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Schauspieler im Gespräch

Interview mit Johanna von Koczian - Januar 1976

"In dem Moment, wo der Vorhang aufgeht, ist man ganz frisch da" - Johanna von Koczian über ihre Bühnenarbeit

Johanna von Koczian im Jahr 1958

Johanna von Koczian im Jahr 1958

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" vom 02.06.66 verkündete unter anderem: "Die Koczian wurde zum TV-Begriff", und das "Hamburger Abendblatt" vom 19.12.70 beschrieb sie auf folgende Weise: "Sie ist charmant, sie ist sexy, sie ist eine der beliebtesten Schauspielerinnen der deutschsprachigen Bühne: Johanna von Koczian." Und sie ist eine Schauspielerin, die sich zwar vor allem auf den Theaterbrettern wohl fühlt, doch ihre imposante Filmografie zeugt auch vom großen Talent vor der Kamera. Und eine Buchautorin ist sie obendrein – die vielseitige Johanna von Koczian kann auf eine Karriere zurückblicken, die nur wenigen großen Damen der deutschen Bühne beschieden war.

Auf nach Berlin

Geboren wurde Johanna von Koczian am 30.10.33 in Berlin. Ihre schauspielerische Ausbildung absolvierte sie am berühmten Salzburger Mozarteum und schon bald, im Alter von 19 Jahren, debütierte sie am Landestheater Tübingen. Ein Jahr später ging sie nach Wuppertal, wo sie drei Jahres lang verschiedene Rollen übernahm. 1956 holte sie Boleslaw Barlog an die Städtischen Bühnen Berlin, an denen sie ihre ersten Erfolge feierte – bereits nach zwei Jahren wurde sie für die Rolle der Anne Frank mit dem Preis der Jungen Generation der Stadt Berlin ausgezeichnet. Doch der künstlerische Durchbruch sollte ihr beim Film gelingen.

"Wir Wunderkinder"

Johanna von Koczian im Film Viktor und Viktoria aus dem Jahr 1957

Johanna von Koczian im Film "Viktor und Viktoria" aus dem Jahr 1957

Ihre Filmkarriere begann Johanna von Koczian 1957 mit dem Film "Viktor und Viktoria". Doch bereits 1958 kam in die deutschen Kinos ein Film von Kurt Hoffmann unter dem Titel "Wir Wunderkinder", in dem sie eine der weiblichen Hauptrollen, der Kirsten Hansen, übernahm. Diese Filmsatire beschäftigte sich unter anderem auch mit dem Dritten Reich, was für die damalige Zeit noch nicht ganz selbstverständlich war, und erzählte eine 40-jährige Geschichte von zwei Schulfreuden, deren Lebenswege unter zwei unterschiedlichen moralischen Wertevorstellungen verliefen. Der Erfolg dieses Films war enorm: der Streifen wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auch mit dem Golden Globe Award als bester fremdsprachiger Film. Auch für Johanna von Koczian regnete es Preise: für ihre Rolle in diesem Film wurde sie mit dem Preis des Verbands der deutschen Kritiker und dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Der Weg für die weitere Karriere war nun endgültig geebnet.

Johanna von Koczian in einer Szene aus dem Film Heldinnen aus dem Jahr 1960

Johanna von Koczian in einer Szene aus dem Film "Heldinnen" aus dem Jahr 1960

Johanna, die Vielseitige

Unzählig wurden nun die Rollen, in die Johanna von Koczian im Verlauf ihrer bisherigen Karriere schlüpfte. Sowohl beim Theater, beim Film oder auch beim Fernsehen, spielte sie sich in die Herzen ihres Publikums. Dabei sagte sie selbst über ihre vielfältigen Rollen in einem Interview für die „Frankfurter Rundschau“ vom 20.10.98 unter anderem: "Ich habe fasst alles gespielt, was ich spielen wollte." Beim Fernsehen war sie immer wieder zu sehen. In Krimireihen oder auch in TV-Serien erfreute sie oft ihr Publikum und erwies sich auch als charmante Moderatorin von Sendungen wie etwa "Erkennen Sie die Melodie?". Doch es blieb nicht nur bei Schauspielerfolgen, denn zu ihnen gesellten sich in den 70er-Jahren auch Erfolge als Sängerin. Unvergessen bleiben solche Lieder von ihr wie "Das bisschen Haushalt", "Karl gib mal den Hammer rüber", "Ganz der Vater", "Na, wen schon". Zu manchen ihrer Schlager schrieb sie die Texte selbst. In diese Zeit fällt auch eine kleine Meldung der "Kölnischen Rundschau" vom 5.11.77: "’Abenteuer in der Vollmondnacht' heißt das erste Buch Johanna von Koczians. Die Schauspielerin und Sängerin möchte damit eine dritte Karriere starten." Es war zunächst ein Kinderbuch, dem weitere Bücher folgten, bis sie schließlich mit ihrem Roman "Sommerschatten" einen großen Erfolg erzielte. Für "Die Welt" von 11.11.89 war dies "ein Grusel-, Krimi- und Gesellschaftsroman, 420 Seiten stark und spannend bis zum letzten Satz."

Johanna von Koczian als Florence Foster Jenkins in dem Theaterstück Glorious! in der Komödie am Kudamm in Berlin (2010)

Johanna von Koczian als Florence Foster Jenkins in dem Theaterstück "Glorious!" in der Komödie am Kudamm in Berlin (2010)

Zuletzt erfreute Johanna von Koczian ihr Publikum an der Komödie am Kurfürstendamm in dem Stück „Glorius“. Auf den Internet-Seiten des Theaters ist in diesem Zusammenhang zu lesen: "Als ausgebildete Sopranistin ist es für Johanna von Koczian eine besondere Herausforderung, die mangelnde Fähigkeit der Intonation von Florence Foster Jenkins bei richtiger Klavierbegleitung auf der Bühne darzustellen". Doch die Presse scheint sich hier einig zu sein: diese Herausforderung meistert sie grandios.

Im Januar 1976 war Johanna von Koczian zu Gast bei der Deutschen Welle und erzählte DW-Redakteur Wolfgang Sauer über ihre Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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