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Nahost/Nordafrika

"Ich achte immer auf meine Kollegen"

Ahmad Al-Bazz ist palästinensischer Fotojournalist - und setzt sich mit seinen Bildern für Meinungsfreiheit im Nahen Osten ein. Mit seiner Kamera dokumentiert der Alumnus der DW Akademie Übergriffe auf Journalisten.

Fotograf Ahmad Al-Bazz fotografiert zwei israelische Soldaten. Er hat eine Gasmaske auf. Foto: Shadi Jarar'ah.

Fotojournalist Ahmad Al-Bazz (Mitte) dokumentiert Auseinandersetzungen zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Jugendlichen. Dabei achtet er auch auf Attacken auf Journalisten.

Was Ahmad Al-Bazz im September 2015 mit seiner Kamera festhielt, das sollte ein juristisches Nachspiel haben. Der 22-jährige Fotojournalist wollte am Checkpoint Beit Furik im Westjordanland eigentlich über eine örtliche Demonstration berichten. Stattdessen filmte der Palästinenser, wie israelische Soldaten zwei Journalisten der Nachrichtenagentur AFP angriffen. "Plötzlich riss ein Soldat dem einen Journalisten die Kamera aus der Hand, schleuderte sie auf den Boden und warf die Reste in den Straßengraben", erinnert sich Ahmad Al-Bazz an die schockierende Szene. Später wurden die beiden Journalisten von den Soldaten körperlich attackiert, eine weitere Kamera wurde zerstört und die Datenträger mit ihren Aufnahmen wurden beschlagnahmt.

Ahmad Al-Bazz beim South2South #Mediadev Lab in Bonn im Dezember 2015 Foto: Hauswedell/DW

Ahmad Al-Bazz beim "South2South #Mediadev Lab" in Bonn im Dezember 2015.

Ahmads Video über diesen gewalttätigen Angriff auf die Pressefreiheit verbreitete sich schnell über die sozialen Medien. Selbst die britische Zeitung "The Guardian" benutzte das Video für die Berichterstattung. "Zwei Soldaten kamen daraufhin vorübergehend in Haft und das israelische Militär musste das zerstörte Equipment ersetzen", freut sich Ahmad über das kleine Stück Gerechtigkeit, das sein Einsatz in diesem Fall bewirken konnte.

Grenzüberschreitender Einsatz

Zu oft bleiben Verstöße gegen die Meinungs- und Pressefreiheit im Nahen Osten allerdings im Verborgenen und damit ungesühnt, kritisiert Ahmad Al-Bazz, der seit April vergangenen Jahres als Kameramann, Fotograf und Redakteur bei der Produktionsfirma Palmedia arbeitet. Sein Rezept gegen Willkür und Gewalt gegen Journalisten heißt: Wachsamkeit. "Ich achte immer auf meine Kollegen, um für sie zu dokumentieren, wenn jemand sie angreift", sagt Ahmad, der in Nablus in den Palästinensischen Gebieten lebt und arbeitet. Im Jahr 2012 schloss sich der studierte Medienwissenschaftler dem Journalistennetzwerk Activestills.org an. Das Bündnis israelischer, palästinensischer und internationaler Fotografen will erreichen, das Menschenrechtsverstöße gegen Journalisten und Bürger nicht länger verborgen bleiben. Ahmad liefert als Freiberufler Bilder und Geschichten zu.

Dieser palästinensische Journalist wurde im März 2015 von israelischen Soldaten angegriffen. Foto: Ahmad Al-Bazz

Dieser palästinensische Journalist wurde im März 2015 von israelischen Soldaten angegriffen. Ahmad hielt das fest.

"Jeden Tag gibt es hier bei uns unzählige Übergriffe auf Journalisten", erläutert Ahmad. Das 2005 gegründete Fotografen-Netzwerk Activestills.org ist für ihn dabei Plattform für die Publikation seiner Bilder, aber durch seinen multinationalen Charakter auch Anker für die eigene Glaubwürdigkeit der Berichterstattung. "Wenn die Leute unsere Nachrichten hören, unsere Bilder sehen, dann wissen sie, dass die Informationen von Medienprofis mit verschiedenen nationalen Hintergründen kommen." Eine Objektivität, die auch führende Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen schätzen, die die Bilder von Activestills.org und Ahmad Al-Bazz häufig für ihre Publikationen verwenden.

Multimedia-Training mit Langzeitwirkung

Ein Palästinenser steht einer Vielzahl von israelischen Soldaten gegenüber. Foto: Ahmad Al-Bazz.

