachtsgeschichte nicht in Einklang bringen: Die beschriebene Volkszählung diente zur Berechnung der möglichen Steuereinnahmen und fand im Jahre 6 oder 7 nach Christi Geburt statt. Und der verhasste Herodes starb bereits im Jahre 4 v.Chr., zwischen den beiden Ereignissen liegen also rund zehn Jahre.

Auch das Geburtsdatum 25. Dezember ist nicht in der Bibel zu finden, es wurde erst im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin I. bewusst auf diesen Tag festgelegt, da heidnische Kulturen wie die Römer, Kelten oder Germanen an diesem Tag die Wintersonnenwende feierten. Mit der Kalenderreform im 16. Jahrhundert wanderte die Wintersonnenwende auf den 21. Dezember.

Neben Geburtsjahr und –tag ist auch der Geburtsort von Jesus umstritten: Möglicherweise verlagerten die Evangelisten den Geburtsort bewusst nach Bethlehem, weil dort laut Altem Testament bereits König David geboren worden war, dessen Nachkomme der Messias sein sollte. 

Die Geburtsgeschichte sollte Jesus als Sohn Gottes charakterisieren und ihn durch die Verbindung mit historischen Personen wie Quirinius oder Herodes in einen Zusammenhang mit den vorherrschenden Heilserwartungen stellen. Die Bibel ist eben kein Geschichtsbuch, sondern eine Schriftensammlung, die im Judentum und Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.

NASA Bildergalerie über Supernova (NASA/CXC)

War der Stern von Bethlehem eine Supernova?

Hat es den Stern von Bethlehem tatsächlich gegeben?

Seit einer halben Ewigkeit suchen Wissenschaftler nach einer Erklärung, was es mit dem hellen Stern auf sich haben könnte, der die drei Weisen aus dem Morgenland zu Jesus führte, so wie es das Matthäus-Evangelium beschreibt.

Aus historischen Quellen ist bekannt, dass sich der Halleysche Koment vor rund 2000 Jahren der Erde genähert hat. Ebenfalls bekannt ist, dass sich zur Zeit von Jesus Geburt die beiden Planeten Saturn und Jupiter innerhalb eines Jahres dreimal sehr nahe kamen – ein äußerst seltenes Schauspiel. Aber es waren trotz der Nähe zwei Lichtpunkte, nicht nur ein heller Stern, wie es der Evangelist Matthäus beschreibt.

Anderen Theorien zufolge könnte es sich bei dem kosmischen Ereignis um eine Supernova gehandelt haben, also um die Explosion eines großen Sterns, die alle anderen Sterne überstrahlte.

Coca Cola Werbung Weihnachtsmann (picture-alliance/dpa)

Nein, Coca-Cola hat den Weihnachtsmann nicht erfunden!

Gibt es den Weihnachtsmann?

Nein, es war kein US-amerikanischer Limonadenhersteller, der den Weihnachtsmann erfunden hat. Grundlage für die Weihnachtsmann-Figur ist der heilige Nikolaus, der im 4. Jahrhundert Bischof von Myra in der heutigen Südtürkei war und um den sich zahlreiche Legenden ranken. Seine Bischofsgestalt wurde im 19.Jahrhundert säkularisiert und ihr liturgisches Messgewand samt Mitra als Mantel und Zipfelmütze dargestellt.

Da die Protestanten aber die Heiligenverehrung – und damit auch die Verehrung des heiligen Nikolaus – ablehnten, geriet mit der Reformation das Christuskind ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Künftig brachte das Christkind die Geschenke - zumindest in Süd- und Westeuropa. In Nord- und Osteuropa hingegen behielt Nikolaus samt Knecht Ruprecht die Aufgabe. Im Laufe der Zeit verselbständigte sich das engelsgleiche Christkindchen und der Bezug zu Jesus wurde immer diffuser.

Sein charakteristisches Erscheinungsbild verpasste dem Weihnachtsmann der deutsch-amerikanische Zeichner Thomas Nast, der 1863 im Harper´s Weekly-Magazin einen sanftmütigen, molligen Santa Claus im roten Mantel mit langem Rauschebart und Rentierschlitten darstellte. Orientiert hat sich Nast dabei am pfälzischen "Belzenickel", einer Pelz tragenden Weihnachtsfigur aus dem 19. Jahrhundert, die er noch aus der Kindheit kannte. Als er später die Zeichnung kolorieren sollte, wählte er die Farben Rot und Weiß.

