Österreich macht die Grenzen dicht | Aktuell Europa | DW | 02.12.2020
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COVID-19

Österreich macht die Grenzen dicht

Nach drei Wochen Lockdown wird das öffentliche Leben in Österreich langsam wieder hochgefahren. Dafür aber baut die Regierung in Wien neue Hürden auf, um das Coronavirus einzudämmen. Sie treffen vor allem den Tourismus.

Österreich, Skigebiet Lech: Unglück an der Rüfikopf-Seilbahn

Am Arlberg, wie hier in Lech, werden über Weihnachten und Neujahr wohl nur Einheimische skifahren (Archivbild)

Österreich verhängt für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten in der Zeit vom 7. Dezember bis zum 10. Januar eine zehntägige Quarantänepflicht. Dadurch soll der Tourismus weitgehend eingeschränkt werden, wie die Regierung in Wien mitteilte.

Österreich setze auf ein konsequentes Grenzregime, damit das Coronavirus nicht durch Rückkehrer oder Touristen ins Land getragen werde, erläuterte Kanzler Sebastian Kurz. Maßgeblich sei dabei der Schwellenwert von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. Das gelte praktisch für alle Nachbarstaaten und speziell auch für den Westbalkan, hieß es.

Coronavirus I Österreich I Sebastian Kurz

Propagiert ein konsequentes Grenzregime: Kanzler Sebastian Kurz (2.v.r.) mit Kollegen nach einer Kabinettssitzung in Wien

Alle Gaststätten und Hotels müssen bis zum 7. Januar geschlossen bleiben. Es werde wirtschaftliche Entschädigungen geben, kündigte Kurz an. Die Lifte in den Skigebieten dürfen ab dem 24. Dezember öffnen - und können somit im Wesentlichen von Einheimischen genutzt werden.

Geschäfte und Museen öffnen wieder

Zugleich dürfen nach dem Ende des aktuellen Lockdowns am 6. Dezember die Geschäfte und die Museen wieder öffnen. Auch die Pflichtschulen werden wieder geöffnet. Auch körpernahe Dienstleistungen, wie etwa Friseursalons, dürfen dann wieder den Betrieb aufnehmen. Ausgangsbeschränkungen bestehen dann aber noch zwischen 20 Uhr und 6 Uhr.

Aufruf zum Massentest

"Die sinkenden Zahlen sind ein Erfolg, aber kein Grund zur Entwarnung", mahnte Kurz. Eine Überlastung des Gesundheitssystems sei bisher verhindert worden. Er rief die Bürger auf, sich an den bevorstehenden Massentests zu beteiligen. In Wien, Tirol und Vorarlberg können sich die Menschen ab Freitag testen lassen. Danach folgen weitere Bundesländer. Die Experten hoffen, dass sich mehrere Millionen Menschen beteiligen, um so die Infektionsketten zu unterbrechen.

7-Tage-Inzidenz bei 311

In Österreich ist aufgrund des Lockdowns die Zahl der Neuinfektionen deutlich zurückgegangen. Allerdings ist der Abwärtstrend weniger stark als erhofft. Am Mittwoch wurden 3972 Neuinfektionen binnen eines Tages verzeichnet. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist dieser Wert um ein Mehrfaches höher als in Deutschland.

Die Anzahl der positiv diagnostizierten Fälle in Österreich über die vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (7-Tage-Inzidenz) liegt in den Alpenrepublik an diesem Mittwoch bei 311.

Frankreich Val-Thorens - Skigebiet

Val-Thorens in den französischen Alpen: Franzosen die lieber im Ausland skifahren wollen, müssen mit "abscheckenden Maßnahmen" rechnen (Archiv)

Frankreich will siebentägige Quarantäne

Auch Frankreich will wegen der Corona-Pandemie seine Bürger in den Weihnachtsferien am Skifahren im Ausland hindern. Geplant ist eine siebentägige Quarantäne für Franzosen, die vom Skiurlaub im Ausland zurückkehren. Es werde rund um die Feiertage stichprobenartige Kontrollen an den Grenzen zu den betroffenen Nachbarländern geben, kündigte Premierminister Jean Castex an.

Es gehe auch darum, die Betreiber französischer Skigebiete zu verteidigen und eine Gleichheit herzustellen. Präsident Emmanuel Macron hatte bereits angekündigt, dass es "abschreckende Maßnahmen" für Menschen geben werde, die während der Ferien in Skigebiete ins Ausland fahren. Die genauen Regeln sollen in den kommenden Tagen festgelegt werden. 

Seit Tagen streiten die Alpenländer über eine Schließung der Wintersportbetriebe, um einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus etwa durch Urlauber vorzubeugen. Während sich Deutschland und Italien für eine Öffnung erst nach Neujahr stark machen, wollen Österreich und die Schweiz, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen, ihre Skigebiete gar nicht schließen. Frankreich will die Skigebiete an sich über die Weihnachtsferien offen lassen, Skilifte sollen aber geschlossen bleiben. 

uh/qu (dpa, rtr, afp)

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