Die alltägliche Konfrontation zwischen einem Palästinenser (rechts) und israelischen Soldaten. Ein Motiv von Ahmad.

Das Fundament für seine heutige Arbeit habe ein mehrmonatiges Multimedia-Projekt der DW Akademie gelegt, sagt der mehrfach preisgekrönte Fotograf rückblickend. "Über neun Monate wurden wir ausgebildet, weshalb ich das Training auch gerne mein Diplom nenne. Es hat meine Art journalistisch zu arbeiten, grundlegend verändert." Ahmad engagierte sich für gut ein Jahr ehrenamtlich als Chefredakteur des neu gegründeten multimedialen Nachrichtenportals "Dooz.ps", das die lokale Berichterstattung in Nablus ausbauen will. "Dooz.ps" ist Teil des Projekts "Go Local", mit dem die DW Akademie im Gesamtvorhaben der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Förderung von Good Governance in Palästina unterstützte. Seit dem Abschluss von "Go Local" betreiben Journalistik-Studenten aus Nablus das Nachrichtenportal eigenständig weiter. Ahmads fotografische Arbeiten werden inzwischen in Ausstellungen in der Westbank und im Gazastreifen gezeigt, aber auch in zahlreichen Werkschauen in Europa, den USA und im Nahen und Mittleren Osten. Sein Motto, mit dem er auch den Alltag der Bevölkerung in einem geteilten Land in den Mittelpunkt rückt: "Lasst die Fakten sprechen."

Mit der DW Akademie bleibt Ahmad Al-Bazz weiterhin eng verbunden, die ihn zuletzt im Dezember zu einem außergewöhnlichen Workshop nach Bonn eingeladen hatte. Beim "South2South #Mediadev Lab" entwickelte er gemeinsam mit 20 Journalisten und Medienexperten aus aller Welt digitale Lösungen für mehr Meinungs- und Pressefreiheit. Ein Team beschäftigte sich damit, wie Kleinbauern schneller an Informationen kommen können. Eine andere Gruppe legte den Grundstein für eine Nachrichten-App, die palästinensische Jugendliche gezielt mit Informationen versorgt und ihnen die Möglichkeit zur eigenen Nachrichtenproduktion gibt. "Meine Tage in Bonn haben mir Kraft und Inspiration gegeben, zuhause weiter für Meinungsfreiheit zu streiten", sagt Ahmad rückblickend.

Eine Straßenausstellung von Activestills hat Bilder aus Gefängnissen an Wände in Tel Aviv geklebt (April 2013). Foto: Keren Manor / Activestills team

Eine Straßenausstellung des Fotografen-Kollektivs Activestills in Tel Aviv in Israel.

Mit Bildern im öffentlichen Raum wachrütteln

Wie schwierig das in einem aufgeheizten politischen Klima ist, erlebt Ahmad Al-Bazz jeden Tag von neuem. Auch dann, wenn er nicht die offiziellen Kanäle zur Verbreitung seiner Bilder und Botschaften nutzt. So hat der junge Menschenrechtsaktivist bereits an dreizehn Straßen-Ausstellungen mitgewirkt, bei denen Aktivisten Bilder unangemeldet an Straßen und Plätzen aufhängen. Sieben Ausstellungen in Palästina, sechs Ausstellungen davon fanden in Übersee statt. "Das ist eine politische Botschaft, weil wir nicht bereit sind, Regierungen welcher Art auch immer dafür um Erlaubnis zu bitten", erklärt Ahmad. Auf den Plakaten zu sehen: Von der israelischen Armee zerstörte Häuser, Kinder, die in der Straße warten, weil sie keine Schulerlaubnis haben oder Alltagsszenen einer Gesellschaft in Mangelwirtschaft. Ziel sei es, insbesondere die israelische Öffentlichkeit wachzurütteln und zu zeigen, wie das Leben auf der anderen Seite der Grenzzäune aussehe. "Manchmal bleiben die Plakate für einen oder zwei Tage hängen, manchmal holt sie die Polizei sofort herunter." Wenn sich hierbei die Meinung nur eines Menschen ändere, dann sehe er darin bereits einen kleinen Erfolg, sagt Ahmad nachdenklich. "Mein Traum ist es natürlich, dass meine Arbeit auch im großen Maßstab etwas zum Positiven verändert." Noch sei das zwar ein Traum, fügt Ahmad hinzu. Aber ohne solche Träume gehe es eben auch nicht.

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