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Afrika

Mali: "Senden ja, aber nichts Politisches"

Das westafrikanische Mali ist zu einem Konfliktschauplatz von internationaler Brisanz geworden. Der freie Journalist und Mitarbeiter der DW Akademie, Gunnar Rechenburg, über die Situation der Medien vor Ort.

Bis vor wenigen Monaten noch haben Experten dem westafrikanischen Land Mali gute Chancen auf dem Weg zum Musterstaat eingeräumt. Eine sich erholende Wirtschaft, eine einigermaßen stabile politische Lage und: die wohl freieste Presse in ganz Afrika.

Doch mittlerweile ist der Traum von der Vorbildfunktion Malis für andere westafrikanische Staaten erst einmal ausgeträumt. Das Land hat sich zu einem Konfliktschauplatz von überregionaler Bedeutung entwickelt.

Ende März hatte eine Gruppe junger Offiziere die Regierung in Bamako aus dem Amt gejagt - als Reaktion auf die schwache Haltung der Regierung gegenüber den Tuareg-Rebellen im Norden des Landes. Die Wüstenkämpfer nutzten dann ihrerseits das Chaos im Süden um gemeinsam mit Anzar Dine und AQMI - beides radikal islamische Gruppen mit engsten Verbindungen zu al Qaida - den Norden zu besetzen. Mittlerweile haben die Tuareg dort nichts mehr zu melden, aus ihrem Tuareg-Staat wurde ein al Qaida-Gottesstaat.

Datum: 04.2011 Fotograf: DW Titel: Gunnar Rechenburg Beschreibung: Gunnar Rechenburg, freier Journalist DW Akademie

Gunnar Rechenburg, DW Akademie, reiste im Juni durch Mali

Bei den Recherchen vor Ort war eines deutlich spürbar: Seit dem Umbruch weht ein anderer Wind im Land, auch für die Medien. Die Journalisten vor Ort bekommen die Auswirkungen des Konfliktes jetzt direkt spüren. In Bamako wurden immer wieder Reporter gezielt angegriffen und eingeschüchtert. Das berichten mehrere Partner der DW Akademie. Und auch in Armeestandorten wie Mopti, im Osten Malis, haben die Militärs sofort neue Spielregeln für die Medien eingeführt und die heißen: senden ja, aber nichts Politisches und schon gar nichts über die Armee.

Im Norden ist die Lage auch nicht besser: Dort kontrollieren die Kämpfer von Anzar Dine und AQMI, was über den Äther geht. Und nicht nur das. Wie Journalisten aus den besetzten Städten Timbuktu, Gao und Kidal berichten, nutzen die islamistischen Kämpfer die Medien dort für ihre Propaganda.

Etlichen Journalisten in Mali reicht es jetzt: Ende Juli haben sie erstmal zum Medienstreik aufgerufen. Anlass war einmal mehr ein Übergriff auf eine Redaktion - diesmal einer Zeitung. Am Tag der Proteste haben zahlreiche Reporter und Redakteure vor dem Sitz der Übergangsregierung in Bamako protestiert.

Drucken und senden dürfen sie nicht mehr, demonstrieren bislang noch. Dass die Medienschaffenden auf diese Weise jetzt für ihre Freiheit eintreten, ist derzeit vielleicht das einzige, was in Mali Mut macht für die Zukunft.

Die DW Akademie und das ARD Hauptstadtstudio veranstalten am 3. August in Berlin ein Expertengespräch zur Situation der Medien in Mali, an dem auch der Autor dieses Artikels teilnehmen wird. Mehr Informationen unter Facebook.com/DWAkademie.