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Afrika

Nigeria: Neue Perspektiven statt Klischees

Herausforderungen und Grenzen des Journalismus, Konflikte in Nigeria und Entwicklungsperspektiven - mit diesen Themen haben sich deutsche und nigerianische Journalisten während eines Mediendialogs in Abuja beschäftigt.

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Kurz nach der Präsidentschaftswahl im bevölkerungsreichsten Land Afrikas diskutierten die sieben deutschen und sieben nigerianischen Journalisten über den schwierigen Arbeitsalltag nigerianischer Reporter. Wo liegen die Grenzen der Berichterstattung in Krisensituationen? Und: Wie politisch darf ein Journalist sein? Fragen, mit denen sich die nigerianischen Journalisten immer wieder bei ihrer Arbeit konfrontiert sehen.

"Der Dialog hätte zu keinem besseren Zeitpunkt als jetzt direkt nach den Wahlen stattfinden können", sagte der freie Radioreporter Uwais Abubakar Idris. Denn obwohl die Präsidentschaftswahl vom April 2011 von internationalen Beobachtern als historischer Erfolg gelobt wird, waren auch dieses Mal bei Konflikten um die Abstimmung hunderte Menschen ums Leben gekommen. Westliche Medien ordnen den Konflikt im Norden des Landes häufig als rein religiöses Problem ein. Ein Erklärungsversuch, der zu kurz greift, wie ein Vortrag von Professor Andrew Haruna deutlich machte.

Immer wieder ging es beim Mediendialog auch um ein anderes Thema: Die miserable Bezahlung von Journalisten in Nigeria. Eine umstrittene Lösung: die so genannten "Brown Envelopes". Briefumschläge, die Firmen, NGOs und Parteien bei Pressekonferenzen an die Reporter verteilen. Offiziell bezahlen sie damit die Fahrtkosten der Journalisten. Tatsächlich aber machen die braunen Geldumschläge für viele Reporter die Haupteinnahmequelle aus.

Die deutschen Journalisten waren darüber erst geschockt, mussten dann aber eingestehen, dass auch deutsche Reporter regelmäßig mit Beeinflussungsversuchen konfrontiert werden. Mit teuren Geschenken bei Pressekonferenzen oder bezahlten Journalistenreisen versuchen in Deutschland Unternehmen, Reporter für sich einzunehmen. "Wir nehmen die Geschenke oft gedankenlos an. Dabei müssen wir nicht mal um unsere Existenz fürchten", sagte ein deutscher Teilnehmer selbstkritisch in der Diskussion.

"Ich sehe meine deutschen Kollegen nach den vielen Diskussionen anders", sagte Mohammed Lawal, Reporter beim staatlichen Radiosender. "Wir sind eine große Familie geworden." Und Christian Feld, Tagesschau-Redakteur beim WDR, denkt schon an die nächste Nigeria-Reise: "Ich komme wieder", versprach er den nigerianischen Kollegen. Eines war für alle Teilnehmer klar: Beim nächsten Ereignis in Deutschland oder in Nigeria werden sie ihre Kollegen im jeweils anderen Land anrufen, um eine Einschätzung aus erster Hand zu bekommen.


Damit der Dialog weiter geht, plant die DW Akademie in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt für das kommende Jahr zusätzliche Mediendialoge in Afrika.