Diese Darstellung übernahm 1931 auch der schwedische Grafiker Haddon Sundblom für eine Coca-Cola-Werbekampagne, die es bis 1966 gab. Der US-Limonadenhersteller hat so also doch maßgeblich das Bild vom Weihnachtsmann mitgeprägt.

Weihnachtsbeleuchtung und Märkte weltweit Wien Österreich (picture-alliance/dpa/G. Hochmuth)

Die Suche nach passenden Geschenken bestimmt oftmals die Weihnachtszeit

Wann gibt es denn nun Geschenke?

Der Zeitpunkt der Bescherung variiert von Land zu Land. Ursprünglich wurden die Kinder am Gedenktag des heiligen Nikolaus, dem 6. Dezember, beschenkt. Nach der Reformation wurde in evangelischen Regionen die Bescherung auf Heiligabend verlegt, da die Protestanten die Heiligenverehrung ablehnten und deren Namenstage nicht feierten.

Früher fand die Bescherung in Deutschland um Mitternacht in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, nach der Christmette, statt. Weil die Kleinsten aber nicht unbedingt bis Mitternacht aufbleiben durften, wurde die Bescherung auf den frühen Abend vorgezogen.

In den USA und in Großbritannien ist es nach wie vor üblich, dass Santa Claus bzw. Father Christmas um Mitternacht die Geschenke durch den Kamin bringt und die Kinder sie am Morgen des ersten Weihnachtstages öffnen dürfen.

In Spanien und Teilen von Italien werden die Geschenke erst am 6. Januar, dem Dreikönigstag, ausgepackt. Laut Bibel brachten ja schließlich die Weisen aus dem Morgenland dem neu geborenen Jesus Geschenke mit. Aber anders als in Spanien bringt in Italien nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke, sondern die Hexe Befana.

Und noch etwas hat sich grundlegend verändert: Ursprünglich wurden nur die Kinder beschenkt, erst in jüngerer Zeit wurden auch die Erwachsenen bedacht.

 

Wieso stellen wir Weihnachten einen Tannenbaum auf?

Nein, ein Tannenbaum wird in der Bibel auch nicht erwähnt. Es gibt keinen historisch nachweisbaren Anfang für diesen Brauch, aber in vielen Kulturen wurden frische Bäume oder Pflanzen in den Wohnbereich geholt, weil sie Gesundheit und Fruchtbarkeit verkörperten. Zur Wintersonnenwende etwa holten sich die "Heiden" Wintermaien ins traute Heim. Diesen Kult übernahmen die frühen Christen allzu gerne.

Die ersten Christbäume wurden erst im 15. Jahrhundert aufgestellt. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts häufen sich die Nachrichten über den Weihnachtsbaum. Über den Adel hatte sich der Brauch in ganz Europa verbreitet.

Weihnachtsbaum am Brandenburger Tor, Berlin (picture-alliance)

Kein Weihnachten ohne einen leuchtenden Tannenbaum. Doch das war nicht immer so

Die Reformation machte den Tannenbaum zum Weihnachtssymbol der Protestanten, während sich die Katholiken weiter nur um die Krippe versammelten. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts, nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon, stand der leuchtende Baum konfessionsübergreifend in den Wohnzimmern.

Allerdings konnten sich zunächst nur die oberen Schichten einen Weihnachtsbaum leisten, weil Tannenbäume ursprünglich in Mitteleuropa eher selten vorkamen. Die einfachen Bürger und vor allem die Städter mussten sich mit Zweigen begnügen. Dies änderte sich erst, als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, die den städtischen Bedarf deckten.

Europäische Auswanderer brachten den Brauch auch in die Neue Welt. Belegt ist, dass der deutschstämmige Harvard-Professor Karl Follen 1832 als erster einen Weihnachtsbaum in seinem Haus in Massachusetts aufstellte und so den Brauch in Neuengland einführte. 1891 stand erstmals ein "Christmas tree" vor dem Weißen Haus in Washington.

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