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Veranstaltungen

„Interesse an Afrika leider gering“

Mehr Bildung, mehr Medienfreiheit – in vielen Ländern eine Utopie. Vor allem dort, wo Meinungsfreiheit durch Krieg oder Terror in Gefahr gerät. Wie in Nigeria. Ein Thema der DW auf der Frankfurter Buchmesse.

DW-Redakteurin Zainab Mohammed und Astrid Wirtz-Nacken vom Kölner Stadt-Anzeiger auf der Buchmesse

DW-Redakteurin Zainab Mohammed und Astrid Wirtz-Nacken vom Kölner Stadt-Anzeiger auf der Buchmesse

„Was tatsächlich in Nigeria passiert, erfahren wir über Auslandsmedien.“ Das sagte Zainab Mohammed am 9. Oktober auf der Buchmesse Frankfurt. Publizisten aus Deutschland und Nigeria diskutierten über Medien und Bildung.

„Über das eigene Land berichten Nigerias Medien nur das, was der Regierung passt“, schilderte Zainab Mohammed aus der Haussa-Redaktion der DW. Auslandssender wie DW und BBC seien oft die einzige Quelle für wichtige Informationen, beispielsweise zur Lage im Norden Nigerias und dem Terror von Boko Haram. „Wir haben Hunderte Medien im Land, private und staatliche, aber ein Risiko will niemand eingehen.“ Sonst drohe etwa der Entzug der Lizenz, so Mohammed.

Astrid Wirtz-Nacken vom Kölner Stadt-Anzeiger monierte auf der DW-Veranstaltung, dass Deutschlands Medien zwar viel böten. „Was fehlt, ist Interesse an internationalen Themen“, so Wirtz-Nacken. Gemeinsam mit dem nigerianischen Verleger Richard Ali von Parresia Publishers Ltd. in Lagos diskutierten die Journalisten über Medien und Bildung in Nigeria und Deutschland.

„Wir wollen unseren Lesern Hintergrund liefern“, so Wirtz-Nacken, auch über unseren Nachbarkontinent Afrika. Leider gibt es aber immer weniger Korrespondenten dort.“ Da sei es hilfreich, dass die DW Experten habe und Korrespondenten in Westafrika. Das habe ihr bei Recherchen zu Boko Haram sehr geholfen. Leider sei das in den Redaktionen eher gering. „Ich habe das Glück, einen Chefredakteur zu haben, der zuvor Afrika-Korrespondent war. Da bleibt eine Affinität.“

„Bildungssystem blamabel“

Kritischer Verleger: Richard Ali

Kritischer Verleger: Richard Ali

Richard Ali berichtete, dass es in Nigeria kaum Buchläden oder Büchereien und extrem wenige Buchveröffentlichungen gebe. „Die Verlagswelt ist klein in diesem Land mit 160 Millionen Menschen.“ Dies könne man auf mangelnde Bildung zurückzuführen und somit auf ein Versagen der Regierung. Das Bildungsministerium sei eines der bürokratischsten in Nigeria. Für ein reiches Land wie Nigeria sei das Bildungssystem blamabel. „Wenn man allerdings Menschen lesen lässt, dann fangen sie an, Fragen zu stellen. Fragen etwa zu den von Boko Haram entführten Mädchen“, so Ali.

Nigeria stelle mit seinem Schulsystem sicher, dass Menschen nicht lesen, sagte der Verleger. Dass in diesem Jahr die nigerianische Stadt Port Harcourt die „UNESCO World Book Capital“ geworden sei, sei ein gutes Signal. In dieser Weise wünsche er sich mehr Anstöße von außen.

„Wir sind hierzulande gut ausgebildet, können ohne Zensur etwas erfahren, so Astrid Wirtz-Nacken. Aber das Interesse an internationalen Themen sei leider begrenzt. „Ich muss als Fachjournalistin immer einen guten Aufhänger finden. Und oft verkaufen sich leider weiterhin die schlechten Nachrichten besser.“

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Martina Bertram

T +49.228.429-2055 martina.bertram@dw.com