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Asien

Bangladesch: Spannendes Radioprogramm

Mangelhafte Professionalität und politisch einseitig: Nur wenige Radiosender in Bangladesch liefern zuverlässige Informationen. Die DW Akademie unterstützt Bürgerradios mit Trainings zu professioneller Berichterstattung.

Community Radio Bangladesch

Bürgerjournalisten bei Radio Sagor Giro in Sitakund

Das Gackern von Hühnern in einer Radioreportage über eine Gesundheitsstation? Das Brutzeln von frischem Fleisch auf einem Straßengrill in einem Bericht über Studentenleben? Die Beschreibung des beißenden Gestanks von Urin in einem Beitrag über eine Markthalle? Das volle Leben hören – die Sinne mit einer professionellen Berichterstattung anzusprechen und Themen anschaulich zu vermitteln, das gehört zum journalistischen Handwerk. Neuland für die freiwilligen Mitarbeiter der Bürgerradios in den Städten Rajshahi und Sitakund. Doch am Ende des einwöchigen Trainings der DW Akademie konnte sich das Ergebnis hören lassen: Jeder der 15 Teilnehmer realisierte eine lebendige Radioreportage samt Geräuschen und Interviews – und zeigte sich begeistert von dieser Art der "gestalteten" Berichterstattung.

"So spannend kann Radio sein"

"Man muss sich das so vorstellen", sagt Eberhard Sucker, Ländermanager Bangladesch der DW Akademie, "die Radiomacher haben keinerlei journalistische Grundkenntnisse. Daher waren sie unglaublich dankbar für das Training. 'So spannend kann Radio sein?' haben wir mehr als einmal gehört." Da es für Reporter-Einsätze bislang am entsprechenden Equipment mangelte und keine Fahrzeuge für Reportagen bereitstehen, bestand das Programm bislang hauptsächlich aus Gesprächen mit Studiogästen - die eigentlich wichtige Verbindung zu den Menschen in der Gemeinde kam dabei oft zu kurz.

Reportage aus der Stadt Rajshahi zu einem Busunglück, das gerade erst geschehen war und bei dem drei Studentinnen starben (in bengalischer Sprache).

Viele Mitarbeiter bei den Bürgerradios sind Journalistik-Studierende der Universitäten in Rajshahi und Chittagong. Für sie ist der nichtkommerzielle Lokalfunk die einzige Möglichkeit, etwas Praxiserfahrung zu sammeln. "Die Studierenden kennen sich sehr gut in journalistischer Theorie aus", sagt Margit Miosga, Trainerin der DW Akademie, "aber über die eigentliche Praxis, über das Radiomachen, wissen sie so gut wie nichts."

Im ersten Schritt ging es bei den Workshops darum, die Teilnehmer bei der Produktion von Radioreportagen zu unterstützen. Trainerin Miosga erklärte mit praktischen Übungen, wie eine gute Aufnahme gelingt und kämpfte sich gemeinsam mit den Teilnehmern durch Aufnahmen mit übersteuerten Tönen, zu leisen Interviews oder zu lauten Geräuschen. Damit jeder praktische Erfahrungen sammeln konnte, spendete die DW Akademie beiden Bürgerradios je fünf Aufnahmegeräte.

Den richtigen Ton finden

Abgesehen von technischem und handwerklichem Know-how wurde in den Trainings auch über die Haltung und Herangehensweise der Reporter gesprochen. "Ein anspruchsvolles Thema", findet Margit Miosga. "Wir erleben oft, dass die Reporter selbst eine sehr schüchterne, allzu respektvolle Haltung einnehmen und sich nicht trauen, kritisch nachzufragen." Dabei seien es gerade die Macher des Bürgerradios, die als Teil der Gemeinde nah dran an den drängenden Fragen und den Problemen der Menschen sind.

Eine Reportage aus der Markthalle von Rajshahi, wo die Reporter mit Entsetzen feststellten, dass es stark nach Urin riecht (in bengalischer Sprache).

Eine Hürde ist allerdings die Mediengesetzgebung. "Bürgerradios unterliegen der rechtlichen Vorgabe, nicht über landespolitische Themen zu berichten. Das heißt, die Berichterstattung beschränkt sich auf Themen wie Genderfragen, Ernährungs- und Gesundheitsberatung und Landwirtschaft, auf einer sehr lokalen Ebene", sagt Eberhard Sucker. Die Sender dürften zwar auch über lokalpolitische Themen berichten, "doch die freiwilligen Radiomitarbeiter würden sich sicherlich beispielsweise nicht mit einem lokalen Politiker anlegen."

Kooperation ausweiten

Für den Ländermanager bergen die Bürgerradios dennoch großes Potential. In Bangladesch gebe es eine Fülle an Medienangeboten, aber keine ausreichende Meinungsvielfalt. "Wir können mit den Bürgerradios zwar nur auf unterster Ebene agieren, aber manchmal spiegelt sich das Große ja auch im Kleinen wieder", sagt Sucker. Bis 2017 soll die Kooperation der DW Akademie auf weitere Bürgerradios in anderen Regionen ergänzt werden, so dass künftig die Berichterstattung durch die DW Akademie professionalisiert und journalistische Standards im landesweiten Netz der Bürgerradios etabliert werden können.



Die Workshops der DW Akademie an den Radiostationen in Rajshahi und Sitakund werden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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